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Der Klimawandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen aus: Sei es durch den extremwetterbedingten Ausfall von Zulieferern, Schäden an Verkehrsinfrastrukturen oder Gebäuden oder Änderungen der Beschaffenheit oder Verfügbarkeit von Rohstoffen.

Welche Instrumente und Informationsquellen können Sie bei der Bewertung betrieblicher Klimarisiken unterstützen? Wie gehen andere Unternehmen mit den Risiken des Klimawandels um? Was tut sich auf politischer Ebene im Bereich Klimarisikomanagement?

Hier finden Sie Best-Practice-Beispiele, Tools, innovative Projekte und Initiativen, interessante Studien und Analysen sowie News zu politischen Entwicklungen und Veranstaltungshinweise rund um das Management von Klimarisiken. Darüber hinaus informierten wir kontinuierlich über die Fortschritte des >> Projekts „Klimawandel – Challenge Accepted!“.

11. November 2020

Britische Regierung will verpflichtende Klimarisikoberichterstattung bis 2025 etablieren

Die regierungsstellenübergreifende britische TCFD-Taskforce hat am 09. November 2020 ihren Fahrplan für weitere Gesetzesvorhaben in Großbritannien veröffentlicht. Kernbestandteil soll die gesetzliche Verpflichtung zur obligatorischen Klimaberichterstattung für einen signifikanten Bestandteil des Wirtschaftssystems sein. Die Reportingpflichten sollen die elf empfohlenen Offenlegungen der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) für Unternehmen unter britischer Marktaufsicht umsetzen. Diese umfassen u. a. die Zusammenfassung der Governancestruktur im Klimarisikomanagement von Unternehmen, die Ermittlung von kurz-, mittel- und langfristigen Risiken und Chancen durch Klimarisiken für das Unternehmen oder die Offenlegung der Scope 1 und 2 sowie idealerweise der Scope 3 Emissionen inklusive daraus resultierender Risiken für das Unternehmen.

Börsennotierte Unternehmen (insb. London Stock Exchange – LSE) sowie alle Aussteller von Unternehmensanteilen (gem. Issuer-List der LSE, 2020: 1991 Unternehmen), große und in Großbritannien registrierte Privatunternehmen (gem. Companies Act von 2006, jährlicher Umsatz größer 36 Mio. Pfund Sterling, mehr als 250 Mitarbeiter, Bilanzsumme größer als 18 Mio. Pfund Sterling), Banken, Versicherungen, Gebäudegenossenschaften und Vermögensverwalter unter britischer Finanzaufsicht und heimische Pensionsfonds sollen diesen verschärften Reportingpflichten unterliegen.

Betroffene Unternehmen sollen die Möglichkeit eines sog. „comply or explain“ nicht gewährt bekommen. Dies bedeutet, dass eine Begründung für die Nicht-Offenlegung des Einflusses von Klimarisiken auf das Unternehmen zur Erfüllung der Informationspflicht nicht ausreicht. Die britische Regierung will ihren Plan im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren jetzt zeitnah umsetzen. Aktuell geht Schatzkanzler Rishi Sunak davon aus, dass bereits in 2023 die jeweiligen Vorschriften für die einzelnen Wirtschaftssektoren verabschiedet sein werden. Hintergrund ist, dass die oben angeführten Unternehmen unterschiedlichen behördlichen Zuständigkeiten unterliegen (u. a. Financial Conduct Authority FCA, Department for Business, Energy & Industrial Strategy BEIS oder The Pensions Regulator).

>> Zugang zum Fahrplan der UK TCFD-Taskforce

26. Oktober 2020

Fortschrittsbericht zur DAS: Maßnahmen mit hohem Handlungsbedarf

Am 21. Oktober 2020 hat die Bundesregierung den Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) verabschiedet und an den Deutschen Bundestag zur Bestätigung übersandt. Neben einer turnusmäßigen Bilanzierung der letzten fünf Jahre, werden im Aktionsplan Anpassung III 180 laufende und geplante Klimaanpassungs-Maßnahmen vorgestellt.

So wird im Cluster Wasser u. a. aufgrund der langfristig hohen Klimawirkung durch Flusshochwasser und Sturzfluten an den Meeresküsten ein hoher Handlungsbedarf festgestellt. Insbesondere hier sollen naturbasierte Hochwasserschutzmaßnahmen (z. B. natürliche Versickerungsflächen, Naturdämme) prioritär umgesetzt werden. Zudem sollen Hochwassergefahrenkarten in einem sechsjährigen Rhythmus fortgeschrieben und bundesweit in der Darstellung harmonisiert werden und somit für den Nutzer vergleichbar sein.

Im Cluster Infrastruktur geht insbesondere von der Unterspülung des Straßen- und Schienennetzes sowie von sonstigen hochwasserbedingten Schäden an Gebäuden die größte Gefahr aus. Im Cluster Wirtschaft wird in diesem Zusammenhang die klimawandelbedingte Einschränkung beim landgestützten Warentransport als problematischste Herausforderung eingestuft.

 

Die Bestimmung und besondere Wartung von strategischen Ausweichstrecken für den Schienentransport, das klimaangepasste Bauen von Gebäuden (z. B. Anpassung der technischen Regelwerke für den Bau und die Wartung von Gebäuden an die lokale Extremwetterbetroffenheit) und das Climate proofing u. a. des Nord-Ostsee-Kanals, des Rheins, der Außen-Elbe oder des Main-Donau-Kanals werden als Maßnahmen skizziert. Basis für die klimasichere Ausgestaltung der Wasserstraßen stellen in der Regel Langzeitsimulationen dar. Diese sind die Basis für die Festlegung von Grenzständen im Niedrigwasserszenario sowie bei der Überprüfung der Funktionalität von Dämmen und Uferinfrastrukturen im Hochwasserfall. Im Bundesverkehrswegeplan sollen zudem Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz priorisiert und das zur Verfügung stehende Budget erweitert werden.

Des Weiteren sollen die Potenziale der Dach- und Fassadenbegrünung zur Abschwächung der Folgen von Extremwetterereignissen in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden. Abhängig vom Ergebnis ist dies im Anschluss die Grundlage für ein bundesweites Förderprogramm für die Etablierung entsprechender Dach- bzw. Fassadenbegrünungen.

Die zunehmende Hitzebelastung stellt im Cluster Gesundheit das größte Handlungserfordernis dar. Um diesem adäquat zu entgegnen, sollen die staatlichen Rahmenbedingungen des Arbeitsschutzes überprüft und stetig angepasst werden (z. B. durch die Verschärfung technischer Regeln für den Arbeitsplatz). Informationsmaterialien sollen dazu beitragen, Arbeitgebern und -nehmern die Gefahren und mögliche Lösungswege in Bezug auf Hitzestress und UV-Strahlung aufzeigen.

>> Zugang zum DAS-Fortschrittsbericht

14. Oktober 2020

WMO-Update: Klimawandel erhöht Waldbrandgefahr

Am 28. September 2020 hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ein Update zu Ihrem ScienceBrief Review veröffentlicht. In diesem bestätigen die Forscher, dass der Klimawandel die Gefahr von Waldbränden signifikant erhöht. Für die ScienceBrief Review haben die Autoren der WMO insgesamt 116 wissenschaftliche Artikel und Beiträge, die sich mit dem Zusammenhang von Klimawandel und Waldbränden befasst haben, analysiert und zusammengefasst. Die ScienceBrief Review ist Teil der Dokumentenserie „Critical Issues on Climate Change Science“ der WMO, die für die Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow (01. bis 12. November 2021) vorbereitet wird.

Gemäß der ScienceBrief Review bedingt der Klimawandel ein vermehrtes Auftreten und eine Intensivierung von sog. Feuer-Wetterbedingungen (engl.: „fire weather“). Diese zeichnen sich durch eine Kombination aus hohen Temperaturen, geringer Luftfeuchtigkeit, einem geringen Niederschlag und hohen Windgeschwindigkeiten aus. In der Folge treten Waldbrände häufiger auf, wobei die Löscharbeiten durch die Wetterkonditionen (z. B. Wiederentfachen von Glutnestern durch starken Wind oder geringe Löschwasserverfügbarkeit durch Trockenperiode) zusätzlich erschwert werden. Auch die Landbewirtschaftung hat einen Einfluss auf das Auftreten und die Bekämpfung von Waldbränden und kann die Auswirkungen der Feuer-Wetterbedingungen ausweiten oder eindämmen. Die Flächenversiegelung kann das Auftreten von Bränden erhöhen. Die Etablierung von Feuerschneisen kann die Eindämmung von Waldbränden erleichtern.

Feuer-Wetterbedingungen treten weltweit vermehrt und intensiver auf und bedrohen so ca. 25 Prozent der globalen Vegetationsfläche, so die ScienceBrief Review der WMO. Besonders gefährdete Regionen sind dabei die Westküste Nordamerikas (insb. Kalifornien), die Ostküste Afrikas (insb. Äthiopien, Somalia und Kenia), der Norden Australiens und Brasilien. In Europa sind der Süden Spaniens und Portugals, die Küsten der Ägäis (Griechenland und Türkei) sowie die West-Ukraine besonders von Feuer-Wetterbedingungen betroffen. Insbesondere die Mittelmeerregion wird in neuesten Forschungsbeiträgen zur Waldbrandgefahr als besonders bedroht angesehen. So gehen Forscher schon bei einem RCP 4.5 Szenario von einer Zunahme der Feuerwetterbedingungen und damit einer nochmals erhöhten Waldbrandgefahr von 14 bis 30 Prozent bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus.

>> Zugang zum Update der WMO vom 28. September 2020

28. September 2020

Klimawandelbedingt eingeschränkte Verfügbarkeit von Verkehrsinfrastruktur

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat im August 2020 den Ergebnisbericht „Verkehr und Infrastruktur an Klimawandel und extreme Wetterereignisse anpassen“ vorgestellt. Dieser soll Hinweise geben, wie die Verkehrsinfrastruktur klimasicher gemacht werden kann. Zudem wird ein Überblick über verschiedene Ansätze von Anpassungsmaßnahmen gegeben, die die veränderten zukünftigen Klimabedingungen für alle Verkehrsträger adressieren sollen.

Die Zukunftsprognosen im Ergebnisbericht erwarten für die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland zunehmende Gefährdungen durch Hoch- und Niedrigwasser sowie Hangrutschungen. So könnte der Betrieb des Nord-Ostsee-Kanals, die Schiffbarkeit des Rheins sowie die Zufahrt in den Hamburger Hafen durch den Anstieg des Meeresspiegels, eine zu geringe Flusstiefe bzw. das Überschreiten des höchsten Schifffahrtswasserstandes eingeschränkt werden.

Im nationalen Schienen- und Fernstraßennetz wird die Exposition gegenüber extremen Hochwassergefahren (Auftreten: mindestens alle 100 Jahre) auf jeweils acht Prozent beziffert. Rund 2.590 Kilometer des Fernstraßennetzes und 1.900 Kilometer des Schienennetzes sind einer Expositionsanalyse zufolge von der Gefahr einer gravitativen Massenbewegung (Hangrutsch) betroffen. Klimawandelbedingt zunehmende Extremwitterungen können die Stabilität von Hängen beeinträchtigen und so die Wahrscheinlichkeit von Rutschungen sowie von Gleit-, Sturz- und Fließprozessen erhöhen.

Regionale Stresstest-Fallstudien für das Mittelrheingebiet zeigen zudem, dass wetterbedingte Extremereignisse, die potenziell mehrere Verkehrsträger gleichzeitig beeinträchtigen, z. B. extreme Hochwasser, im Schadensfall in der Regel mit besonders hohen zusätzlichen Transportkosten pro Tag von bis zu zwei Mio. Euro verbunden sind. Besonders lang andauernde Ereignisse, z. B. eine niedrigwasserbedingte Einschränkung der Schiffbarkeit, führen im Schadensfall potenziell zu besonders hohen zusätzlichen Gesamtkosten (250 bis 300 Mio. Euro zusätzliche Gesamtkosten). Folgekosten wie der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, die über die reinen zusätzlichen Transportkosten hinaus gehen, wurden nicht einbezogen.

Der Ergebnisbericht sieht die Notwendigkeit für Anpassungsmaßnahmen in der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland. Diese werden in unterschiedliche Handlungsfelder unterteilt. So finden sich beispielsweise informatorische Ansätze zur Entwicklung neuer Informations- und Frühwarndienste oder Ansätze zur Aktualisierung von bestehenden Regulationen als Kategorien. Auch ingenieurstechnische Maßnahmen für konkreten baulichen Schutz werden als Handlungsfeld angeführt.

Der Ergebnisbericht empfiehlt ein enges Monitoring der tatsächlichen Klimaentwicklung zur Identifizierung passender Eingriffszeitpunkte für entsprechende Anpassungsmaßnahmen. Zudem sollen flexible Elemente in der Maßnahmenplanung und bei der Bewertung der Effektivität umgesetzter Maßnahmen genutzt werden, um die Unsicherheit bei der tatsächlichen Entwicklung der klimatischen Bedingungen adäquat adressieren zu können.

