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Der Klimawandel wirkt sich auf die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen aus: Sei es durch den extremwetterbedingten Ausfall von Zulieferern, Schäden an Verkehrsinfrastrukturen oder Gebäuden oder Änderungen der Beschaffenheit oder Verfügbarkeit von Rohstoffen.

Welche Instrumente und Informationsquellen können Sie bei der Bewertung betrieblicher Klimarisiken unterstützen? Wie gehen andere Unternehmen mit den Risiken des Klimawandels um? Was tut sich auf politischer Ebene im Bereich Klimarisikomanagement?

Hier finden Sie Best-Practice-Beispiele, Tools, innovative Projekte und Initiativen, interessante Studien und Analysen sowie News zu politischen Entwicklungen und Veranstaltungshinweise rund um das Management von Klimarisiken. Darüber hinaus informierten wir kontinuierlich über die Fortschritte des >> Projekts „Klimawandel – Challenge Accepted!“.

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29. Oktober 2021

Taxonomie und Offenlegungspflichten für Unternehmen in UK

Am 29. Oktober 2021 hat die britische Regierung bekannt gegeben, dass sie eine verpflichtende Offenlegung von klimafinanziellen Informationen für bestimmte Unternehmen plant. Diese Obligation soll im parlamentarischen Verfahren abgeschlossen werden und bis zum 06. April 2022 in Kraft treten. Von der Verpflichtung wären Stand jetzt über 1.300 Unternehmen in Großbritannien betroffen, die mehr als 500 Mitarbeiter oder einen Jahresumsatz von mehr als 500 Mio. Pfund Sterling aufweisen. Neben großen börsennotierten Unternehmen sind ausdrücklich auch Pensionskassen, Fondsverwalter und Asset-Manager sowie bestimmte Finanzprodukte inkludiert.

Die Vorstellung der britischen Regierung in Bezug auf Green Finance wurden bereits in der Road Map Greening Finance am 18. Oktober 2021 zusammengefasst. Die anvisierten Berichtsstandards und Informationskategorien sollen mit den Vorgaben der Taskforce on climate-related financial disclosure (TCFD) konform sein. Diese adressieren beispielsweise die Chancen und Risiken der Folgen des Klimawandels auf das Geschäftsmodell oder die Standorte, die Managementstruktur in Bezug auf den Umgang mit Klimarisiken sowie die finanziellen Risiken durch steigende verpflichtende CO2-Preise auf das Geschäftsergebnis.

Zudem plant die britische Regierung analog zur EU-KOM die Einführung einer Taxonomie. Diese soll eine Einordnung von „grünen“ Wirtschaftstätigkeiten mit Hilfe von Technischen Screening Kriterien ermöglichen. Diese sind ebenfalls in Anlehnung an die EU-Herangehensweise in sechs Umweltziele untergliedert. Diese werden wiederum mit Technischen Screening Kriterien unterlegt, die für jede hinterlegte wirtschaftliche Tätigkeit einen entsprechenden Benchmarkwert definieren.

Eine wirtschaftliche Tätigkeit gilt dann als Taxonomie-konform, wenn Sie einen substantiellen Beitrag zu einem der sechs Umweltziele leistet, gleichzeitig das DNSH-Kriterium nicht verletzt und dabei trotzdem bestimmte Mindeststandards einhält. Die Technischen Screening Kriterien für die ersten beiden Umweltziele, Minderung des Klimawandels und Anpassung an den Klimawandel, sollen laut britischer Regierung im ersten Quartal 2022 konsultiert werden. Diese werden dafür aus der EU-Taxonomie übernommen und im Anschluss von einer UK Green Technical Advisory Group auf Kompatibilität mit dem britischen Binnenmarkt überprüft.

Im Endeffekt müssen betroffene Unternehmen und Investoren im Rahmen ihres Jahresberichts sowohl Offenlegungspflichten in Anlehnung an die TCFD-Standards nachkommen als auch den Anteil an Taxonomie-konformen Investments ausweisen. Hier ist aktuell noch nicht bestimmt, bei welcher Bezugsgröße (Umsatz, OPEX, CAPEX, etc.) dieser Anteil veröffentlicht werden muss.

>> Zugang zur Pressemitteilung der britischen Regierung vom 29. Oktober 2021

>> Zugang zur Roadmap Greening Finance

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16. September 2021

6. IPCC Sachstandsbericht: Band 1 veröffentlicht

Am 09. August 2021 wurde der erste Band zum 6. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) veröffentlicht. Darin kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als dies in den letzten Sachstandsberichten festgehalten wurde. So war die globale Oberflächentemperatur im Intervall der Jahre 2000 bis 2020 um 0,99 Grad Celsius höher als im Vergleichszeitraum 1850 bis 1900. Innerhalb der letzten zehn Jahre lag dieser Unterschied bereits bei 1,09 Grad Celsius (Vergleich Zeitraum 2011 bis 2020 und 1850 bis 1900). Von dieser Erwärmung sind nach bester Einschätzung der Forscher 1,07 Grad Celsius (Vergleich 2011 bis 2020 und 1850 bis 1900) auf anthropogene Faktoren zurückzuführen.

Weitere Folgen, die die Forscher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dem anthropogenen Klimawandel zuschreiben, sind der globale Rückgang der Gletscher, der Rückgang des grönländischen Eisschildes sowie das Abschmelzen des Arktischen Eismantels (Rückgang um 40 Prozent im September und um 10 Prozent im März). In 2019 war zudem die Konzentration von CO2 auf dem höchsten Stand in den letzten zwei Mio. Jahren. Für Methan und Distickstoffoxid wurden die höchsten Konzentrationen in den letzten 800.000 Jahren nachgewiesen.

Zudem lassen sich die Folgen dieser Entwicklung beispielsweise in Form von vermehrt auftretenden Extremwetterereignissen (z. B. Starkregen, Hitze oder Dürre) nachweisen. Im Vergleich zu den 1950iger Jahren haben Hitzeereignisse in den letzten zehn Jahren in Intensität und Häufigkeit global zugenommen. Im Hinblick auf starke Niederschlagsereignisse wie Starkregen oder Hagel ist eine Zunahme diesbezüglich insbesondere in Asien, Nord- und Mitteleuropa, Südwestafrika sowie in der Mitte und dem Osten der USA zu konstatieren. Landwirtschaftliche und meteorologisch Dürre- und Hitzeperioden traten vermehrt und mit größerem Schaden in Mitte bis Südafrika, Südwesteuropa, dem Nahen und Mittleren Osten sowie im Westen der USA auf.

Zudem betonen die Forscher, dass die Intensität des globalen Wasserkreislaufs insbesondere mit Blick auf saisonale Phänomene (z. B. Monsun- oder Hurrikan-Zeit) zunehmen wird. Mit zunehmender Erderwärmung steigen dabei die aufkommenden Wassermengen von einzelnen Extremwettereignissen. Gleichzeitig nimmt deren potenzielle Schadenskraft zu.

In 2022 werden noch die Bände zur Anpassung an den Klimawandel und der Minderung desselbigen vom IPCC veröffentlicht.

>> Zugang zu Band 1 des 6. IPCC Sachstandsbericht

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24. August 2021

Folgen des Klimawandels in Normen und technischen Regelwerken unterrepräsentiert

Das Umweltbundesamt (UBA) hat am 01. Juli 2021 eine Studie veröffentlicht, die die Abbildung der Folgen des Klimawandels in Normen und technischen Regeln evaluiert. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere entsprechende Regelwerke des Deutsches Instituts für Normung (DIN), der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) untersucht. Insgesamt wurden ca. 7.200 Normen und technische Regeln gesichtet und 70 davon als grundsätzlich relevant herausgearbeitet.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die Folgen des Klimawandels darin unterrepräsentiert und nur in marginalem bzw. unverbindlichen Rahmen adressiert werden. Lediglich in sechs Normen werden aktuell die Folgen des Klimawandels direkt adressiert (DIN SPECs 35810, 35220 inkl. Beiblatt 1 und 35811; DIN EN ISO 14090, ISO 14091). Diese adressieren z. B. die Szenarioplanung oder den Umgang mit Unsicherheiten bei Projektionen. Innerhalb des letzten Jahres wurden lediglich die ISO 14091 (2021) und die DIN EN ISO 14090 (2020) aktualisiert. Die weiteren Normen, die den Umgang mit den Folgen des Klimawandels behandeln, basieren auf Daten aus den Jahren 2014 und 2015.

Darüber hinaus bestehen Normen und technische Regelwerke, die die Folgen des Klimawandels kursorisch berücksichtigen. So werden z. B. in der Vornorm DIN V 18599-10 bei der energetischen Bewertung von Gebäuden neue Testreferenzjahre angesprochen. Im DWA Merkblatt M 553, das hochwasserangepasstes Bauen und Planen umschreibt, werden die Folgen des Klimawandels insbesondere im Hinblick auf Extremwetterereignisse aufgegriffen. Das VDI 2310 Blatt 6 definiert kritische Dosis-Kenngrößen für Ozon zum Schutz der Vegetation. Die Folgen des Klimawandels werden in Form von erhöhten troposphärischen Ozon-Konzentrationen berücksichtigt.

In Ihrer Studie weisen die Autoren Normen und technische Regelwerke aus, die die Folgen des Klimawandels bisher noch nicht aufgreifen. Insbesondere die DIN EN ISO 15927-2 ,3 ,4 und 6, die sich mit dem wärme- und feuchteschutztechnischen Verhalten von Gebäuden beschäftigen, werden diesbezüglich hervorgehoben.

>> Zugang zum UBA-Bericht vom 01. Juli 2021

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20. Juli 2021

EZB Bericht: Einfluss von physischen Risiken des Klimawandels auf Finanzsystemstabilität

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 01. Juli 2021 in Kooperation mit dem European Systemic Risk Board (ESRB) einen Bericht u. a. zum Zusammenhang von physischen Risiken des Klimawandels und der Finanzsystemstabilität veröffentlicht. Gemäß den Autoren stellen Überschwemmungen, Wasserknappheit, Hitzestress und Wald- bzw. Lauffeuer die größten klimawandelbedingten physischen Gefahren für große Unternehmen in der EU dar. Insgesamt wurden die Standorte der Firmensitze von 1,5 Millionen Unternehmen in der EU (Mutter- und große Tochterunternehmen) hinsichtlich Ihrer Vulnerabilität gegenüber klimawandelbedingten physischen Risiken analysiert.

Den höchsten Anteil an Unternehmen (50 Prozent an allen untersuchten Unternehmen des jeweiligen EU-Mitgliedsstaates), die physischen Risiken wie Hitzestress, Wasserknappheit und Waldbränden, ausgesetzt sind, weisen Portugal, Spanien, Griechenland und Italien auf. Für Deutschland stellen Überschwemmungen die gravierendste Bedrohung dar. Etwa 20 Prozent der Unternehmensstandorte sind diesbezüglich betroffen. Ein geringeres Risiko für deutsche Firmensitze resultiert zudem auch aus dem Anstieg des Meeresspiegels.