>> Zugang zum Ergebnisbericht „Verkehr und Infrastruktur an Klimawandel und extreme Wetterereignisse anpassen“

10. September 2020

Erhöhte Klima- und Umweltrisiken durch den Klimawandel für den Finanzsektor

Das NGFS hat am 10. September 2020 den Bericht „Overview of Environmental Risk Analysis by Financial Institutions“ veröffentlicht. Dieser fasst die Gefahren, die von Klima- und Umweltrisiken für die Stabilität des Finanzsektors ausgehen, zusammen. Die finanziellen Belastungen der Volkswirtschaften durch die Folgen des Klimawandels sowie eine unzureichende Risikotransformation der Banken und Finanzinstitute werden als größte Herausforderung angesehen:

Durch eine höhere Verschuldung bzw. durch eine Abwertung der möglichen Sicherheiten (z. B. Wert des Grundstückes bzw. der Anlage) steigen die Kredit- und operationellen Risiken der Kreditinstitute. Zudem vergrößert sich auch das Liquiditätsrisiko durch die erhöhte Nachfrage nach Liquidität und dem erhöhten Refinanzierungsrisiko (Risiko die zusätzlich benötigten Kredite nicht bedienen zu können). Auch das Versicherungs- und das Marktpreisrisiko für Finanzinstitute steigt durch erhöhte Klima- und Umweltrisiken. Mit zunehmenden Schäden aus Extremwetterereignissen steigt die Summe der versicherten Schäden. Dies erhöht die finanziellen Ansprüche gegenüber den Versicherungen. Gleichzeitig nimmt auch die Versicherungslücke von nicht abgedeckten Verlusten aus Extremwetterereignissen zu. Dies schwächt die Volkswirtschaft allgemein, da die individuellen Ausfallwahrscheinlichkeiten von Unternehmen, Standorten und Einzelpersonen durch die nicht ersetzten Schäden steigen. Der Bericht dient der Darstellung der Zusammenhänge von Klima- und Umweltrisiken und daraus resultierenden Risiken für den Finanzsektor. Er soll in erster Linie die Sensibilität der handelnden Akteure erhöhen. Konkrete Werte, um wie viel sich ein entsprechendes Risiko erhöht, werden nicht angegeben.

Vermehrt auftretende Extremwetterereignisse führen u. a. zu Schäden an Anlagen oder zu einer Unterbrechung der Lieferkette. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur sowie häufigere Hitzetage können die landwirtschaftliche Produktion einschränken bzw. einzelne Ernten zerstören. Aufgrund von geänderten, nachhaltigeren Kundenpräferenzen müssen sich Unternehmen mit Ihren Produkten neu oder angepasst am Markt aufstellen und entsprechende Investitionen in neue Produktionsverfahren tätigen. In allen Fällen führen die Folgen des Klimawandels zu einem Entzug von liquiden Mitteln bei den Produzenten und Dienstleistern. So muss kurzfristig die Investitionssumme für Renovierungen bzw. die Beseitigung der Schäden aufgebracht werden. Bei einem Ernteausfall bricht oftmals ein Großteil der Einnahmen weg. Die Umstellung von Produktionsverfahren erfordert zumeist hohe Investitionsvolumina, wobei ein Erfolg am Markt mit Unsicherheiten behaftet ist.

Für einen adäquaten Umgang mit den Klima- und Umweltrisiken hat die NGFS bereits im Jahr 2019 sechs Handlungsempfehlungen für Finanzinstitute und sonstige Teilnehmer im Finanzsystem herausgegeben:

  • Hervorhebung der Bedeutung von Klima- und Umweltrisiken im Finanzsektor (z. B. ggü. Banken, Versicherungen, privaten Versicherungs- bzw. Finanzberatern)

  • Entwicklung von analytischen Instrumenten und einheitlichen Datenbanken

  • Förderung von Demonstrationsvorhaben (z. B. Entwicklung von Versicherungsprodukten für eine besonders vom Klimawandel betroffene Region)

  • Transparenz bzgl. der Verwundbarkeit der Assetstruktur von Finanzinstituten gegenüber Klima- und Umweltrisiken

  • Entwicklung von Key Risk Indicators (KRI), die die für den Finanzsektor folgenschwersten Klima- und Umweltrisiken umfassen

  • Unterstützung von nachhaltigen Taxonomie-Verordnungen, also Klassifikationssystemen für nachhaltige Investitionen und höhere Kapitalanforderungen für umweltbelastende Finanzprodukte

 

Das Network for Greening the Financial System (NGFS) setzt sich aus 69 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zusammen. Das NGFS wurde im Rahmen des sog. „One Plante Summit“ am 12. Dezember 2017 in Paris gegründet. Ziel des Netzwerkes ist es, das Klimarisikomanagement im Finanzsektor auszubauen und Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen sowie klimafreundliche Technologien anzureizen.

>> Zugang zum Bericht „Overview of Environmental Risk Analysis by Financial Institutions“

20. August 2020

RAINMAN-Toolbox zur Starkregenvorsorge

Das Projekt RAINMAN richtet sich insbesondere an kommunale Entscheidungsträger und interessierte Privatpersonen, die Methoden, (Kommunikations)-Strategien und Schutzmaßnahmen zum Umgang mit Starkregenereignisse kennenlernen möchten. Die Webseite RAINMAN-Toolbox (www.rainman-toolbox.eu) legt ihren Fokus bei der Bereitstellung von Hilfsinstrumenten und Anwendungsbeispielen auf Standorte in Mittel- und Osteuropa.

In einem ersten Schritt können Informationen über Starkregenereignisse und deren Konsequenzen abgerufen werden. Dies soll einerseits der Sensibilisierung aber auch der Aufklärung von notwendigen Bestandteilen einer Starkregenvorsorge dienen. So werden beispielsweise Regenabflussanalysen und hydrologische Simulationen als Instrumente zur Bestimmung der Betroffenheit von Starkregenereignissen beschrieben. Kommunikationsstrategien, die eine breite Einbindung der Einwohner bei der Umsetzung einer kommunalen Starkregenvorsorge unterstützen sollen, sind ebenfalls Teil der RAINMAN-Toolbox.

Darüber hinaus enthält die Webseite für unterschiedliche Länder Mitteleuropas (u. a. Deutschland, Österreich, Polen oder Tschechien) Verlinkungen zu existierenden staatlichen Hilfsmitteln zur Betroffenheitsanalyse. Hier erhält der Interessierte beispielsweise Zugang zum Wasser Informationssystem Austria, das den Oberflächenabfluss in den österreichischen Bundesländern in einem Geo-Informationssystem zusammenfasst und Risikogebiete für Überflutungen nach Starkregenereignissen kennzeichnet. Ähnliche Services finden sich für Tschechien und Polen. Für Kroatien erhält der Besucher Zugang zu einem historischen Register, in dem seit 2007 alle Starkregenereignisse unterteilt nach den Regionen aufgelistet werden. Für Standorte in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bremen werden Leitfäden für das Starkregenmanagement verlinkt.

Verbunden mit der Darstellung von den finanziellen, gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen werden zudem praktische Hilfsinstrumente vorgestellt. Im Bereich der Risikoreduzierung finden sich hier Maßnahmen zum besseren Regenablauf an Gebäuden, konkrete Inhalte von Alarmstrategien des kommunalen Gesundheits- und Katastrophenschutzes oder Ausgestaltungen für Regenrücklaufmaßnahmen in angrenzenden Wäldern, Anhöhen oder Siedlungsgebieten.

Der letzte Schritt beinhaltet eine Vorstellung von Anwendungsbeispielen der RAINMAN-Toolbox. Diese Best-Practice-Stories stellen z. B. die hydrologische Simulation von Meißen (Sachsen), den Heavy Rain Risk Check in Graz (Steiermark) oder ein spezielles Trümmergitter zum Schutz von Kanalzugängen und Abflussstellen vor.

>> Zugang zur RAINMAN-Toolbox

07. August 2020

Erneuerung des Stahlwasserbaus des Sylvensteinspeichers

Am 23. Juli 2020 hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber den neuen Stahlwasserbau am Sylvensteinspeicher zur Nutzung freigegeben. Dieser befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Lenggries und regelt den Isarzufluss für den Ballungsraum München bis Landshut. Für den neuen Stahlwasserbau, der einem verbesserten Hochwasserschutz dienen soll, fielen Investitionskosten in Höhe von 12 Mio. Euro an.

Konkret wurden insbesondere die beiden mechanischen Tiefablässe (Triebwasserstollen, Grundablass) durch hydraulische Systeme ersetzt. Durch die Modernisierung soll die uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit des Sylvensteinspeichers gewährleistet werden. Durch die klimawandelbedingte Häufung von Starkregenereignissen steigt im Zuge der Hochwasserbewirtschaftung die Beanspruchung des Sylvensteinspeichers. Bei maximaler Befüllung fasst der Sylvensteinspeicher rund 125 Mio. Kubikmeter Wasser. Die hydraulischen Ablasssysteme erhöhen die Fähigkeit zum zielgerichteten Wasserflussmanagement im Isartal bis Niederbayern.

Im Fall von Hitzeperioden ist durch diese Steuerungsfähigkeit auch eine zielgerichtete Niedrigwasseraufstockung möglich. Somit führt die Isar auch an Hitzetagen immer genügend Wasser, so Umweltminister Glauber.

>> Pressemitteilung zur Erneuerung des Stahlwasserbaus des Sylvensteinspeichers

04. August 2020

PIK & MCC-Studie: Klimawandel führt zu 10 Prozent Verlust der durchschnittlichen Wirtschaftleistung

Die Studie „The impact of climate conditions on economic production. Evidence from a global panel of regions“ wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Mercator Research Institute for Global Commons und Climate Change (MCC) erstellt und am 04. August 2020 veröffentlicht. Darin werden die Folgen einer steigenden Erderwärmung gemäß RCP Szenario 8.5 für die Wirtschaftsleistung auf subnationalem Level (z.B. deutsche Bundesländer, französische Départements, amerikanische Bundesstaaten oder kanadische Provinzen) untersucht.

Im Ergebnis beziffern die Forscher den Verlust an durchschnittlicher globaler Wirtschaftsleistung im Falle einer Erderwärmung von 3,5 Grad Celsius in 2100 auf bis zu sieben bis vierzehn Prozent. In Folge könnten die zukünftigen Kosten für den Ausstoß einer Tonne CO2 im Jahr 2020 auf 73 bis 142 US-Dollar ansteigen. Die große Spanne der Schadenskosten ergibt sich aus den verwendeten unterschiedlichen Regressionsanalysen (Annual und long-distance Panel, cross-sectoral Panel).

Unter besonders vulnerablen klimatischen Bedingungen, wie diese etwa in den Tropen vorzufinden sind, kann der Verlust der Wirtschaftsleistung mehr als 20 Prozent betragen. Die Forscher begründen diese Folgen u. a. mit einer geringeren Produktivität, geringeren Erträgen vor allem in der Landwirtschaft und höheren Kosten für den Betrieb der Infrastruktur (z. B. Kühlung von Rechenzentren, Aufbau und Unterhalt von klimaresilienten Verkehrsinfrastrukturen).

Regionen mit einem niedrigeren BIP sind wirtschaftlich tendenziell stärker von der Erderwärmung betroffen, da diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in Gebieten mit einer hohen jährlichen Durchschnittstemperatur liegen. In Europa erwarten die Autoren die stärksten wirtschaftlichen Verluste durch die Erderwärmung in der Südhälfte der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und Italien sowie in Südosteuropa.

Das von William D. Nordhaus („Evolution of modeling of the economics of global warming: changes in the dice model“, 2018) entwickelte sog. DICE-Modell zur Berechnung der sozialen Kosten von CO2, beziffert anhand einer Schadensfunktion den volkswirtschaftlichen Schaden der Erderwärmung auf ein Prozent je Grad Celsius Erderwärmung pro Jahr. Die Studie des PIK und MCC hat ihren eigenen Datensatz für eine Berechnung in die Schadensfunktion des DICE-Modells eingesetzt. Im Ergebnis werden damit deutlich höhere finanzielle Schäden durch die Erderwärmung prognostiziert.

Für ihre Analyse erstellten die Autoren einen Datensatz, der Klima- und Wirtschaftsinformationen aus 1.500 Regionen in 77 Ländern zusammenfasst. Darin enthalten sind
u. a. Aufzeichnungen von Wettersatelliten oder -stationen, GPS-Daten über die Abstände zwischen kritischen Infrastrukturen und potentiellen Naturgefahren oder Informationen aus statistischen Jahresberichten über die Wirtschaftsleistung und Bevölkerungsentwicklung.

>> Zugang zur Studie „The impact of climate conditions on economic production. Evidence from a global panel of regions“ 

23. Juli 2020

Natur-basiertes Hochwasserrisikomanagement unterrepräsentiert

In der Studie „Exploring the uptake of nature-based measures in flood risk management: Evidence from German federal states“ der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurden 19 Hochwasserrisikomanagementpläne analysiert. Die Pläne, die für die Jahre 2012 bis 2015 erstellt wurden, beziehen sich auf Gebiete in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen. Die darin vorgeschlagenen 4.282 Maßnahmen adressierten vorwiegend die Verhaltens- und Risikovorsorge sowie technische Schutzmaßnahmen. So wurden beispielsweise Alarm- und Einsatzpläne von Hochwasserschutzkräften aktualisiert, Strategien zur Sensibilisierung der Bevölkerung vor Hochwassergefahren aufgenommen sowie die Renovierung bzw. Ausweitung existierender Schutzwälle umgesetzt.

Maßnahmen des natur-basierten Hochwasserschutzes, wie zum Beispiel die Renaturierung des Uferbereichs, die Flussauenentwicklung oder der Rückbau von Wehren, sind mit knapp neun Prozent der Maßnahmen unterrepräsentiert. Gemäß der Analyse wurden natur-basierte Maßnahmen insbesondere bei kleineren Nebenflüssen und Situationen mit geringerem allgemeinem Hochwasserrisiko vorgeschlagen und umgesetzt. Die Autoren schließen, dass Entscheidungsträger eine längere Umsetzung und höhere Verwaltungskosten befürchteten, die Wirksamkeit der entsprechenden natur-basierten Maßnahmen hinterfragten und deshalb weniger Vertrauen in natur-basierte Lösungsansätze hatten.

Als mögliche Lösung verweist die Studie auf eine bessere Einbindung von Experten vor Ort bei der Erstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen sowie auf die einheitliche Verwendung von Daten zu einer quantitativen Einschätzung der Wirksamkeit von natur-basierten Hochwasserschutzmaßnahmen. Natur-basierte Hochwasserschutzmaßnahmen können neben ihrer Schutzwirkung auch die Wasserqualität erhöhen und die Artenvielfalt durch die Schaffung von Lebensräumen fördern, so die Autoren.

Die Mitgliedsstaaten der EU sind gemäß der Richtlinie über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken auf Ebene der Flussgebietseinheiten oder der Bewirtschaftungseinheiten zur Erstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen verpflichtet (Frist: erstmalige Erstellung und Veröffentlichung bis zum 22. Dezember 2015).

>> Zugang zur Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum

10. Juli 2020

Zentrale Datenbank für Klimavorsorgedienste in Deutschland (Klimavorsorgeportal - KLiVO)

Das Deutsche Klimavorsorge Portal (KLiVO) bietet dem Besucher Zugang zu kostenlosen Instrumenten und Informationen, die beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels in Deutschland helfen können. Das Portal ist Teil der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) der Bundesregierung und unterliegt einer externen Qualitätssicherung. In der Übersicht „Dienste“ des KLiVO finden sich entsprechende Steckbriefe der Angebote auf Ebene des Bundes, der Bundesländer oder einzelner Kommunen. Zusätzlich sind Dienste anderer Institutionen, wie z. B. des Deutschen Wetterdienstes (DWD) oder des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt, im KLiVO enthalten und darüber kostenlos zugänglich.

Zentraler Anlaufpunkt für Interessierte ist die Suchmaske des KLiVO-Portals. Hier können die im KLiVO enthaltenen Vorsorgedienste nach acht Kriterien bzw. in einer Stichwort- und Volltext-Suche bedarfsgerecht „gefunden“ werden. Mögliche Filteroptionen sind das Bundesland, das Handlungsfeld (bspw. der Wirtschaftssektor) oder die Klimawirkung (bspw. Hoch- und Niedrigwasser, Hitzeperioden oder Starkregen).

Nachfolgend sind exemplarisch zugängliche Analysetools oder Informationsservices, die im KLiVO enthalten und über dieses Portal zugänglich sind, angeführt:

Der Deutsche Klimaatlas wird vom DWD erhoben und gepflegt. Hier sind historische Wetterdaten und Prognosen für die lokale und regionale Entwicklung des Klimas in verschiedenen Modellen und Simulationen bis zum Jahr 2100 zusammengefasst. Der Interessierte kann sich dabei Simulationen zu verschiedenen Variablen, wie der Lufttemperatur, der Anzahl an heißen Tagen, den Niederschlag oder den Waldbrandindex, in unterschiedlichen Zeitintervallen und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Klimamodelle anzeigen lassen.

Ein weiterer Dienst ist der sog. UV-Index. Hier werden die am Boden erwarteten Tagesspitzenwerte der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung angegeben. Mit diesem Warnsystem möchte der DWD zur Vorsorge von Hautkrebs während einer Tätigkeit im Freien beitragen.

Über das KLiVO wird zudem ein Zugang zu den Hitzewarnungen des DWD ermöglicht. Hierbei soll frühzeitig vor lokalen Hitzeextremen gewarnt werden, um entsprechende Anpassungsmaßnahmen beispielsweise für Mitarbeiter oder Anlagen im Betrieb anzuregen.

Darüber hinaus finden sich weitere Anpassungsinstrumente, wie das Länderübergreifende Frühwarnsystem und Hochwasserportal (LHP) mit rund 1.300 aktuellen Pegelständen an deutschen Fließgewässern, der Leitfaden für den „Schutz kritischer Infrastrukturen – Risiko- und Krisenmanagement“ des BMI oder Zugang zur Webseite „Elementar versichern“ des StMWi im KLiVO wieder.

Ebenso werden Ergebnisse aus Klimaanpassungsprojekten vorgestellt. So beispielsweise auch der von co2ncept plus entwickelte ClimateRisk-Mate aus dem Projekt „Klimawandel Challenge Accepted“. Das Tool unterstützt Unternehmen bei der Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken. Über den Steckbrief wird man zum Climate Risk Mate weitergeleitet, wo das Excel-basierte Tool heruntergeladen und eine Arbeitshilfe bereitgestellt wird.

>> Zugang zum KLiVO-Portal

>> Zugang zur Dienste-Suchmaske des KLiVO

22. Juni 2020

Aktualisiertes Förderprogramm zur Dach- und Fassadenbegrünung in Hamburg

Bei der Hamburger Investitions- und Förderbank ist seit dem 01. Juni 2020 eine aktualisierte Förderung für Dach- und Fassadenbegrünungen verfügbar. Diese richtet sich an entsprechende Maßnahmen, die auf bzw. an Wohn- und Nichtwohngebäuden auf dem Gebiet der Stadt Hamburg realisiert werden. Die maximale Fördersumme je Gebäude in Form eines einmaligen nicht rückzahlbaren Zuschusses beträgt 100.000 Euro. Die Höhe der Förderung ist abhängig vom Antragsteller und reicht von 40 Prozent (große Unternehmen) über 50 Prozent (mittlere Unternehmen) bis 60 Prozent (Privatpersonen und kleine Unternehmen) der förderfähigen Kosten. Die Stadt Hamburg stellt insgesamt 500.000 Euro für die Förderung bereit.

Bei Dachbegrünungen gliedert sich die Förderung von Nichtwohngebäuden und nicht selbstgenutzten Wohngebäuden in drei Förderbestandteile: Die Grundförderung beträgt 10 Euro pro Quadratmeter Nettovegetationsfläche. Zusätzlich wird jeder Zentimeter an Substratdicke von acht bis 20 Zentimeter mit einem Euro und ab 20 bis 50 Zentimeter jeder weitere Zentimeter Substratdicke mit zwei Euro je Quadratmeter gefördert.

Der zweite Förderbestandteil der Dachbegrünung beinhaltet die verbindliche Fertigstellungspflege. Diese wird bis zu zwölf Monate nach der Einbringung bzw. Aussaat mit 50 Prozent der Pflegekosten je Quadratmeter Nettovegetationsfläche gefördert. Die Fertigstellungspflege dient zur Sicherstellung des Anwuchserfolges der Pflanzungen und der Erzielung einer entsprechenden Flächendeckung.

Der dritte Förderbestandteil besteht aus möglichen Zuschlägen. Die Grundförderung erhöht sich um 15 Prozent, sofern das betreffende Gebäude sich in der Inneren Stadt (siehe Anhang Nr. 5 der Förderrichtlinie) befindet. Maßnahmen zur Verbesserung der Tragfähigkeit des Daches von Bestandsgebäuden werden zu 100 Prozent bzw. max. fünf Euro je Quadratmeter Nettovegetationsfläche unterstützt. Die Kombination aus einer extensiven Dachbegrünung (Substratdicke: 8 bis 15 Zentimeter) und solarer Energiegewinnung werden mit 100 Prozent des Mehraufwandes bzw. maximal zehn Euro je Quadratmeter Bruttokollektorfläche gefördert.

Bei Fassadenbegrünungen werden boden- und wandgebundene Fassadenbegrünungen pauschal mit 40 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert. Die Förderung kann für Maßnahmen an Neu- und Bestandsgebäuden beantragt werden. Bei wandgebundenen Fassaden ist zudem eine Mindestbegrünungsfläche von 10 Quadratmetern zu beachten. Die verbindliche Fertigstellungspflege wird bis zu 24 Monate nach Neupflanzung mit bis zu 50 Prozent der Pflegekosten übernommen.

>> Zugang zum Förderprogramm

04. Juni 2020

Projekt „Klimabaustoffe“ der HanseGrand Klimabaustoffe e.K.

Die HanseGrand Klimabaustoffe e. K. hat im Zuge des Projektes „Klimabaustoffe“ Materialien für den Wegebau entwickelt, die eine offenporige und resistente Wegestruktur ermöglichen. Im Zuge des Klimawandels treten Extremwetterereignisse häufiger und intensiver auf. Der Niederschlag oder die Hitze greifen dabei herkömmlich asphaltierte oder natürliche Wegestrukturen in besonderem Maße an. In der Folge kann die Nutzbarkeit der Infrastruktur beeinträchtigt werden (z. B. Asphalt-Krebs, erhöhte Porosität des Weges).

Die offenporigen Klimabaustoffe verfügen nach Herstellerangaben über eine hohe Wasser- und Luftdurchlässigkeit. Somit sollen Sie durch eine gesteigerte Bodenatmung eine positive Wirkung auf das Mikroklima haben. Die Speicherkapazität erhöht zudem im Falle eines Starkregenereignisses die Wasser-Aufnahme- und Durchleitungsfähigkeit der Infrastruktur in das Grundwasser. Die Klimabaustoffe setzen sich in ihrer Textur aus einer Kombination von natürlichen Ressourcen zusammen. Insbesondere ein Kakteenextrakt, der sog. Stabilizer, soll die Abnutzung der Oberfläche bei intensiver Nutzung reduzieren.

In den letzten drei Jahren wurden ca. 1.200 Kilometer Wegestrecke mit den Klimabaustoffen gedeckt. Damit konnten laut Projektleitung eine Fläche von 2.400 km2 entsiegelt werden.

>> Projekt Klimabaustoffe

20. Mai 2020

Klimawandelbedingte Naturgefahren in Anlagen mit gefährlichen Stoffen

Das Umweltbundesamt (UBA) hat am 14. Mai 2020 eine Expertise über den Einfluss von klimawandelbeeinflussten Naturgefahren auf Anlagen, in denen gefährliche Stoffe vorhanden sind, veröffentlicht. Adressiert werden Unternehmensbereiche, die der Störfall-Verordnung unterliegen, sowie Anlagen mit gefährlichen Stoffen, die nach § 3 Absatz 5a des Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigungsbedürftig sind. Die Expertise fasst die Ergebnisse von zwei UN/OECD – Workshops im Rahmen des NATECH II – Projektes (NATECH = Natural Hazard Triggered Technological Accidents) zusammen und listet unterschiedliche Best-Practice-Beispiele auf.

Gewitter, Stürme oder Niederschläge können durch Einwirken auf (technische) Anlagen erhebliche Schäden anrichten. Werden in solchen Anlagen zusätzlich gefährliche Stoffe gelagert oder verarbeitet, so ist auch eine eventuelle Freisetzung dieser Stoffe für das Schadensausmaß relevant.

Die Expertise geht u. a. davon aus, dass Gewitter durch den Klimawandel häufiger und intensiver auftreten werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit der Überflutung von installierten Anlagen und die Gefahr, dass gefährliche Stoffe in das Grundwasser gelangen. Längere und intensivere Hochtemperaturphasen könnten ohne entsprechende Adaption die Temperatur innerhalb der Anlagen erhöhen und z. B. unerwünschte chemische Reaktionen der gelagerten Stoffe auslösen.

Das Dokument gibt allgemeine Empfehlungen für das Klimarisikomanagement u. a. für Betreiber von entsprechenden Anlagen. Diese sollten natürliche Gefahrenquellen, die sich durch den Klimawandel verändern können, bei der Störfallanalyse ihres Standortes einbeziehen. Beispiele hierfür sind:

Die Etablierung von Frühwarnsystemen, spezialisierte Alarm- und Gefahrenabwehrpläne, die Errichtung von Koordinationsstellen für die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden sowie dem Landkreis im Unglücksfall oder die entsprechende Fortbildung sowie Schulung der Mitarbeiter im Gefahrenabwehrmanagement.

>> Zugang zur UBA-Expertise

07. Mai 2020

Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit des StMUV

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat am 04. Mai 2020 eine Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit bekannt gegeben. Der Minister begründete dies mit den negativen Folgen, die der Klimawandel auf die Wasserverfügbarkeit in Bayern hat. So häufen sich nach Ansicht des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) abnehmende Niederschläge in den Sommerhalbjahren und generell länger andauernde Trockenperioden in Bayern. 

Gemäß der angepassten Strategie für Wassersicherheit soll die Trinkwasserversorgung in Bayern auf Basis regionaler Wasserbilanzen sichergestellt werden. In den Regierungsbezirken werden die Wasserbilanzen unter Verwendung neuester Daten und Klimamodelle aktualisiert. Die bayerische Trinkwasserversorgung ist hinsichtlich der Gewinnung und der Versorgung dezentral aufgebaut. Das bedeutet, dass das Trinkwasser nahezu vollständig vor Ort aus dem Grundwasser gewonnen wird. Die aktualisierten regionalen Wasserbilanzen sollen daher die einzelnen bayerischen Trinkwassereinzugsgebiete ermitteln und differenziert bewerten.

Auf Basis dieser Analyse können Maßnahmen vor Ort, wie die Ausweisung von Wasserschutz- oder wasserwirtschaftlichen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten, erfolgen. Als Reaktion auf die klimawandelbedingte zunehmende Trockenheit in Bayern werden zudem sog. Verbundleitungen zwischen einzelnen Wasserversorgungsgebieten gefördert. Damit soll die Wasserverfügbarkeit insgesamt erhöht und die Versorgung zusätzlich abgesichert werden. Der Freistaat hat diesbezüglich eine Fördersumme von 35 Mio. Euro für den Bau von insgesamt 300 Kilometern Verbundleitungen zugesagt.

Darüber hinaus soll die Wasserverfügbarkeit auch in der Landwirtschaft unterstützt werden. Hierfür fördert das Staatsministerium nachhaltige und innovative Bewässerungskonzepte, die in diesem Jahr in erste Pilotprojekte überführt werden sollen. Ziel ist dabei die Vereinbarkeit von effizienter Wasserentnahme zur Schonung der Wasserressourcen und gleichzeitiger flächendeckender Versorgung für die landwirtschaftliche Produktion.