Inwiefern physische Risiken die Finanzsystemstabilität bedrohen, hängt von dem jeweiligen Risiko, der Vulnerabilität von Unternehmen gegenüber diesem spezifischen Risiko und von etwaigen Anpassungsmaßnahmen wie etwa dem Versicherungsschutz ab. In der Konsequenz steigen auch die finanziellen Risiken, etwa die Kreditrisiken der Unternehmen, wenn physisches Kapital in Form von Produktionsstandorten oder Maschinen, das als Kreditsicherheit (Collateral) dient, durch Extremwetterereignisse zerstört wird. Gemäß der EZB liegt die Versicherungslücke der Unternehmen für Schäden aus Extremwetterereignissen bei 65 Prozent. Für Deutschland wird in Kooperation mit der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) insbesondere bei der Versicherung von Schäden aus Überschwemmungen nach wie vor eine hohe Versicherungslücke ausgemacht. Zudem kann ein betroffenes Unternehmen nach entsprechenden physischen Schäden am Standort oder bei einer Unterbrechung der Lieferkette (z. B. durch einen Ernteausfall oder Beschädigungen der Transportinfrastruktur) unter einen Re-Finanzierungsdruck geraten.

In ihrer Analyse weist die EZB darauf hin, dass mehr als 70 Prozent dieser klimawandelbedingten Kreditrisiken im Portfolio von 25 (großen) Banken gehalten werden. Mit zunehmender Wahrscheinlichkeit, dass klimawandelbedingte Extremwetterereignisse physische Schäden und damit Zahlungsansprüche oder einen Finanzierungsbedarf hervorrufen, könnte diese Konzentration der Kreditrisiken ein Problem für die Finanzsystemstabilität darstellen. Allerdings sind die 25 Banken hinsichtlich ihres aktuellen Kreditrisikomanagements diversifiziert (klimawandelbedingte Kreditrisiken haben einen Wert von 7 bis 10 Prozent am Gesamtportfolio), sind zur Vorhaltung eines Eigenkapitalpuffers verpflichtet und verfügen zusätzlich über einen durchschnittlichen Wert an Assets von 672 Mrd. Euro.

>> Zugang zum EZB-Bericht vom 01. Juli 2021

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02. Juli 2021

Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021: Hauptgefahren für Industrie und Gewerbe

Am 14. Juni 2021 hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze die Klimawirkungs- und Risikoanalyse (KWRA) 2021 für Deutschland vorgestellt. Darin werden die Risiken, die auf Basis von unterschiedlichen Klimaszenarien abgeleitet wurden, für die Zeiträume 2031-2060 und 2071-2100 zusammengefasst. Im Ergebnis identifizieren die Autoren, die sich u. a. aus einem wissenschaftlichen Konsortium sowie dem Behördennetzwerk „Klimawandel und Anpassung“ zusammensetzen, bei einem starken Klimawandel (pessimistischer Fall gem. Methodik des KWRA) die größten Klimaveränderungen im Süden und Westen Deutschlands im Vergleich zum heutigen Status Quo.

Die KWRA wurde in unterschiedliche Cluster (z. B. Land, Wasser oder Infrastruktur) bzw. Teilberichte unterteilt und getrennt veröffentlicht. Für Industrie und Gewerbe werden bereits mittelfristig insbesondere die „Beeinträchtigung der Versorgung mit Rohstoffen und Zwischenprodukten“, gerade bei globalen Lieferketten sowie die „Beeinträchtigung des Warenverkehrs über Wasserstraßen“ im Inland als größte Gefahren hervorgehoben.

Um den Bedarf zu decken, werden Rohstoffe wie etwa Baumwolle oder Kautschuk konzentriert aus Ländern mit einer hohen Klimavulnerabilität nach Deutschland importiert (Datenbasis der vorliegenden Analyse ist das Jahr 2017). Die Anbauländer, wie etwa Indien, Pakistan, die Elfenbeinküste oder Indonesien sind gemäß den Autoren dabei besonders stark von den Folgen des Klimawandels, z. B. durch vermehrte Extremwetterereignisse, erhöhte Durchschnittstemperaturen oder den Meeresspiegelanstieg, betroffen. Dieses Zusammenspiel könnte daher mittelfristig den Import entsprechender Rohstoffe nach Deutschland einschränken.

In Deutschland ist der Rhein, nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB), das mit Abstand tonnagestärkste Fahrtgebiet mit 175,6 Mio. Tonnen (2019). Insbesondere Erze, Mineralölerzeugnisse oder Kohle werden aufgrund Ihrer Eigenschaften als Massengüter über Binnenwasserstraßen transportiert. Die klimawandelbedingte Zunahme von Extremwetterlagen, die sowohl Niedrig- als auch Hochwasser bedingen, kann zu einer Sperrung der Wasserstraßen bzw. zu einer Reduzierung der Frachtmengen führen. Zudem können einzelne Extremwetterereignisse Hafeninfrastrukturen oder Schleusen beschädigen und einen Weitertransport behindern. In der Konsequenz ist der Nachschub an Energieträgern oder Produktionsrohstoffen für Industrie und Energieerzeuger eingeschränkt.

Zudem stellen die „Leistungseinbußen von Beschäftigten“ eine weitere Herausforderung dar, die gemäß des KWRA an den Standorten vermehrt adressiert werden muss. Dies führen die Autoren auf klimawandelbedingt steigende durchschnittliche Lufttemperaturen sowie vermehrt auftretende Hitzewellen zurück. Insbesondere im Freien arbeitende Arbeitnehmer sind neben Hitze auch einer stärkeren UV-Strahlung und Pollenbelastung ausgesetzt. Die steigenden Lufttemperaturen betreffen überdies auch Arbeitnehmer in Lagerhallen und Büros.