>> Pressemitteilung zur Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit

27. April 2020

Waldzustandsbericht 2019 veröffentlicht

Die Bundesländer erstellen jährlich auf Basis eines systematischen Netzes an Stichproben einen Waldzustandsbericht. Das Thünen-Institut fasst die Ergebnisse und Daten aller Berichte im Waldzustandsbericht der Bundesregierung zusammen. Für das Jahr 2019 wurde dieser am 07. April 2020 veröffentlicht. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung des deutschen Waldes im Jahr 2019 durch Trockenstress gekennzeichnet war. Die Autoren machen dies u. a. an einem lichteren Kronenzustand, der größeren Ausbreitung von Schädlingen insbesondere bei der Fichte (z. B. der Borkenkäfer) und einem vermehrten Absterben von Bäumen fest.

Die durch den Klimawandel häufiger und intensiver aufgetretenen Hitze- bzw. Dürreperioden hätten in den Vegetationszeiten zu einem verfrühten Abfall der Blätter geführt, so die Studie. Der Belaubungszustand ist dabei ein Indikator für die Vitalität und die Widerstandsfähigkeit der Bäume. Der Anteil der Bäume mit intakter Kronenverlichtung (Maß für einen gesunden voll belaubten/benadelten Baum) am Gesamtbaumbestand war mit ca. 22 Prozent in 2019 auf einem historischen Tiefstand. Dagegen stieg in 2019 der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 36 Prozent.

Die Baumarten Eiche und Buche weisen mit 50 bzw. 47 Prozent einen besonders hohen Anteil dieser deutlichen Kronenverlichtungen auf. Bei der Fichte bzw. der Kiefer betrug der Anteil „nur“ 36 bzw. 26 Prozent.

 

Die deutschen Wälder sind ein großer Kohlenstoffspeicher und somit wichtiger Bestandteil des Kohlenstoffkreislaufes. Die Kohlenstoffinventur 2017 beziffert den gebundenen Kohlenstoff in den Wäldern sowie in Totholz auf 1,26 Mrd. Tonnen C. Der deutsche Wald fungiert zudem als Senke und entlastet die Atmosphäre um ca. 62 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Eine klimawandelbedingte Verschlechterung des Waldzustandes kann diese Speicherfähigkeit reduzieren und die Klimawirksamkeit der deutschen Wälder weiter einschränken.

>> Waldzustandsbericht der Bundesregierung 2019

13. April 2020

Abmilderung der Gefahren aus Hochwasser und Dürren durch Flussauen

Am 03. März 2020 hat die Europäische Umweltagentur (EUA) den Bericht „Floodplains: a natural system to preserve and restore“ veröffentlicht. Darin weist die EUA bei natürlichen Überflutungsflächen/Flussauen auf einen durch menschliche Einwirkung verursachten Flächenrückgang von 90 Prozent in den letzten zwei Jahrhunderten hin.

Als Gründe führt der Bericht bauliche Hochwasserschutzmaßnahmen, Flussbegradigungen, landwirtschaftliche Flächennutzung oder die Urbanisierung an. Alle Maßnahmen hätten eine Entkoppelung von Flussverlauf und Flussauen zur Folge gehabt. Die EUA fordert daher einen ökologischen Ansatz bei der Pflege und größere Anstrengungen bei der Wiederherstellung der Flussauen in Europa. Sie hebt dabei die Bedeutung, die diese natürlichen Überflutungsflächen für den Hochwasserschutz, die Abmilderung von Dürreperioden, die Wasserqualität und das Bewahren der Biodiversität haben, hervor.

Die von Hochwasser verursachten Schäden zählen auch in weiten Teilen Europas für Staaten, Unternehmen und die Bevölkerung zu den wirtschaftlich folgenschwersten. Die Munich RE beziffert den weltweiten Gesamtschaden aus Hochwassern seit 1980 auf 1.092 Mrd. US-Dollar.

Durch den Klimawandel haben sowohl Hochwasser- als auch Dürreereignisse an Häufigkeit und Intensität zugenommen, so die EUA. Intakte Flussauen nehmen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels in Europa, durch Ihre Funktion als natürliches Reservoir zum Puffer der Wassermengen oder als klimatischer Ausgleich von hohen Temperaturen, eine wichtige Ausgleichsrolle ein.

>> Bericht „Floodplains: a natural system to preserve and restore“  der EUA

>> Bilanz der Schäden aus Hochwasser seit 1980 der Munich RE

31. März 2020

Neue Angebote des Deutschen Wetterdienstes (DWD): Dekadische Klimavorhersagen und Starkregenstatistik

Sehr gerne möchten wir Sie auf zwei neue Angebote des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aufmerksam machen:

Die dekadischen Klimavorhersagen sollen die mittelfristigen meteorologischen Folgen des Klimawandels für Europa und die gesamte Welt aufzeigen. Damit können laut DWD Investitionsentscheidungen der Unternehmen bereits jetzt an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels angepasst werden. Zudem soll beispielsweise die Energiewirtschaft durch die dekadischen Klimavorhersagen Reserveleistungen für windärmere Jahre effizienter planen können. Die dekadischen Klimavorhersagen werden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zugang erhalten Sie über den Link unterhalb des Artikels.

 

Die aktuelle dekadische Klimavorhersage zeigt für das laufende Jahr 2020 eine um ein bzw. anderthalb Grad Celsius höhere Durchschnittstemperatur in allen deutschen Regionen (ggü. dem Mittel der Referenzperiode 1981 bis 2010). Das Fünfjahresmittel der Jahre 2025 bis 2029 berechnet für West- und Ostdeutschland anderthalb bzw. zwei Grad höhere Durchschnittstemperaturen.

Die Starkregenstatistik erfasst flächendeckend Starkregenniederschläge und ist das zweite neue Angebot des DWD. Eine erste Auswertung zeigt, dass Starkregenereignisse in Deutschland bevorzugt in den „warmen“ Monaten Mai bis September auftreten. Im Jahr 2018 waren in diesem Zeitraum überdurchschnittlich viele Starkregenereignisse in Deutschland zu verzeichnen, obwohl der Sommer gleichzeitig überdurchschnittlich trocken war. Sollte sich dieses Zusammenspiel verstetigen, würde der Klimawandel gemäß DWD selbst in warmen und zugleich trockenen Sommern eine Zunahme an Starkregenereignissen initiieren. Die Starkregenstatistik wird in das reguläre Informationsangebot aufgenommen und ist auf der Webseite des DWD abrufbar.

>> Zugang zur Webseite des DWD

>> Zugang zu den dekadischen Klimavorhersagen

17. März 2020

2019 zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen

Im Jahr 2019 betrug die Mitteltemperatur in Deutschland 10,3 Grad Celsius. Damit war das vergangene Jahr das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnung im Jahr 1880. Neun der zehn wärmsten Jahre in Deutschland traten zudem in den letzten 20 Jahren auf. Dies gab der Deutsche Wetterdienstes (DWD) in seiner jährlichen Pressekonferenz am 17. März 2020 bekannt. Der DWD hob in seiner Bilanz für 2019 u. a. die lange Serie von Sturmtiefs mit Böen bis zur Orkanstärke in der ersten Märzhälfte 2019 sowie starke und anhaltende Schneefälle am Nordstau der Alpen Anfang Januar 2019 als markante meteorologische Ereignisse hervor.

>> weiterführende Informationen

06. März 2020

Programm „Rhein 2040“ der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) verabschiedet

Im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) wurde am 10. Februar 2020 in Amsterdam das Programm „Rhein 2040“ beschlossen. In der IKSR sind die Rheinanrainerstaaten, darunter Deutschland, Frankreich oder die Niederlande, in einer Flussgebietskommission zusammengefasst. Ziel dieser grenzüberschreitenden Initiative ist es, die Vereinbarkeit von wirtschaftlicher Nutzung und ökologischem Schutz entlang des gesamten Flussverlaufs des Rheins zu erhöhen.

Im Programm „Rhein 2040“ werden u. a. die Folgen des Klimawandels auf den Flussverlauf des Rheins und die Wasserverfügbarkeit andressiert. So soll das Niedrigwasser-Monitoring im Rahmen der IKSR weiter ausgebaut und die Strategie zur Klimawandelanpassung der IKSR bis zum Jahr 2025 aktualisiert werden.

Hochwasserrisiken sollen u. a. durch die Wiederherstellung von Überschwemmungsgebieten im Umfang von 200 Quadratkilometern und die Verbindung von 100 Altarmen mit dem aktuellen Flussverlauf des Rheins gemindert werden. Die Staaten des IKSR planen zudem bis 2040 die Hochwasserrisiken um 15 Prozent gegenüber 2020 zu reduzieren. Bei der Risikobewertung soll dabei das Tool FloRiAn, das auf einem Geoinformationssystem basiert, unterstützen. Dieses Analyseinstrument ermöglicht eine quantitative Einschätzung über die Wirksamkeit von Hochwasser-Präventionsmaßnahmen am Rhein.

>> Pressemitteilung zum Programm "Rhein 2040"

>> Zugang zum Analyse-Tool FloRiAn

20. Februar 2020

Munich RE – Bilanz der Naturkatastrophen 2019

Zu Beginn des Jahres veröffentlichte die Munich RE ihre jährlich erscheinende Bilanz der Naturkatastrophen. Für das Jahr 2019 beziffert das Rückversicherungsunternehmen die von Naturkatastrophen verursachten Schäden auf rund 150 Mrd. US-Dollar. Dabei waren insbesondere die Folgen von Wirbelstürmen für die Schadensbilanz in 2019 prägend.

 

In der Bilanz der Naturkatastrophen differenziert die Munich RE nach den finanziellen Schäden prägender Einzelereignisse und stellt darüber hinaus den globalen gesamtwirtschaftlichen Schaden dar. Ziel ist die Bereitstellung von Informationen, um notwendige Präventionsmaßnahmen im Bereich der Klimaanpassung frühzeitig zu initiieren und ein adäquates Risikomanagement beim Versicherungsschutz zu ermöglichen.

 

Von den Gesamtschäden in Höhe von rund 150 Mrd. US-Dollar, die durch Naturkatastrophen in 2019 verursacht wurden, waren ca. ein Drittel (52 Mrd. US-Dollar) durch Versicherungen abgedeckt. Die Gesamtschäden aus Naturkatastrophen gingen gegenüber dem Vorjahr um 10 Mrd. US-Dollar zurück und liegen unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (187 Mrd. US-Dollar). Die Abdeckung der Schäden von rund 35 Prozent entspricht dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre. Diesbezüglich weist die Munich RE auf eine weiterhin bestehende Versicherungslücke bei Schäden aus Naturkatastrophen insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern hin.

 

Insgesamt erfasste die Munich RE für das Jahr 2019 820 Katastrophenereignisse. Die höchsten finanziellen Gesamtschäden aus Einzelereignissen in 2019 waren auf tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen zurückzuführen. Die Schadenshöhen der teuersten Einzelereignisse betrugen dabei 17 Mrd. US-Dollar sowie 9 Mrd. US-Dollar und wurden beide in Japan durch die tropischen Wirbelstürme „Hagibis“ bzw. „Faxai“, hervorgerufen.

 

Der stärkste Hurrikan der Saison, „Dorian“, verwüstete insbesondere die Inselgruppe der Bahamas. Im Anschluss streifte er das US-Festland nur vergleichsweise geringfügig. Dieser Hurrikan war insgesamt für einen Gesamtschaden von 5,6 Mrd. US-Dollar verantwortlich. In Australien waren durch starke Waldbrände Gesamtschäden von 1,1 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen.

 

In Europa führten Hitzewellen und starke Unwetterereignisse mit Hagel in 2019 zu den größten Verlusten aus Naturkatastrophen. In Deutschland wird auf ein Unwetter im Juni 2019 verwiesen, das im Großraum München Schäden insbesondere durch Hagel von einer Mrd. US-Dollar bedingte. Die Gesamtschäden der Sommerunwetter in 2019 betrugen in Europa 2,5 Mrd. US-Dollar. Davon waren gemäß der Munich RE 0,9 Mrd. US-Dollar durch Versicherungen abgedeckt.

 

Die grundsätzlich geringe Abdeckung der Schadenshöhe bei Naturkatastrophen sowie fehlende Maßnahmen der Klimaanpassung (u. a. im Bereich der Verkehrs- Gebäude- oder Versorgungsinfrastruktur) insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern werden von der Munich RE als Problemfeld hervorgehoben. Auch in Industrieländern, die grundsätzlich über einen höheren Versicherungsschutz verfügen, gibt es insbesondere im Fall von Flutschäden Versicherungslücken.

>> Bilanz der Naturkatastrophen 2019 der Munich RE

07. Februar 2020

Pilotstudie „Klimawirkungskarten Bayern“ veröffentlicht

Bereits Ende 2019 wurde eine Pilotstudie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt veröffentlicht. In deren Rahmen wurden für verschiedenste Handlungsfelder wie z. B. die Industrie und die Energiewirtschaft sog. „Klimawirkungskarten“ erstellt. Ziel der sog. „Klimawirkungskarten“ ist es, einen schnellen Überblick über die klimarelevanten Risikofaktoren in einer Region zu vermitteln.

 

Bei der Erstellung der Karten werden regionale Informationen zu Klimaeinflüssen wie z. B. heißen Tagen, Heiz- oder Starkregentagen mit den jeweiligen Sensitivitäten der Regionen gegenübergestellt und bewertet. Für die Beurteilung der Sensitivitäten wurden z. B. Daten zu hitzeempfindlichen Einrichtungen, versiegelten Flächen oder Kraftwerken verwendet. Basierend darauf werden die Klimawirkungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt abgeschätzt.

 

Neben den Klimawirkungen werden in der Studie auch die Klimaeinflüsse und die Sensitivtäten in Form von Karten visualisiert. Die Darstellung erfolgt auf der Ebene der Landkreise und der kreisfreien Städte. Die Karten werden sowohl für die Gegenwart als auch für die nahe Zukunft (2021 bis 2050) erstellt. Ferner wird jeweils ein starkes sowie ein schwaches Szenario abgebildet.

 

Im Handlungsfeld „Industrie“ wurde u. a. potentielle Schäden an Betriebsanlagen in Industrie und Gewerbe durch Flusshochwasser untersucht. Hierbei wurden die möglichen Überschwemmungsflächen eines 100-jährlichen Hochwassers mit Industrie- und Gewerbeflächen verschnitten. Für die Gegenwart zeigen die Karten, dass die potentiellen Überflutungsschäden in den Regionen an den Flüssen Donau, Isar und Main am höchsten sind. Hierzu zählen die Landkreise Deggendorf und Günzburg sowie der Regierungsbezirk Unterfranken. Für die Zukunft wird mit steigenden Schäden gerechnet, wenn die Intensität und die Häufigkeit von Überflutungsereignissen zunehmen.

 

Ebenso wurden mögliche Schäden an Industrie- und Gewerbestandorten infolge von Sturzfluten analysiert. Das Gefahrenpotenzial wurde mithilfe der Anzahl der Starkregentage (Tage mit mehr als 25 mm Niederschlag) und der Reliefenergie berechnet. Die höchsten potenziellen Schäden können sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft am Alpenrand auftreten. 

 

Im Handlungsfeld „Energiewirtschaft“ lag der Fokus u. a. auf der Analyse des Energiebedarfs für die Kühlung und Klimatisierung von Gebäuden und Produktionsprozessen. Dieser wurde auf Basis der sog. „Kühltage“, d. h. der Tage mit eine Mitteltemperatur von mehr als 18,3 Grad Celsius, ermittelt. Ein erhöhter Kühlbedarf wurde für die Gegenwart im Bereich des Bayerischen Hügellands, der Isar-Inn-Schotterplatten sowie der Mainfränkischen Platte festgestellt. Für die Zukunft wird von einem flächendeckenden Anstieg des Kühlenergiebedarfs vor allem in Südbayern ausgegangen.

>> Pilotstudie Klimawirkungskarten Bayern

24. Januar 2020

„Global Risks Report“ des Weltwirtschaftsforums vorgestellt

Am 15. Januar 2020 wurde der neue „Global Risks Report“ des Weltwirtschaftsforums vorgestellt. In diesem werden jährlich Einschätzungen zu den größten weltweiten Risiken in den nächsten zehn Jahren zusammengefasst. Erstmals belegen Klimarisiken und damit einhergehende Umweltrisiken die TOP 5 der wahrscheinlichsten globalen Risiken.

Als die fünf wahrscheinlichsten Risiken werden folgende Bedrohungen angesehen:

  1. extreme Wetterereignisse, die zu starken Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen und Todesfällen führen

  2. Verfehlungen von Regierungen und Unternehmen bei Klimaschutz und -anpassung

  3. vom Menschen verschuldete Umweltkatastrophen

  4. Verlust von Biodiversität und der Zusammenbruch des Ökosystems

  5. Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche

 

Die Verfehlungen bei Klimaschutz- und Klimaanpassung, der Biodiversitätsverlust sowie Extremwetterereignisse finden sich zugleich unter den TOP 5 der Risiken mit dem höchsten Schadensausmaß.

Der Bericht warnt vor den extremen wirtschaftlichen Schäden, die durch die genannten Klimarisiken entstehen können. In diesem Kontext wird auch auf sog. „Übergangsrisiken“ wie geänderte klimapolitische Vorgaben und höhere Stakeholderanforderungen verwiesen.

>> Global Risks Report 2020

14. Januar 2020

Allianz Risk Barometer 2020

Gemäß dem „Allianz Risk Barometer 2020“, das am 14. Januar 2020 veröffentlicht wurde, werden Klimarisiken zunehmend als Geschäftsrisiko wahrgenommen. So sind in den TOP 10 der größten Geschäftsrisiken, die jährlich durch die Allianz Global Corporate & Specialty SE evaluiert werden, Klimarisiken mehrfach vertreten:

  • Rang 2: Betriebsunterbrechungen, die auch durch extremwetterbedingte Schäden an den Unternehmensstandorten oder Störungen innerhalb der Lieferketten hervorgerufen werden können

  • Rang 4: Naturgefahren wie Stürme, Hochwasser oder Dürren

  • Rang 7: Klimawandel

 

An der Umfrage zur Evaluation der Geschäftsrisiken, die jährlich gegen Jahresende durchgeführt wird, beteiligten sich nach Angaben der Allianz Global Corporate & Specialty SE 2.718 Teilnehmer aus über 100 Ländern. Adressiert werden u. a. Führungskräfte  sowie Risikomanager, Makler und Versicherungsexperten.

>> Allianz Risk Barometer 2020

30. Dezember 2019

Ergebnisse des Netzwerks veröffentlicht: Arbeitsunterlagen, Tool und Leitfaden

Auf unserer Webseite stehen Ihnen ab heute sämtliche Vorträge und Arbeitsunterlagen aus dem Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ zum Download zur Verfügung. Die Arbeitsdokumente enthalten wertvolle Informationen rund um die Identifizierung und das Handling klimabezogener Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ferner finden Sie auf unserer Webseite den Leitfaden "Klimarisikomanagement 2050 – Betriebliche Klimarisikostrategie Step-by-Step entwickeln". Dieser fußt auf den Erfahrungen des Netzwerk und zielt darauf ab, Sie beim Aufbau eines vorausschauenden, proaktiven und vor allem ganzheitlichen Klimarisikomanagement zu unterstützen. Der Leitfaden zeigt auf, wie vielfältig die Aspekte sind, die es beim Umgang mit Klimarisiken zu berücksichtigen gilt. Zudem gibt er praktische Handlungsempfehlungen, wie eine betriebliche Klimarisikostrategie "auf eigene Faust" und Step-by-Step entwickelt werden kann.

Der Leitfaden wird durch ein excelbasiertes Tool flankiert, das gemeinsam mit den Teilnehmern des Netzwerks entwickelt wurde: Der sog. „ClimateRisk-Mate“ hilft Unternehmen bei der Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Den Leitfaden "Klimarisikomanagement 2050 – Betriebliche Klimarisikostrategie Step-by-Step entwickeln" finden Sie >> hier.

Den "ClimateRisk-Mate" inklusive einer Anleitung zur Anwendung des Tools finden Sie >> hier.

27. Dezember 2019

Studie zu den Folgen des Klimawandels im Bergbau

Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersuchten adelphi, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) und das Sustainable Minerals Institute (SMI) der University of Queensland, in welcher Art und Weise der Bergbau durch den Klimawandel betroffen ist. Auch die Auswirkungen auf die Rohstoffsicherheit und die Umweltwirkungen wurden adressiert.

Hierbei werden die Ergebnisse aus fünf Fallstudien, die sich jeweils mit einer Bergbauregion beschäftigen (Australien, Kanada, Chile, Südafrika und Indonesien), zusammengeführt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Bergbausektor insbesondere durch zunehmende Extremwetterereignisse betroffen ist. Hitzewellen, Dürren oder Bodenerosionen können zu einem Produktionsrückgang führen. Aufgrund von Hitzestress der Arbeiter oder fehlendem Betriebswasser ist keine Förderung der Rohstoffe möglich. Überflutungen, Stürme oder Wald- und Buschbrände können den Transport der Mineralien verzögern oder stoppen, wenn die notwendige Verkehrsinfrastruktur beschädigt wird. Damit können auch die Versorgung mit den abgebauten Mineralien und somit die Rohstoffsicherheit gefährdet werden.

Aufgrund der Ergebnisse der Studie fordern die Autoren effektive und persistente Anpassungsmaßnahmen für den Bergbausektor. Anpassungsstrategien sollten dabei nach Ansicht der Studie in den Bergbauunternehmen und den staatlichen Kontrollstellen eine höhere Bedeutung erhalten. In diesem Zusammenhang könnten z.B. Betroffenheitsanalysen für bestehende und zukünftige Förderprojekte sowie der Aufbau einer Frühwarnstruktur realisiert werden.

Die Kooperation zwischen den Bergbaukonzernen und den umliegenden Gemeinden ist nach Ansicht der Autoren bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels unabdingbar. So sind die Anlieger insbesondere bei der Renaturierung oder der Nutzung von Chancen durch den Klimawandel wichtige Partner. Im Fallbeispiel Kanada verweist die Studie diesbezüglich auf die Nutzbarkeit neuer Schifffahrtswege durch die zunehmende Eisfreiheit, die allerdings zunächst der Zustimmung der umliegenden Bevölkerung bedarf.

Zudem führen die Autoren an, dass bei den Anpassungsmaßnahmen ein Augenmerk auf sog. „Tailing-Dämme“ und alte Minen gelegt werden sollte. Diese seien eine hohe Belastung für die Umwelt und können bei Dammbrüchen auch Siedlungen bedrohen. Die Gefährdung von Standorten durch die Folgen des Klimawandels soll laut Studie zudem zentraler Bestandteil der Risikoabschätzung von Investoren bei Investitionen in Bergbaukonzernen sein.

>> UBA-Veröffentlichung zu den Folgen des Klimawandels für den Bergbau

23. Dezember 2019

Bericht der Global Commission on Adaptation

Am 10. September 2019 hat die Global Commission on Adaptation den Bericht „Adapt now: A global call for leadership on climate resilience“ veröffentlicht. Darin wird betont, dass neben Gründen des Umweltschutzes und der humanitären Hilfe auch wirtschaftliche (Eigen)Interessen für die Anpassung an den Klimawandel sprechen. So kann laut Bericht der Ertrag (u.a. im Hinblick auf vermiedene Schäden und wirtschaftlichen oder sozialen Gewinn) aus weltweiten Investitionen in Höhe von 1,8 Billionen Dollar in fünf Kernbereichen im Zeitraum zwischen den Jahren 2020 und 2030 um das Vierfache (7,1 Billionen Dollar) größer sein.

Als fünf Investitionsbereiche wurden Frühwarnsysteme, die klimaresiliente Infrastruktur, die an Dürre angepasste Landwirtschaftsproduktion, der Schutz von Mangrovenwald und die Resilienz von Wassermanagementsystemen benannt. Der Bericht spricht neben den Chancen, die Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel bieten, auch die Risiken bzw. Gefahren im Falle ausbleibenden Handelns an. So seien beispielsweise eine Verringerung der globalen landwirtschaftlichen Produktion um 30 Prozent bis zum Jahr 2050 zu erwarten. Zudem könnten die Kosten aufgrund steigender Meeresspiegel sowie häufigeren starken Stürmen für Küstenregionen ab dem Jahr 2050 jährlich bis zu einer Billion Dollar betragen.

Die Global Commission on Adaption wird von 23 Ländern weltweit unterstützt, darunter auch Deutschland, Kanada oder den Niederlanden. Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban-Ki-Moon steht ihr vor, wobei ihn Bill Gates, Gründer von Microsoft, und Kristalina Georgieva, Managing Director des Internationalen Währungsfonds, als Stellvertreter unterstützen. Das Ziel der Kommission ist es, Länder, Städte, Kommunen und Unternehmen auf die Notwendigkeit der Anpassung an die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen und entsprechende Investitionen anzuregen.

>> Bericht: Adapt now: A global call for leadership on climate resilience

10. Dezember 2019

Zweiter Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel veröffentlicht

Am 26. November 2019 wurde der zweite Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Kooperation mit dem Umweltbundesamt (UBA) in Berlin vorgestellt. Dem Bericht zufolge werden die Folgen der globalen Erderwärmung auch in Deutschland spürbarer. So ist die mittlere Lufttemperatur von 1881 bis 2018 um insgesamt 1,5 Grad Celsius angestiegen. Alleine in den letzten fünf Jahren ist ein Zuwachs um 0,3 Grad Celsius zu verzeichnen. Die daraus resultierenden Auswirkungen sind neben erhöhten Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung u.a. stärkere Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Die Folgen der Erderwärmung treffen auch die Wirtschaft in Deutschland, so der Monitoring-Bericht. So führen die steigenden Temperaturen zu einer hitzebedingten Minderung der Leistungsfähigkeit oder zum steigenden Trend bei den Kühlgradtagen, wodurch die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz steigen. Zudem sind Infrastrukturen, die für betriebliche Logistikprozesse von Relevanz sind, wie etwa Straßen und Schienen Extremwetterereignissen ausgesetzt. Sie können beispielsweise durch Starkregen oder Stürme beschädigt werden.

 

Der Bericht verweist diesbezüglich auf Versicherungsschäden im Jahr 2018 in Höhe von 2,6 Milliarden Euro an Häusern, Gewerbe- und Industriebetrieben. Die Versicherungswirtschaft stuft das Jahr 2018 als eines der viertschwersten Sturmjahre in den letzten 20 Jahren ein. Trocken- bzw. Dürreperioden führen zudem immer wieder zu Niedrigwassereinschränkungen an kritischen Wasserwegen, beispielsweise am Rhein.

 

Weitere Probleme sieht der Monitoring-Bericht 2019 insbesondere in der Landwirtschaft. Dabei ist die Verfügbarkeit von Wasser ein Hauptproblem. Im Jahr 2018 seien in der Landwirtschaft Schäden durch Trockenheit und Hitze in Höhe von 700 Millionen Euro entstanden. Zudem verschieben sich die Jahres- und Vegetationszeiten, so dass sich beispielsweise Krankheiten wie das Dengue- und Chikungaya-Fieber verbreiten können. Diese werden durch Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Erdregionen, die sich aufgrund der wärmeren klimatischen Bedingungen in Deutschland ausbreiten können, übertragen.