>> Zugang zur KWRA über die Pressemitteilung des UBA vom 14. Juni 2021

>> Zugang zur Statistik des BDB

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11. Juni 2021

Landscape Resilience Fund zur Klimaanpassung gegründet

Am 10. Juni 2021 wurde der unabhängige und gemeinnützige Landscape Resilience Fund (LRF) vom WWF und von South Pole gegründet. Mit seinen finanziellen Mitteln will der LRF kleine Unternehmen, die mit Farmern, Farm- oder Dorfgemeinschaften zusammenarbeiten, mit günstigen Krediten und technischer Expertise unterstützen. Dies betrifft beispielsweise den Rattan- oder Kakao-Anbau und nimmt insbesondere Lateinamerika, Süd-Ost-Asien oder Sub-Sahara-Afrika in den Blick.

In der Konsequenz sollen in diesen Regionen, die gegenüber den Folgen des Klimawandels exponiert bzw. besonders vulnerabel sind, u. a. die Wiederaufforstung, klimaresilientes Saatgut oder technische Schutzmaßnahmen etabliert bzw. ausgebaut werden. Auch Schulungen im klimaresilienten Farming oder in Finanzierung und Buchhaltung, die die Unabhängigkeit der lokalen Farmer fördern, sollen mit Mitteln des LRF unterstützt werden.

Entsprechende Projekte können sich über ein Online-Portal um Unterstützung bewerben oder den LRF direkt über die lokalen Kontakte ansprechen. Im Anschluss folgt eine Prüfung der Vulnerabilität gegenüber den Folgen des Klimawandels und des entsprechenden Anpassungskonzeptes.

Das Modelabel Chanel unterstützt den LRF als Gründungsinvestor mit 25 Mio. US-Dollar. Die Global Environment Facility (GEF) unterstützt diesen mit weiteren 1,3 Mio. US-Dollar. Der LRF will bis 2025 insgesamt 100 Mio. US-Dollar an Kapital zur Investition in klimaresiliente Land- und Agrarwirtschaftsinfrastrukturen und dafür bis zu 10 weitere Investoren der Privatwirtschaft gewinnen.

>> Zugang zur Pressemitteilung von South Pole

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26. Mai 2021

Klimaanpassung im Bremer Gewerbeentwicklungsplan 2030

Im Rahmen des Gewerbeentwicklungsplans 2030 hat die Stadt Bremen als Bundesland eine Strategie für zukunftsweisende Wirtschaftsstandorte integriert. Ziel ist es, die Bremer Gewerbeflächen durch Maßnahmen u. a. der Klimaanpassung, des Schutzes der Biodiversität oder des Elektroladeinfrastrukturausbaus zukunftssicher auszugestalten bzw. zu entwickeln. Damit sollen einerseits bereits ansässige Unternehmen bei Ihrer Transformation aktiv unterstützt und neue Interessenten angesprochen werden.

Ein Fokus wird dabei gezielt auf die Bewältigung der bestehenden und erwarteten Folgen des Klimawandels, wie etwa eine Zunahme von Starkregenereignissen oder längeren Dürreperioden bzw. Hitzewellen, gelegt. Bei der Neuerschließung sowie der Bestandspflege der Gewerbeflächen soll ein Fokus auf den Erhalt von Grün- und Wasserflächen gelegt werden. Dies soll einerseits der Verschattung, der Verdunstungskühlung oder zur Tag- und Nachtabkühlung dienen. Dafür sollen in diesen Flächen bevorzugt heimische und zugleich klimaangepasste Pflanzen angesetzt und naturnah gepflegt werden. Unbelastetes Niederschlagswasser nach Starkregenereignissen soll durch entsprechende bauliche Maßnahmen (z. B. oberirdische Wassergräben, Dach- und Fassadenbegrünungsanlagen oder Wasserelemente in Freiflächen) aufgefangen und zur Bewässerung eingesetzt werden.

Begrünte Mulden, Wasserflächen, durchlässige und teildurchlässige Oberflächenbeläge sowie Dachbegrünungen erhöhen darüber hinaus die direkte Versickerung. Diese Auflockerung der Bodenversiegelung kann den lokalen Wasserkreislauf gegen Dürreperioden schützen und damit die Gefahr einer Wasserknappheit für ansässiges Gewerbe sowie die umliegenden Gemeinden abmildern. Bei Neu- und Umbaumaßnahmen sollen zudem auf allen Verkehrs- und Lagerflächen sowie auf Dächern und Fassaden helle und glatte Materialien verwendet werden. Dies dient der Hitzeanpassung, da die Rückstrahlung erhöht und somit der Strahlungseintrag verringert werden kann.

In einem ersten Schritt wird eine Arbeitsgruppe zwischen den Senatressorts „Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau“ sowie „Wirtschaft, Arbeit und Europa“ gebildet. Diese soll entsprechende Maßnahmen erarbeiten. Erste Adressaten für eine Anpassung sind insbesondere der Gewerbepark Hansalinie (GHB) sowie der Bremer Industrie-Park (BIP).

>> Zugang zur Strategie für zukunftsweisende Wirtschaftsstandorte

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14. April 2021

Neue EU-Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels vorgestellt

Die EU-KOM hat am 24. Februar 2021 Ihre neue Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels vorgestellt. Bis 2050 soll demnach parallel zum übergeordneten Klimaziel der Klimaneutralität eine vollständige klimaresiliente Gesellschaft in der EU angestrebt werden. Die EU-KOM betont, dass die Folgen des Klimawandels wie etwa die Zunahme von Extremwetterereignissen schon jetzt zu schweren ökologischen und wirtschaftlichen Verlusten führen. So sind diesbezüglich bereits jetzt jährliche Schäden in Höhe von zwölf Mrd. Euro zu konstatieren. Gemäß Berechnungen der EU-KOM hätte eine Erderwärmung von drei Grad Celsius gegenüber vorindustriellem Niveau jährliche wirtschaftliche Schäden von 170 Mrd. Euro zur Folge.