 

Der Monitoring-Bericht wurde im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) erstellt. Durch ein fortlaufendes Monitoring soll eine systematische Beobachtung von Klimawirkungen und Anpassung erfolgen.

>> Pressmitteilung Monitoring-Bericht 2019 des BMU und UBA

>> Zweiter Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

27. November 2019

Vorstellung des Deutschland-Berichtes des Lancet-Countdowns

Am 14. November 2019 wurde erstmals ein Deutschland-Bericht durch die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ in Berlin vorgestellt. Dieser ist Teil des internationalen Forschungsprojektes „The Lancet Countdown on Health and Climate Change“. Der Deutschland-Bericht entstand in Kooperation u.a. mit der Bundesärztekammer oder der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er gibt eine Prognose über die medizinischen Folgen des Klimawandels bis 2100 für Deutschland, wenn die CO2-Emissionen nicht reduziert werden.

Die Autoren erwarten jährlich bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland. Für Süddeutschland seien bis zu 30 zusätzliche Hitzewellen im Jahr wahrscheinlich. Die Autoren warnen vor den damit einhergehenden Gesundheitsgefahren, u. a. durch Hitzestress und einer hohen bodennahen Ozonkonzentration. Diese könnten sich beispielsweise in Form von Hitzschlägen, Herzinfarkten oder akutem Nierenversagen auswirken. Ältere Menschen, Säuglinge, Patienten mit chronischen Erkrankungen und Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien ausüben, seien besonders gefährdet.

Neben den direkten Gefahren für den Körper, warnen die Autoren auch vor den indirekten Auswirkungen des Klimawandels. Dabei betonen sie insbesondere die gesteigerte Gefährdung durch Infektionskrankheiten. Dies betrifft beispielsweise FSME oder Borreliose (Übertragung durch Zecken oder Mücken), aber auch neue Infektionskrankheiten wie z.B. Dengue oder Zika.

Im Rahmen des Deutschland-Berichtes fordern die Autoren von Bund und Ländern die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen. Dies umfasst beispielsweise die Aufstockung der personellen und räumlichen Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen. Neben konkreten Maßnahmenplänen für Kliniken, Not- und Rettungsdiensten sei dies eine geeignete Reaktion auf die zunehmenden Extremwetterereignisse, so die Autoren. Zudem solle die Forschung zu den Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die individuelle Gesundheit intensiviert werden.   

>> Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 14. November 2019

>> The Lancet Countdown on Health and Climate Change: Report 2019

14. November 2019

WeltRisikoBericht 2019 – Fokus auf globale Wasserversorgung

Am 12. September 2019 wurde der WeltRisikoBericht für das Jahr 2019 veröffentlicht. Dieser wird vom Bündnis Entwicklung hilft und der Ruhr-Universität Bochum herausgegeben. Jeder Bericht beinhaltet den aktualisierten sog. „WeltRisikoIndex“ und widmet sich einem Thema im Speziellen. Die Ausgabe für das Jahr 2019 stellt die globale Wasserversorgung in den Fokus. Dabei geht es neben dem Zugang zu Wasser, auch um den Schutz vor Gefährdungen durch Wasser.

 

Der WeltRisikoBericht 2019 kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere Extremwetterereignisse, wie etwa Dürren, etablierte Abläufe bei der Wasserversorgung beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang verweisen die Autoren insbesondere auf Überflutungen z.B.  in Folge von Tsunamis, die in ihrer Intensität zunehmen und zu Schäden an Wasserversorgungs- und Abwassersystemen führen können. Aber auch das Ansteigen des Meeresspiegels wird als akute Gefahr durch Wasser identifiziert. Zur Bewältigung dieser Auswirkungen von Wasserrisiken fordern die Autoren beispielsweise die Wirtschaft auf, die Einhaltung der Menschenrechte in Bezug auf die Wasser- und Sanitätsversorgung rund um die einzelnen Standorte selbstständig zu gewährleisten.

Der WeltRisikoIndex gibt im Ergebnis das Katastrophenrisiko für 180 Länder weltweit an. Dieses wird durch die beiden Faktoren Exposition und Vulnerabilität abgebildet. Dabei setzt sich die Vulnerabilität aus den Indikatoren Anfälligkeit, Bewältigung und Anpassung zusammen.

Die Länder mit dem höchsten Indexwert, und damit der höchsten Gefährdung im Jahr 2019, sind Vanuatu, Antigua und Barbuda sowie Tonga. Inselstaaten weisen nach Ansicht der Autoren häufig ein hohes Katastrophenrisiko auf, da sie besonders anfällig für Wetterextreme und Naturgefahren sind. Afrika ist der Kontinent, der kumuliert dem größten Katastrophenrisiko ausgesetzt ist. Dagegen ist Europa der Kontinent mit dem geringsten Indexwert. Deutschland belegt Platz 163 von 180 und weist somit, gemäß den Berechnungen des WeltRisikoBerichtes 2019, ein sehr geringes Katastrophenrisiko auf. Das Land mit dem geringsten berechneten Katastrophenrisiko ist Katar.

>> Zugang zum WeltRisikoBericht 2019

31. Oktober 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 23. Oktober 2019

Am 23. Oktober 2019 fand unser fünfter und letzter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt. Dieser adressierte das Thema „Feinschliff für ein ganzheitliches Klimarisikomanagement: Betrachtung von Rohstoffen, Absatzmärkten und Szenarioanalysen“. Zu Beginn fand ein kurzer Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop statt: die Bewertung der erweiterten Fassung des Excel-Tools um den Reiter „Lieferantenrisiko“.

Im Anschluss daran ging Herr Dr. Sven-Uwe Schulz von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) auf Rohstoffrisiken auf der Angebots- und Nachfrageseite ein. Er stellte in diesem Zusammenhang die DERA-Rohstoffliste vor, die Informationen von globalen Angebotskonzentrationen und spezifischen Länderrisiken von Rohstoffen zusammenfasst. Zudem verwies er auf das Rohstoffinformationssystem (ROSYS), das Unternehmen einen ersten Einblick über den deutschen Rohstoffmarkt (z.B. Auflistung der Importe und Exporte nach Land und Rohstoffen) gibt.

In einem Erfahrungsaustausch diskutierten die Teilnehmer über den Bedarf an Rohstoffen in ihrem Unternehmen. Zudem wurden Risiken, die die Rohstoffversorgung beeinträchtigen, zusammengefasst und daraus resultierende Strategien diskutiert.

co2ncept plus gab einen Überblick über die Klima(risiko)berichterstattung. Im Zuge dessen wurden den Teilnehmern unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, wie die EU-Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung, vorgestellt. Weitere Schwerpunkte waren der Berichterstattungsstandard der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sowie die Vorstellung von Praxisbeispielen aus der Klimarisikoberichterstattung.

Im Anschluss stellte Herr Markus Götz (sustainable AG) die sechs Schritte für die Umsetzung einer Szenario-Analyse im Rahmen der Klimarisikoberichterstattung vor. Diese bestehen u.a. aus dem Aufbau einer Governance Struktur (z.B. Integration der Szenario-Analyse in die strategische Planung), die passgenaue Identifikation und Definition der Szenarien und die Identifikation möglicher Reaktionen (z.B. Änderungen am Geschäftsmodell oder Portfolio).

Herr Simon Müller (HPC AG) präsentierte den Teilnehmern eine beispielhafte Modellierung eines Starkregenereignisses. Im Zuge dessen gab er eine Einführung in das Starkregenrisikomanagement. Dieses beinhaltet eine Gefährdungs- und Risikoanalyse. Darauf basierend führt die Erarbeitung von strategischen Maßnahmen zu einem Handlungskonzept (z.B. bauliche Maßnahmen, Kommunikation möglicher Gefahren).

Herr Dr. Ralph Hintemann (Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit) ging in seinem Vortrag auf die Auswirkungen globaler Megatrends, wie dem Klimawandel, auf Absatzmärkte von Unternehmen ein. Einerseits warnte er vor einer Gefährdung bestehender Geschäftsmodelle z.B. durch die öffentliche Sensibilisierung für Nachhaltigkeit. Andererseits hob er insbesondere die Rolle der Digitalisierung für die Zukunft hervor (z.B. Klimabeitrag durch das Einsparen von Papier oder Dienstreisen). In diesem Zusammenhang diskutierten die Teilnehmer, wie sie ihre Produktportfolios im Zuge globaler Megatrends anpassen und welche Chancen sich daraus für die Geschäftsmodelle ergeben.

Im Anschluss stellte co2ncept plus die Erweiterung des Excel-Tools um die Reiter „Rohstoffrisiken“ und „Absatzmärkte“ vor. Abschließend fand eine Feedbackrunde zum Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ statt. Dabei wurden die Erfahrungen, die im Rahmen des Projektes gewonnen wurden, vorgestellt. Zudem gingen die Teilnehmer u.a. auf erste Pläne und Projekte ein, die veranschaulichten, wie das Thema weiterverfolgt werden soll.

30. Oktober 2019

Bewährte Praktiken im Umweltmanagement: Empfehlungen für das Klimarisikomanagement im Automobilsektor

Die EMAS-Verordnung (Eco Management and Audit Scheme) sieht in Artikel 46 die Erstellung branchenspezifischer Referenzdokumente vor, die u.a. bewährte Praktiken im Umweltmanagement beinhalten sollen. Ein entsprechendes Dokument für den Automobilsektor ist seit dem 07. Februar 2019 in Kraft. Dieses basiert auf einem Best-Practice-Bericht des Joint Research Centers (JRC). Einige Praktiken zielen auf die Anpassung von Standorten an die Auswirkungen von Klimarisiken ab.   

So wird beispielsweise die Installation von Dachbepflanzungen in Industriestandorten empfohlen. Bei Starkregenereignissen kann nach Ansicht der Autoren durch die Regenwasserbindung des Gründachs einer Überflutung entgegengewirkt werden. Zudem könne die Lebensdauer des Dachs durch den Schutz vor Witterung, den eine Dachbepflanzung bietet, erhöht werden.

Eine weitere Empfehlung beinhaltet die Installation eines Wasserauffang- bzw. aufbereitungssystem. Dieses kann den Bedarf der Wasserentnahme am Produktionsstandort reduzieren. Gerade in Gebieten, die von Hitze und Dürren betroffen sind, kann dies nach Ansicht der Autoren die Produktionsleistung absichern.

>> Branchenspezifisches Referenzdokument für bewährte Umweltpraktiken im Automobilsektor

>> Best-Practice-Bericht des JRC über Umweltmanagement im Automobilsektor

>> EMAS-Verordnung (1221/2009/EG)

16. Oktober 2019

Neue Prognose zur Erwärmung in Europa durch das Projekt MiKlip

Für den Zeitraum bis zum Jahr 2028 prognostiziert das Projekt „Mittelfristige Klimaprognosen (MiKlip)“ einen Anstieg der Temperatur-Mittelwerte in Europa um mehr als einen Grad Celsius gegenüber den Jahren 1980 bis 2010. Mit dieser Vorhersage würde der Zeitraum bis zum Jahr 2028 zur heißesten Periode seit dem Beginn von systematischen Wetteraufzeichnungen gehören. Dabei sei der Grad der Erwärmung im Osten Europas größer als im westlichen Teil. Südosteuropa wird durch die Klimaforscher als Region identifiziert, in der die Erwärmung am stärksten erfolgen wird.

MiKlip soll Unternehmen und die Gesellschaft bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Dafür haben verschiedene Projektpartner, darunter das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg (MPI) oder der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Vorhersagesystem (COSMO-CLM) entwickelt. Dieses bietet mittelfristige Klimaprognosen mit regionaler Auflösung für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren an. Der regionale Fokus bedeutet, dass dem Vorhersagesystem ein Gitterboxsystem mit einer Maschenweite von 25 Kilometern zu Grunde liegt.

Die Berechnungen beruhen auf dem globalen Klimamodell ECHAM des MPI, das im Rahmen von MiKlip verfeinert wurde. Dafür werden detaillierte Informationen für Europa, beispielsweise über die Topografie verwendet. Auf Basis dieser Informationen werden Wind, Niederschlag und Windströme in den jeweiligen Gitterboxen berechnet. Das MiKlip-System befindet sich aktuell noch in der Testphase und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

>> Zugang zur Projektwebseite MiKlip

02. Oktober 2019

Förderrichtlinie GründachPLUS für das Land Berlin vorgestellt

Am 21. August 2019 ist die neue Förderrichtlinie GründachPLUS des Landes Berlin in Kraft getreten. Deren Förderung wird als nicht-rückzahlbare Zuwendung im Rahmen einer De-minimis Beihilfe gewährt und richtet sich insbesondere an Grundeigentümer. Gegenstand der Förderung ist die Dachbegrünung von Bestandsgebäuden in verdichteten Berliner Stadtgebieten. Diesbezüglich ist in der Förderrichtlinie (Anlage 1) nach Postleitzahlen ausgewiesen, welche Standorte sich im geografischen Fördergebiet befinden.

Das Förderprogramm GründachPLUS, das ursprünglich als „1000 grüne Dächer“ tituliert wurde, sieht zwei Förderwege vor. Neben der regulären Förderung ist dies das s.g. „Green Roof Lab“. Hierbei sollen innovative und experimentelle Projekte der Dachbegrünung mit besonderer Gemeinwohl-orientierung gefördert werden.

Die zentralen Bestandteile der Förderrichtlinie können der nachfolgenden Auflistung entnommen werden:

Förderprogramm GründachPLUS (Projektträger: IBB Business Team GmbH):

Förderung:                                                                    Reguläre Förderung oder „Green Roof Lab“

Antragsberechtigte:                                                     u.a. Grundeigentümer

Vorgeschriebenes geografisches Fördergebiet:     Ja siehe Anlage 1 in der Förderrichtlinie

                                                                                       (für Green Roof Lab Ausnahme möglich)

Art der Gebäude:                                                         Bestand

                                                                                        (für Green Roof Lab Ausnahme möglich)

Mindestfläche:                                                             100 m2

Vegetationsschicht:                                                     mind. 10 cm

                                                                                        (bei Green Roof Lab: deutlich über 10 cm)

Art der Finanzierung:                                                  Projektfinanzierung, Anteilsfinanzierung

Förderhöhe:                                                                 75 Prozent der förderfähigen Kosten

                                                                                       max. 60.000 Euro pro Gebäude

                                                                                       max. 60 Euro pro m2

                                                                                       bei Green Roof Lab bis zu 100 Prozent

Förderung der Planungskosten:                               50 Prozent, max. 10.000 Euro

Ende der Antragsfrist:                                                31. Dezember 2022

                                                                                       (Bearbeitung ab 01.November 2019)

Zweckbindungsfrist:                                                  10 Jahre ab Fertigstellung

Fertigstellungspflege:                                                 Verpflichtend bis 12 Monate nach Anlage

>> Website GründachPLUS

>> Förderrichtlinie GründachPLUS (unter ursprünglichem Titel 1000 grüne Dächer)

27. September 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 17. September 2019

Am 17. September 2019 fand unser vierter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Klimarisiken in der Supply Chain managen“ behandelte.

Der Workshop wurde durch einen Vortrag von co2ncept plus eröffnet, der die Klimarisiken entlang globaler Wertschöpfungsketten zusammenfasste. Anhand von Beispielen aus der Praxis wurden den Teilnehmern mögliche Maßnahmen zur klimasicheren Ausgestaltung von Wertschöpfungsketten vorgestellt.

Im Anschluss erfolgte ein kurzer Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop: die Bewertung der erweiterten Fassung des Excel Tools, das Unternehmen beim individuellen Klimarisikomanagement unterstützen soll. Das Tool wurde im Nachgang zum vorangehenden Workshop um zwei neue Reiter „Wasserrisiken“ und „Risiken Logistik“ ergänzt.

Frau Petra Becker (Continental Automotive GmbH) stellte das Cloud-basierte Tool „MSM 12h“ ihres Konzerns vor. Dieses wird zentral gesteuert und soll eine Transparenz in der gesamten Lieferkette des Konzerns schaffen. Etwaige Engpässe eines Lieferanten werden zeitnah in der Cloud erfasst und ermöglichen eine schnelle Reaktion.

Im Anschluss berichtete Frau Ann-Kathrin Zotz (International Trade Center) basierend auf ihren Erfahrungen aus dem Projekt „Climate Expert“ über die speziellen betrieblichen Klimarisiken in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ziel des Projektes ist es, insbesondere KMUs beim Klimarisikomanagement zu unterstützen (z. B. Durchführung einer individuellen Risikoanalyse für den Betriebsstandort, Entwicklung möglicher Anpassungsstrategien).

 

Herr Prof. Dr. André Krischke (Hochschule München) gab in seinem Vortrag Empfehlungen für die einzelnen Schritte des Supply Chain Management-Prozesses und ging auf die steigende Bedeutung des „Internet of Things“ ein (z. B. Risikosimulationen durch GIS).

 

Inwiefern die Unternehmen der Netzwerkteilnehmer von extremwetterbedingten Ausfällen in der Wertschöpfungskette betroffen waren und wie solche vorgebeugt werden, wurde in einer Gruppenübung diskutiert. Dabei wurden u.a. Überflutungen, Starkregen und Brände, als Ursachen für Betriebsausfälle und -störungen hervorgehoben.

 

Herr Andreas Maushake (Balluff GmbH) stellte das Lieferantenmanagement seines Unternehmens vor. Mit der sog. „3D-Risikobewertung“ werden Material- und Lieferantenrisiken sowie potentielle Auswirkungen auf den Umsatz der Balluff GmbH betrachtet. Herr Maushake ging in diesem Kontext insbesondere auf den Umgang mit Klimarisiken ein.

Zum Abschluss des Workshops stellte co2ncept plus die Erweiterung des Excel Tools um den Reiter „Lieferkette“ vor.

18. September 2019

Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ des BMVI

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat am 04. Juli 2019 den Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ vorgestellt. Dieser soll zuverlässige Transportbedingungen am Rhein schaffen und wurde in Kooperation mit den vor Ort betroffenen Unternehmen ausgearbeitet. Die zunehmenden Trockenperioden der letzten Jahre haben Niedrigwasser im Rhein hervorgerufen. Die damit eingeschränkte wirtschaftliche Nutzbarkeit des Rheins führte beispielsweise im Jahr 2018 zu Versorgungsengpässen (z.B. bei Kraft- und Rohstoffen, die oftmals über den Rhein zu Abnahmestellen transportiert werden) für Unternehmen und private Verbraucher.

Kurzfristig soll im Bereich der Informationsbereitstellung die Wasserstands-Vorhersage sowie die digitale Bereitstellung der aktuellen Tiefenstände im Rhein verbessert werden. Zudem ist die Einrichtung des DAS - Basisdienstes Klima & Wasser im Zuge der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) vorgesehen.

Die Entwicklung und der Ausbau einer Flotte von niedrigwassergeeigneten Schiffstypen sowie von modernen „Leichtersystemen“ (flacher Schiffstyp mit geringem Tiefgang) sollen kurz- bis mittelfristig die benötigten Transportkapazitäten auch bei Niedrigwasser sicherstellen.

Mittelfristig sollen die Infrastrukturmaßnahmen, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 die Abladeoptimierung im Mittel- und Niederrhein betreffen, beschleunigt werden. Dafür schlägt der Aktionsplan die Etablierung neuer gesetzlicher Regelungen „für ausgewählte Vorhaben“ (Vorschalt- und anschließend Maßnahmengesetz) als Ersatz des vorgeschriebenen Planfeststellungsverfahrens vor.

Zudem sollen langfristige Maßnahmen identifiziert werden, die trotz zunehmender Perioden von Trockenheit die wirtschaftliche Nutzbarkeit des Rheins sicherstellen.

>> Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ des BMVI

04. September 2019

Das BryoSYSTEM: Klimaanpassung durch eine immergrüne Moos-Fassade

Das Start-up Artificial Ecosystems aus Kaiserslautern hat mit dem BryoSYSTEM ein selbstbegrünendes Bauelement entwickelt, das u.a. zur Lärmein- bzw. Wärmedämmung in Städten genutzt werden kann. Dieses kann als vorgefertigtes Modul vertikal zur Begrünung von Industrie- und Lagerhallen, als Luftfilter am Straßenrand oder an Fassaden von Wohngebäuden angebracht werden.

Die Gründer verwenden Moose, da sie diese als besonders klimaresistent ansehen und Moose ihre Nährstoffe (bspw. CO2) direkt aus der Luft filtern. Dementsprechend lassen sich nach Ansicht der Gründer u.a. folgende Potentiale für ungenutzte Flächen an Gebäuden ableiten:

  • Luftfilter: Bildung von Sauerstoff und Bindung von CO2, NOx und Feinstaub

  • Dämmung von Gebäuden: Kühlung im Sommer und Wärmedämmung im Winter

  • Niederschlagsbindung: Modul als Wasserpuffer durch

  • Lärmdämmung: Verminderung der Lärmbelastung durch Vertikalbegrünung

 

Die Moose müssen zu Beginn nicht gepflanzt werden. Vielmehr sollen das verwendete Substrat und die Oberflächenstruktur des Bauelements eine selbstständige Ansiedlung des Mooses durch Sporen in der Luft ermöglichen. Nach erfolgter Selbstbegrünung (keine Zeitangabe) soll die vertikale Moosfläche ganzjährig grün wirken und für den Kunden wartungsfrei sein. Verschiedene Sensoren überwachen die unterschiedlichen Umweltparameter (z.B. Feuchtigkeit). Die Firma Artifical Ecosystems ist aktuell auf der Suche nach Kooperationspartnern für Pilotprojekte.

>> Website von Artifical Ecosystems

23. August 2019

WWF-Bericht „Risiko Dürre: Der weltweite Durst nach Wasser in Zeiten der Klimakrise“

Im WWF-Bericht vom 22. August 2019 wird das Dürrerisiko beispielsweise für Kraftwerksstandorte, Städte und landwirtschaftliche Anbaugebiete weltweit analysiert. Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung externen Datenquellen und der Verwendung des WWF Water Risk Filters (siehe auch Blog-Beitrag vom 18. April 2019). Das Dürrerisiko wird im Bericht in Form von verschiedenen Indikatoren, wie beispielsweise dem Wassermangel, dem Grundwasserstress oder den projizierten Änderungen im Auftreten von Dürren, abgebildet.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit 370 Millionen Menschen in Dürrerisikogebieten leben und 55 Millionen Menschen jährlich direkt von einer Dürre betroffen sind. Die Landwirtschaft ist als Wirtschaftszweig, nach Ansicht des Berichtes, am stärksten durch das Dürrerisiko beeinflusst. So erfolgt beispielsweise 22 Prozent der weltweiten Weizenproduktion (entspricht jährlich ca. 124 Millionen Tonnen) in Dürrerisikogebieten statt.

Auch die Energieversorgung ist dem Risiko Dürre ausgesetzt. Bei der nuklearen bzw. fossilen Energieproduktion wird Wasser benötigt, um unter anderem Kraftwerke zu kühlen oder Rohstoffe über Wasserstraßen zu transportieren. Bei Wasserkraftwerken dient das verfügbare Wasser als Antrieb für die Turbinen und damit als Quelle der Energieproduktion. Im Falle einer extremen Trockenheit steht nicht ausreichend Wasserkapazität für die Energieproduktion zur Verfügung.

Der Bericht des WWF konstatiert, dass global 49 Prozent der Wärmekraftwerkskapazität (insb. Kohle, Atomkraft, Erdgas) mit einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko konfrontiert sind. Insgesamt fünf Prozent der globalen Wasserkraftkapazität sind von einem derartigen Risiko betroffen.

In Europa identifiziert der Bericht des WWF ein Dürrerisiko in der Energieproduktion auch für Deutschland. Hier sind vier Kohle- und jeweils ein Gas- bzw. Wasserkraftwerk in Brandenburg vom Risiko „Dürre“ in hohem Maße betroffen. In Frankreich befinden sich unter anderem vier Atomkraftwerke und in Spanien sogar über die Hälfte aller Kraftwerke an Standorten mit einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko.

Der WWF richtet als Konsequenz dieses Berichtes Forderungen an Politik, Unternehmen, Finanzwirtschaft und Verbraucher. Diese umfassen beispielsweise die Einordnung des Süßwasserschutzes als zusätzlichen Schwerpunkt der Klimaanpassung, die ambitioniertere Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Bereich des Gewässerschutzes oder ein nachhaltiges Wassermanagement für Unternehmen.

>> WWF-Bericht: „Risiko Dürre: Der weltweite Durst nach Wasser in Zeiten der Klimakrise“

09. August 2019

EBA-Forschungsbericht zur Klimaanpassung von Regelwerken im Bahnverkehr

Der Bahnbetrieb in Deutschland wird durch eine Vielzahl an Regelwerken, Verordnungen und Normen reguliert. Das Richtlinienwesen der Deutschen Bahn oder die Bestimmungen des Deutschen Instituts für Normung (DIN) geben beispielsweise die Anforderungen bei der Trassenführung oder die Lebensdauer von Gleisen vor. Der Forschungsbericht des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), der am 08. März 2019 veröffentlicht wurde, identifiziert den Anpassungsbedarf der bestehenden Regelwerke im Bahnbetrieb aufgrund der Einflüsse des Klimawandels.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein hoher Anpassungsbedarf in den bestehenden Regelwerken existiert. Verstärkte Extremwitterung führt nach Ansicht der Autoren beispielsweise zu einer größeren Abnutzung der verbauten Materialien (bspw. Gleise oder Oberleitungen). Diese direkten Auswirkungen des Klimawandels müssen in den entsprechenden Regelwerken und Normen berücksichtigt werden. Ferner müssen die Standards der Materialbeschaffenheit oder die Wartungsintervalle aktualisiert werden. Insbesondere im Bereich der Tragsicherheit der Bahninfrastruktur werden 120 hohe Anpassungsbedarfe in den entsprechenden Regelwerken durch den Forschungsbericht identifiziert.

>> EBA-Forschungsbericht

08. August 2019

Kostenbilanz Extremwetter bedingter Schadensereignisse im Bahnverkehr

Extreme Wetterereignisse wirken sich jährlich auf den Bahnbetrieb in Deutschland aus und stellen einen zunehmenden Kostenfaktor dar. Die DB Netz AG beziffert den Aufwand für die Schadensbeseitigung im Zuge von Wetterextremen für die Geschäftsjahre 2010 bis 2019 (inkl. Mai) auf 294,7 Millionen Euro.

Zusätzlich sei ein Umsatzausfall in Höhe von 46,5 Millionen Euro für diesen Zeitraum zu verzeichnen. Die Gesamtschadensbilanz für die Deutsche Bahn AG beträgt somit 341,2 Millionen Euro für die vergangenen zehn Jahre.

Als folgenreichstes Einzelereignis in den letzten zehn Jahren erweist sich das Hochwasser von 2013, das nur für die Deutsche Bahn AG einen Gesamtschaden von 67,1 Millionen Euro verursachte.