Ein zentraler Bestandteil der neuen Klimaanpassungsstrategie ist die Verbreiterung der Datengrundlage für eine zielgerichtetere Risikoanalyse. Die EU-KOM hat hierbei u. a. die Ausweitung des Anwendungsbereiches des Erdbeobachtungsprogramms Kopernikus oder die Entwicklung neuer Tools zur Ozeanografie im Blick. Zudem soll das Zusammentragen von Versicherungsdaten über Schäden aus den Folgen des Klimawandels ausgeweitet und somit ein aussagekräftiges Schadensbild für die EU gewonnen werden. Hierfür soll gegebenenfalls die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) zentral und einheitlich entsprechende Daten bei Versicherungen und Unternehmen abfragen.

Darüber hinaus sollen sog. natur-basierte Klimaanpassungslösungen (sog. blau-grüne Infrastruktur) insbesondere zur Kohlenstoffbindung gefördert werden. In diesem Zusammenhang plant die EU-KOM Orientierungshilfen für die Berechnung und Zertifizierung des entsprechenden Kohlenstoff-Entzugs im Rahmen von sog. „carbon farming Initiativen“ zu veröffentlichen. Die Ausweitung blau-grüner Infrastrukturen soll unterschiedlichen Zwecken dienen. Neben dem Entzug und der Bindung von Kohlenstoff können beispielsweise entsiegelte Sickerungsflächen im urbanen/industriellen Raum einen Schutz vor Hochwasser nach Starkregenereignissen bieten. Zudem unterstützen sie aktiv die Biodiversität und stärken die Bodenqualität. In diesem Zusammenhang sollen entsprechende Investitionen in blau-grüne Infrastrukturen auch in das Bewertungsschema der EU-Taxonomie einfließen.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Aufnahme von Klimaresilienzstandards in Bauvorschriften. Diese gelten bereits für Großinfrastrukturprojekte sowie Projekte zur kritischen Infrastruktur, die direkt von der EU beauftragt werden. Der Anwendungsbereich dieser Klimaresilienzstandards soll nach dem Willen der EU-KOM auch auf nationaler Ebene umgesetzt werden.

>> Zugang zur Klimaanpassungsstrategie der EU-KOM

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23. März 2021

2020 als zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am 30. Dezember 2020 in einer Pressemitteilung die Jahresmitteltemperatur in 2020 mit 10.4 Grad Celsius angegeben. Damit ist 2020 nach 2018 (mit 10,5 Grad Celsius Jahresmitteltemperatur) das zweitwärmste Jahr in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Mit 10,3 Grad Celsius Jahresmitteltemperatur folgen die Jahre 2019 und 2014. Klimawandelbedingt ist nach Angaben des DWD eine Häufung von Temperaturextremen in den letzten zehn Jahren zu beobachten.

Die Temperaturentwicklung im Laufe des Jahres war durch einen milden Winter sowie eine langanhaltende Hitzewelle im August 2020 gekennzeichnet. Bis auf den Monat Mai fielen dabei alle Monate des Jahres 2020 zu warm, das bedeutet mit einer höheren Monatsmitteltemperatur als in der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990, aus. Insbesondere zwischen dem 05. und 22. August 2020 dominierte eine langanhaltende, sehr heiße Witterung mit Höchsttemperaturen über 35 Grad Celsius.

Mit durchschnittlich 710 Litern pro Quadratmeter fielen die Niederschläge in Deutschland um zehn Prozent geringer aus als in der Referenzperiode 1961 bis 1990 (789 Liter pro Quadratmeter). Gemessen an diesem Standard waren neun der letzten zehn Jahre zu trocken (mit Ausnahme von 850 Liter pro Quadratmeter in 2017). Der DWD weist neben der klimawandelbedingten Zunahme der trockenen Jahre in diesem Zusammenhang auch auf die unterschiedliche Verteilung der Niederschläge hin. So hat Nordostdeutschland mit durchschnittlich unter 500 Litern pro Quadratmeter mit besonders trockenen Bedingungen zu kämpfen.

Die Anzahl der Sonnenstunden betrug in Deutschland in 2020 durchschnittlich 1.901. Im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990 (mit 1.544) ist dies ein Plus von über 20 Prozent. Seit Messbeginn im Jahr 1951 ist dies die vierthöchste Anzahl an durchschnittlichen Jahressonnenstunden. Der DWD geht davon aus, dass im Zuge des Klimawandels die Anzahl an Sonnenstunden tendenziell zunehmen wird. Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg waren in 2020 über 2.000 Sonnenstunden zu verzeichnen.

>> Pressemitteilung des DWD vom 30. Dezember 2020

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02. März 2021

Physische Risiken des Klimawandels spielen bei Berichterstattung untergeordnete Rolle

Am 28. Januar 2021 hat das Umweltbundesamt die Studie „Management von Klimarisiken in Unternehmen: Politische Entwicklungen, Konzepte und Berichtspraxis“ veröffentlicht. Darin wurden u. a. 143 Nachhaltigkeitsberichte und nicht-finanzielle Erklärungen (gem. CSR-Richtline-Umsetzungsgesetz und Handelsgesetzbuch) von 85 großen Unternehmen in Deutschland (inkl. DAX 30) untersucht. Im Ergebnis halten die Autoren fest, dass Unternehmen insbesondere Transitionsrisiken, die z. B. aus politischen Entscheidungen zur Dekarbonisierung der Industrie resultieren und das Geschäftsmodell beeinflussen, in der Berichterstattung hervorgehoben werden.