>> Drucksache 19/11069: Behinderungen bei der Deutschen Bahn AG aufgrund von Wetterereignissen

29. Juli 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 10. Juli 2019

Am 10. Juli 2019 fand unser dritter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Wasserrisikomanagement und klimarobuste Logistik“ behandelte. Der Workshop wurde mit freundlicher Unterstützung des Netzwerkteilnehmers „Mainau GmbH“ im Schloss Mainau am Bodensee abgehalten.

Zu Beginn wurde in einem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer die Aufgabenstellung für den Workshop diskutiert: die Bewertung der Anwendbarkeit des Excel Tools und Vorschläge der Teilnehmer für eine Weiterentwicklung des Tools. Das Tool wird von co2ncept plus entwickelt und verwertet auch Erfahrungen sowie Anregungen der Teilnehmer aus den vorangegangenen Workshops. Der „Climate Risk Detector“ soll die Unternehmen beim individuellen Klimarisikomanagement unterstützen.

Im Anschluss referierte Herr Jan Becker (Arcadis Germany GmbH) über das erfolgreiche Management von Wasserrisiken an betrieblichen Standorten. Er erläuterte unter anderem, wie Wasserrisiken identifiziert werden können, gab Empfehlungen für ein strategisches Wassermanagement und stellte praktische Lösungsansätze für die Reduktion des betrieblichen Wasserrisikos (z.B. in Form des Water Kaizen Blitz) vor.

Daran anknüpfend stellte Herr Dr. Wolfgang Patzwahl (BTW Büro für Technik und Management im

Wein- und Gartenbau) das Wassermanagementsystem VINAQUA vor, das in Trockenperioden die Wasserversorgung für beteiligte Betriebe sichern kann.

In einer Gruppenarbeit sollten die Teilnehmer im Anschluss Wasserrisiken für betriebliche Standorte identifizieren. Dafür haben sie in einer fiktiven Karte Wasserrisiken gemeinsam gesammelt und mögliche betriebliche Anpassungsmaßnahmen diskutiert.

Gudrun Mühlbacher und Dr. Katrin Sedlmeier (Deutscher Wetterdienst) stellten in Ihrem Vortrag aktuelle Klimaprognosen für Deutschland vor. Sie erklärten den Teilnehmern die Verfahrensweisen sowie die Unsicherheiten bei der Erstellung der Prognosen.

Herr Prof. Dr. Benno Rothstein (HTWG Konstanz) ging in seinem Vortrag auf das Management von betrieblichen Klimarisiken beim Schifftransport ein. Am Beispiel des Niedrigwassers zeigte er betriebliche Auswirkungen von extremwetterbedingten Störungen im Schiffsverkehr auf. Ferner erläuterte er mögliche Handlungsoptionen zur Risikominderung, wie die Anpassung der Lagerbestände.

Herr Dr. Andreas Leupold (Alfen Consult GmbH) ging auf extremwetterbedingte Risiken im Bereich der Infrastruktur „Straße“ ein. In diesem Zusammenhang gab er einen Einblick in Schadensbildkategorien (z.B. Blow-Ups als hitzebedingte Schäden) sowie die Berechnung der Gefährdungslage von Straßenabschnitten.

 

Herr Mark Green (Kühne + Nagel (AG & Co.) KG) gab einen Überblick über Klimarisiken in Logistikketten. Er stellte mit RING den Teilnehmern ein Instrument zur Risikovermeidung vor, das vom Disponenten über die Versicherer bis zum Kunden alle Bestandteile der Logistikkette zu einem Informationsnetzwerk verbindet.

Nicht zuletzt stellte co2ncept plus den Teilnehmern in einem Vortrag die Tools AQUEDUCT (Water Risk Atlas), water risk filter (WWF), Clim4energy (Klimaprojektionen für die EU) und CMIP5 (Global Climate Change Viewer) vor. Im Anschluss wurde die Erweiterung des Excel-Tools um die Bereiche „Wasserrisiken“ und „Logistik“ präsentiert.

16. Juli 2019

Bayern: Auslaufen der staatlichen Beihilfen bei Extremwetterereignissen

In Bayern werden seit dem 01. Juli 2019 bei Extremwetterereignissen keine staatlichen finanziellen Soforthilfen mehr gezahlt, wenn die Schäden hätten versichert werden können. Eine staatliche Unterstützung soll nur noch in Härtefällen bereitgestellt werden. Hierdurch soll vermieden werden, dass bewusst vom Abschluss einer Elementarschadensversicherungen abgesehen und stattdessen auf den Staat vertraut wird.

Unternehmen sowie Privatpersonen sind gefragt, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen. Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge sind in Bayern lediglich 34 Prozent und im Bundesdurchschnitt 43 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert.

Schadensereignisse wie das starke Unwetter am Pfingstmontag in Südbayern verdeutlichen den Handlungsbedarf: Laut Versicherungskammer Bayern führte das Gewitter mit Hagel und Starkregen am 10. Juni 2019 zu 37.000 Schadensmeldungen und Schäden in Höhe von 80 Mio. Euro.

Es ist zu erwarten, dass weitere Bundesländer ihre staatliche Unterstützung bei Extremwetterereignissen senken: Im Juni 2017 verständigte sich die Ministerpräsidentenkonferenz darauf, eine staatliche Unterstützung nur noch an Unternehmen oder Personen zu leisten, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen eine Versicherung nur zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde. Sachsen hat eine vergleichbare Regelung bereits 2011 verabschiedet.

 

>> Mitteilung des GDV

>> Zahlen zur Versicherungsdichte des GDV

>> Pressemitteilung der Versicherungskammer Bayern

10. Juli 2019

Klimaänderung erhöht das Risiko für Hitzewellen

Ende Juni 2019 meldeten mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Österreich, Spanien, Tschechien die Niederlande und Frankreich neue Hitzerekorde. In Frankreich wurde am 28. Juni 2019 bei Gallargues-le-Monteux bei Nimes eine Rekordtemperatur von 45,9 Grad Celsius gemessen.

Im Rahmen des „World Weather Attribution Projects“, an dem mehrere Forschungseinrichtungen wie die ETH Zürich sowie die University of Oxford mitwirken, wurde die Rekordhitze in Frankreich untersucht. Hierbei wurden Drei-Tages-Durchschnittstemperaturen im Juni 2019 der Stadt Toulouse und Frankreichs mit früheren Perioden verglichen.

Die Analyse kam zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzeperiode wie sie Ende Juni 2019 aufgetreten ist, hat sich durch den Anstieg der globalen Temperatur mindestens um das Fünffache erhöht.

  • Beobachtungen zufolge sei ein deutlicher Anstieg der Temperaturen bei Hitzeperioden zu verzeichnen. Vor 100 Jahren wäre eine Hitzewelle mit der gleichen Jährlichkeit (30 Jahre) um 4 Grad Celsius kühler ausgefallen.

  • Die gesundheitlichen Auswirkungen einer Hitzeperiode werden u. a. durch die Alterung der Bevölkerung, die zunehmende Verstädterung und die Änderung sozialer Gefüge verstärkt.

 

>> Untersuchung

24. Juni 2019

Beschleunigte Verfahren für Maßnahmen zur Engpassbeseitigung bei Mittel- und Niedrigwasser

Das Niedrigwasser in 2018 hat verdeutlicht, wie die Logistik sowie die deutschen Industrieunternehmen von der Binnenschifffahrt abhängig sind. Mitte Mai 2019 hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen „Masterplan Binnenschifffahrt“ veröffentlicht. Nach diesem soll u. a. ein Handlungsprogramm verabschiedet werden, das die Zuverlässigkeit des Rheins als Verkehrsträger erhöhen soll. Ferner sollen ausgewählte Maßnahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 mit „vordringlichem Bedarf“ schneller umgesetzt werden. Die beschleunigte Umsetzung soll ermöglich werden, indem das Planfeststellungsverfahren durch ein Maßnahmengesetz ersetzt wird.

Zu den Maßnahmen mit vordringlichem Bedarf zählt beispielsweise das Projekt „Abladeoptimierung am Mittelrhein“. Dieses zielt auf eine Verbesserung der Befahrbarkeit des Mittelrheins bei Niedrig- und Mittelwasser ab und sieht eine Vertiefung der Fahrrinnentiefe von 1,90 auf 2,10 Meter vor. Hierdurch können pro Schiff ca. 210 Tonnen Ladung mehr transportiert werden.

Auf dem Mittelrhein (Mainz bis St. Goar) verkehren jährlich ca. 50.000 Güterschiffe mit insgesamt 60 Mio. t Ladung. Derzeit wird die Transportkapazität der Schiffe an vielen Tagen durch Mittel- und Niedrigwasserstände beeinträchtigt.

>> Masterplan Binnenschifffahrt

>> Projekt „Abladeoptimierung Rhein“

05. Juni 2019

CDP-Umfrage zu den finanziellen Auswirklungen des Klimawandels

Das Carbon Disclosure Project (CDP) befragt jährlich Unternehmen zu den Risiken und Chancen des Klimawandels. Im Zuge der Umfrage von 2018 wurden erstmals auch die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken und -chancen abgefragt. Zu den Ergebnissen der Befragung wurde am 04. Juni 2019 der Bericht „Major risk or rosy opportunity – Are companies ready for climate change?“ veröffentlicht.

 

An der Befragung nahmen rund 7.000 Unternehmen teil. Bei der Auswertung wurde ein spezieller Fokus auf die 500 weltweit größten Unternehmen gelegt. Von diesen beteiligten sich 366 Unternehmen an der CDP-Befragung.

 

Als größte Einflussfaktoren auf das Geschäftsergebnis wurden genannt:

  • höhere Betriebskosten aufgrund gestiegener Versicherungsprämien und Compliance-Anforderungen (vor allem steigenden Kosten für den Treibhausgasausstoß)

  • Gewinnverluste durch Produktionsrückgänge infolge von extremwetterbedingten Transportschwierigkeiten oder Supply Chain-Unterbrechungen

  • höhere Betriebskosten z. B. aufgrund von Wassermangel für Wasser-, Kern- oder fossile Kraftwerke

  • Gewinnverluste durch den Nachfragerückgang nach klimaschädlichen Produkten & Dienstleistungen

  • Höhere Kosten infolge von extremwetterbedingten Schäden an Anlagen

 

215 der untersuchten weltweit größten Unternehmen bezifferten die finanziellen Klimarisiken auf mehr als 970 Mrd. US-Dollar. Hiervon werden Kosten in Höhe von 250 Mrd. US-Dollar für Wertminderungen oder Abschreibungen infolge des Wertverlusts bzw. der sinkenden Rentabilität von Geschäften aufgrund von Klimarisiken angenommen. Für mehr als die Hälfte der identifizierten Risiken wurde eine sehr hohe bis hohe Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre angenommen.

Auf der anderen Seite ergab die Auswertung der Umfrage, dass der Klimawandel auch als Chance begriffen wird. Die finanziellen Auswirkungen der Geschäftschancen wurde von 225 der weltweitgrößten Unternehmen auf 2,1 Billionen US-Dollar geschätzt. Als Chance wird vor allem das Angebot klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen angesehen.

 

>> Studie

20. Mai 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 09. Mai 2019

Am 09. Mai 2019 fand unser zweiter Workshop im Rahmen des >> Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Klimarobuste Standortgestaltung“ adressierte.

Der Workshop startete mit einem kurzen Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop: der Analyse des Versicherungsschutzes und der bisher eingetretenen Schadensereignisse an den Standorten.

Im Anschluss gab Herr Hein (ISB an der RWTH Aachen) einen Überblick über Schadenspotenziale und Anfälligkeiten an Unternehmensstandorten, mit besonderem Fokus auf die Einflussfaktoren Hitze, Überflutung und Dürren. In diesem Kontext ging er auch auf mögliche Anpassungsmaßnahmen ein.

Daran anknüpfend ging Herr Alexander Küsel (GDV) auf die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Schadenentwicklung durch Wetterextreme ein, wie z. B. die Vulnerabilität, Prävention, angepasste Baunormen und das Verhalten der Menschen. Eine Versicherbarkeit sei auch in der Zukunft gegeben, allerdings werde Versicherungsschutz perspektivisch teuer, so Küsel. Abschließend stellte Herr Küsel die derzeitigen Aktivitäten im Bereich der Anpassung an den Klimawandel in der Normung vor.

Herr Dr. Thomas Egli (Egli Engineering AG) präsentierte eine Vielzahl von Praxisbeispielen zum Schutz vor Starkniederschlag, Hochwasser und Hagel und zeigte auf, wie bei der Planung von Maßnahmen vorgegangen werden sollte. Anschließend stellte Frau Susanne Stühler (MAN Truck and Bus AG) die Brunnenwasseranlage ihres Unternehmens vor, die u. a. dem steigenden Kühlbedarf vorbeugen soll. Sie ging auf den Aufbau der Anlage, die Schritte der Projektrealisierung und die erzielten Einsparungen seit der Inbetriebnahme ein. Herr Jörg Schulz (VZM) gab den Teilnehmern konkrete Empfehlungen für die Erstellung eines Notfallkonzepts und stellte verschiedene Konzepte für die Notstromversorgung und den Wiederanlauf vor.

Herr Dr. Stephan Böse-O’Reilly (Uniklinikum München) zeigte die gesundheitlichen Klimafolgen auf, die mit Wetterextremen und steigender Hitze- und UV-Belastung einhergehen. Hierbei ging er auch auf die Zunahme von Allergien, Atemwegserkrankungen und Infektionskrankheiten ein und gab Empfehlungen, inwieweit Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen können.

Nicht zuletzt stellte co2ncept plus in einem Vortrag den ersten Entwurf des Excel-Tools „Climate Risk Detector“ vor. Das Tool soll gemeinsam mit den Teilnehmern weiterentwickelt werden und Unternehmen beim Klimarisikomanagement unterstützen.

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