 

Insbesondere die politische Festsetzung von (höheren) CO2-Preisen oder rechtliche Vorgaben z. B. in Form von CO2-Grenzwerten bei der Nutzung sind in den untersuchten Berichten benannt. Auch gesellschaftliche Inputs wie ein geändertes Kundenverhalten oder mögliche Reputationsverluste aufgrund eines hohen CO2-Fussabdrucks des Produktes können relevante Transitionsrisiken darstellen.

Bei akuten physischen Risiken des Klimawandels gehen die Unternehmen in Ihrer Berichterstattung vordringlich auf eine erhöhte Intensität von Extremwetterereignissen und eine dementsprechende Gefährdung von Produktionsstätten und Lieferketten ein. Mittelfristig werden aufgrund des Klimawandels steigende mittlere Durchschnittstemperaturen sowie veränderte Niederschlagsmuster erwartet. In der Folge könnten die Kosten der Produktion und der Rohstoffbeschaffung ansteigen und die Schäden an Produktions- und Verwaltungsgebäuden zunehmen. Mittel- bis langfristig gehen die untersuchten Unternehmen allerdings nicht davon aus, dass die (finanziellen) Auswirkungen von physischen Risiken des Klimawandels auf Ihren Betrieb zunehmen werden.

>> Zugang zur UBA-Studie

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11. Februar 2021

Allianz Risk Barometer 2021 veröffentlicht

Am 19. Januar 2021 hat die Allianz SE ihr jährliches Allianz Risk Barometer veröffentlicht. Darin werden auf Basis einer Befragung von 2.769 Experten (z. B. CEOs, Risikoanalysten) aus 92 Ländern und 22 Industriesektoren die größten Geschäftsrisiken des vergangenen Jahres zusammengefasst. Für 2020 dominierten bei der Befragung, die Geschäftsrisiken in Zusammenhang mit dem Coronavirus (z. B. Risiken „Betriebsunterbrechung“, „Pandemieausbruch“ oder „Marktveränderungen“).

Naturkatastrophen (von Platz vier auf Platz sechs) und der Klimawandel (von Platz sieben auf Platz neun) verloren bei den Geschäftsrisiken aufgrund der Ausnahmesituation zwei Plätze, verblieben allerdings in den Top zehn der größten Gefahren. Die Allianz SE erwartet, dass nach einer flächendeckenden Impfung gegen das Coronavirus und einer möglichen Eindämmung der Pandemie, insbesondere das Geschäftsrisiko „Klimawandel“ wieder eine erhöhte Priorität für die Unternehmen haben wird.

Insbesondere für mittlere Unternehmen (Jahresumsatz zwischen 250 und 500 Mio. US-Dollar) waren Naturkatastrophen, wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Hurrikans, trotz Coronapandemie in 2020 in den Top fünf Geschäftsrisiken enthalten.

Zur Begründung verweist das Versicherungsunternehmen u.a. auf die Durchschnittstemperatur in Deutschland in 2020 (DWD: das Jahr 2020 nach 2018 mit 10,4 Grad Celsius das wärmste Jahr seit der Wetteraufzeichnung in 1881). Dementsprechend stieg für Unternehmen in Deutschland das Geschäftsrisiko „Klimawandel“ zum ersten Mal in die Top zehn (Platz 9) auf.

>> Zugang zum Allianz-Risk-Barometer 2021

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27. Januar 2021

Klima-Risiko-Index 2021 vorgestellt

Am 25. Januar 2021 hat der Germanwatch e. V. seinen jährlich erscheinenden Klima-Risiko-Index vorgestellt. Darin ist ein Ranking enthalten, das den wirtschaftlichen und humanitären Schaden von klimawandelbedingten Extremwetterereignissen (z. B. Wirbelstürme, Taifune, Sturmfluten oder Hitzewellen) in 180 Nationen angibt (Daten aus den Vereinigten Staaten sind nicht enthalten). Im Klima-Risiko-Index 2021 werden das Jahr 2019 sowie der 20-Jahres-Zeitraum 2000 bis 2019 untersucht.

In 2019 waren Mozambique und Malawi (insb. durch Zyklon Idai), die Bahamas (insb. durch Hurrikan Dorian) sowie Japan (insb. durch Taifun Hagibis) am stärksten von klimawandelbedingten Extremwetterereignissen betroffen. In Japan beliefen sich die Schäden dabei auf 28,9 Mrd. US-Dollar. Deutschland belegt für 2019 den 56. Rang und verzeichnete Schäden in Höhe von rund 4.2 Mrd. US-Dollar.

Im Zeitraum 2000 bis 2019 verzeichneten Puerto Rico, Myanmar, Haiti und die Philippinen die größten Schäden aus klimawandelbedingten Extremwetterereignissen. Hier ist Deutschland mit Schäden von insgesamt rund 85,3 Mrd. US-Dollar auf Platz 18 eingestuft. Zwischen 2000 und 2019 beliefen sich die Gesamtschäden aus klimawandelbedingten Extremwetterereignissen (11.000 Ereignisse registriert) auf 2.560 Mrd. US-Dollar.

Das Ranking des Klima-Risiko-Index wird mit Hilfe der gleichnamigen Kennzahl, die von Germanwatch eingeführt wurde, berechnet. Als Datengrundlage dient dabei der NatCatSERVICE der MunichRE. Relevante Indikatoren für die Berechnung des Klimarisikoindex sind die Todesopfer, die Todesopfer pro 100.000 Einwohner, der absolute Schaden in Mio. US-Dollar sowie der Anteil des Schadens am BIP.

>> Zugang zum Klima-Risiko-Index 2021 (englisch)

>> Zugang zur Zusammenfassung des Klima-Risiko-Index 2021 (deutsch)

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11. Januar 2021

Weltbank-Handbuch zum Aufbau von Klimaresilienz im produzierenden Gewerbe

Die Weltbank hat am 29. Oktober 2020 das Handbuch „Resilient industries: competitiveness in the face of disasters“ veröffentlicht. Auf Basis der Auswertung von globalen Fallstudien aus dem produzierenden Gewerbe werden Handlungsempfehlungen für politische Entscheidungsträger zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit abgleitet. Hintergrund ist die Annahme, dass die klimawandel-bedingte Zunahme von Extremwetterereignissen (z. B. Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, Sturmfluten oder Hurrikans / Zyklone) eine der größten Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit am globalisierten Markt darstellen. So beschädigen bzw. zerstören Extremwetterereignisse Produktionsstätten, verursachen eine Unterbrechung von Lieferketten oder können die Reputation am Markt unterminieren sowie bei fehlender Klimaresilienz zu einem Verlust an Investoren führen.

Im Ergebnis weisen die Autoren darauf hin, dass eine sofortige und pro-aktive Planung von und Investitionen in klimaresiliente Infrastrukturen, Industrieparks oder Lieferketten sich wirtschaftlich auch vor Eintreten eines Schadensereignisses rentieren. Dieser positive Return-on-invest ergibt sich nach der vorliegenden Analyse u. a. aus sinkenden operationellen Kosten (z. B. geringerer Kühlbedarf der Lagerhalle, wenn Dachbegrünungen für eine natürliche Kühlung sorgen), zufriedeneren und damit effizienteren Arbeitern (z. B. durch eine Verringerung der Hitzebelastung oder positive Auswirkungen der Klimaschutz-Maßnahmen für lokale, anliegende Kommunen) oder einem besseren weil klimaresilienteren Profil bei Investoren und Kunden (z. B. höhere Kapitalisierung am Markt, höhere und nachhaltigere Kundenbindung).

Das Weltbank-Handbuch verweist diesbezüglich auf unterschiedliche Maßnahmen aus den untersuchten Fallbeispielen. So kann die Implementierung von natur-basierten Klimaresilienzmaßnahmen (z. B. Fassaden- bzw. Dachbegrünungen, Renaturierung auf dem Betriebsgelände) in bestehende graue Infrastrukturen die Drainagekapazität nach Starkregenereignissen erhöhen. Die Etablierung von technischen Wassermanagementsystemen, die Regen- und Abwasser auffangen und zur Wiederverwendung recyclen, erhöhen die Unabhängigkeit der Produktionsstandorte gegenüber Dürren und Hitzeperioden und erhöhen überdies die Ressourcenverfügbarkeit von umliegenden Kommunen. Zur Finanzierung empfiehlt die Weltbank Instrumente aus dem green finance Portfolio, die z. B. speziell zur Förderung der Energie- und Wassereffizienz aufgelegt worden sind.

Bei der Identifizierung und Umsetzung von geeigneten Maßnahmen zur Erhöhung der Klimaresilienz betont die Weltbank die Bedeutung von Kooperationsnetzwerken. Durch den Austausch von Behörden, Unternehmen, Verbänden, Industrieparkbetreibern und Finanzdienstleistern können Synergieeffekte, z. B. durch Wissenstransfer, beschleunigte Genehmigungsverfahren oder günstigeren Finanzierungsbedingungen, gehoben werden. 

>> Zugang zum Weltbank-Handbuch

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23. Dezember 2020

VKU stellt Sieben-Punkte-Plan zur Klimaanpassung in Städten und Gemeinden vor

Am 28. Oktober 2020 hat der Verband Kommunaler Unternehmen e. V. (VKU) einen Sieben-Punkte-Plan zur Klimaanpassung veröffentlicht. Dieser verbindet Anforderungen an die Rahmenbedingungen und politische Priorisierungswünsche aus Sicht von Gemeinden und Städten. Im VKU sind rund 1.500 Stadtwerke und kommunalwirtschaftliche Unternehmen organisiert (VKU-Mitglieder mit 275.000 Beschäftigten bei einem Jahresumsatz von 119 Mrd. Euro in 2019). In Bezug auf die Geschäftsfelder seiner Mitglieder wird insbesondere vor der Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch Dürreperioden gewarnt und die Bedeutung einer wassersensibler Stadtgestaltung hervorgehoben. Klimawandelbedingt geht die VKU hier von einer Zunahme der Dürreperiode in Auftreten und Intensität in Deutschland aus. Bereits jetzt kooperieren daher einzelne Stadtwerke bei der Trinkwasserversorgung, um durch die Bündelung von Ressourcen genug Wasser bereitstellen zu können.

Folgende sieben Punkte richten sich an politische Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene und sollen die Klimaanpassung in Städten und Gemeinden verbessern:

  1. Politische Zuschreibung der Kompetenz zur Klimaanpassung bei Kommunen (Ziel: Verortung der finanziellen Mittel bei Kommunen zur Klimaanpassung vorbereiten)

  2. Stärkung des Vorsorge- und Verursacherprinzips anstatt von Nachsorgen als Maxime bei der gesetzlichen Ausgestaltung des Schutzes von Wasserressourcen (z. B. im Wasserhaushaltsgesetz oder in der Grund- bzw. Abwasserverordnung)

  3. Förderung der kommunalen Kooperation von Behörden, Landwirten, Unternehmen und Versorgungsunternehmen vor Ort

  4. Priorisierung der öffentlichen Wasserversorgung bei allen behördlichen Entscheidungen

  5. Ausweitung der Wasserrechte bei Dürreperioden (Erhöhung der Entnahme, Ableitung und Zutageförderung von Grundwasser für die Versorgungsunternehmen)

  6. Anpassung der Förderung gemäß der Kommunalrichtlinie, so dass im Rahmen der Klimaschutzmanager auch die Klimaanpassung adressiert wird

  7. Sonderprogramm des Bundes und der Bundesländer zur Klimaanpassung abrufbar für Kommunen zur Finanzierung von Projekten vor Ort

 

>> Zugang zum Sieben-Punkte-Plan der VKU

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11. Dezember 2020

Sturm-Monitor des Helmholtz-Zentrums für Material- und Küstenforschung vorgestellt

Das Helmholtz-Zentrum für Material- und Küstenforschung in Geesthacht (HZG; Schleswig-Holstein) hat am 28. Oktober 2020 den Sturm-Monitor für Norddeutschland (betrachtete Regionen: Deutsche Bucht, Hamburg, Nordost- und Nordwestdeutschland, Mitteldeutschland) vorgestellt. Dies ist ein neues Web-Instrument, das aktuelle Sturmtiefs mit historischen Sturmtrends der letzten 70 Jahre vergleicht. Somit ist es Nutzern möglich, aktuelle Sturmlagen historisch hinsichtlich Auftretenshäufigkeit und Intensität einzuordnen. Dafür werden verschiedene Sturminformationen (z. B. Anzahl der Stürme pro Sturmsaison und Monat, Entwicklung des Sturmklimas, Wiederkehrintervalle der Stürme, Angabe des Storm Severity Indexes SSI je betrachteter Region) in Echtzeit grafisch aufbereitet.

Die Berechnung der Sturmaktivitäten erfolgt dabei nicht wie bei Wetterdiensten üblich in zehn Metern Höhe über dem Boden, sondern mit Hilfe von Luftdruckdaten (sog. HZG-Methode). Luftdruckmessdaten liegen für den avisierten 70 Jahreszeitraum vor und ermöglichen über den Vergleich der Luftdruckunterschiede eine mathematische Berechnung der Windgeschwindigkeiten auch im historischen Rückblick. Die Entwickler des Sturm-Monitors haben sich für diese Herangehensweise entschieden, da somit eine bessere historische Vergleichbarkeit der Daten und somit der aktuellen Sturmaktivitäten sichergestellt werden kann. Bei einer Messung in Bodennähe können Strukturen wie Häuser, Bäume oder Hügel die bodennahen Luftströme beeinflussen und die Messdaten verfälschen. 

>> Zugang zum Sturm-Monitor

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27. November 2020

Naturgefahrenreport 2020 des GDV vorgestellt

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) hat am 08. Oktober 2020 den Naturgefahrenreport 2020 veröffentlicht. Darin werden die versicherten Naturgefahrenschäden an Gebäuden, Gewerbe, Industrie und Fahrzeugen aus dem Jahr 2019 bilanziert. Insgesamt mussten die Versicherer rund drei Mrd. Euro an versicherten Schäden ausgleichen. Dies entspricht einem Rückgang von zehn Prozent an versicherten Schäden gegenüber dem Vorjahr (2018: 3,3 Mrd Euro). Der langjährige Durchschnitt beträgt nach Angaben der GDV 3,7 Mrd. Euro. Die Gesamtschadensbilanz teilt sich dabei in 2,1 Mrd. Euro Sachschäden und 900 Mio. Euro KFZ-Schäden auf.

Insbesondere einzelne Extremwetterereignisse sind laut GDV in der Schadensbilanz im Jahr 2019 hervorzuheben. Dabei führten 1.136.000 Sturm- und Hagelschäden zu einer versicherten Sachschadenssumme von 1,8 Mrd. Euro. Der größte Schaden entstand dabei an Wohngebäuden (Zerstörung von Dächern, PV-Anlagen, Dachfenstern, Garagen, Gartenanlagen, etc.). So verzeichnete der GDV nur durch Sturm- und Hagelunwetter 770.000 beschädigte Immobilien.

Am 09. und 10. März 2019 verursachten die Sturmtiefs Dragi und Eberhard deutschlandweit Sachschäden von über 500 Mio. Euro. An Pfingsten bedingte Sturmtief Jörn im Raum München durch Hagelschauer einen versicherten Sachschaden von 260 Mio. Euro. Seit Beginn der Statistik in 1997 gehört Jörn damit zu den zehn schwerwiegendsten Hageleinzelereignissen. Jörn und das drei Tage später aufgetretene Sturmtief Klaus verursachten fast die Hälfte des versicherten KFZ-Schadens in 2019. So wurden Schäden durch bis zu 6,5 cm dicke Hagelkörner von 400 Mio. Euro gemeldet. Die durchschnittliche Schadenssumme betrug dabei 3.500 Euro. Dies war der sechsthöchste Schadensdurchschnitt in den letzten 20 Jahren.

Bayern war im Hinblick auf die Schadenssumme in 2019 am schwersten von Naturgefahrenschäden betroffen (675 Mio. Euro). Das Saarland war mit 51,2 Schäden pro 1.000 Sachversicherungsverträgen statistisch am häufigsten betroffen (Bayern: 24,1 Schäden pro 1.000 Sachversicherungsverträge). Nach Angaben des GDV waren in Deutschland fast alle Wohngebäude gegen Sturm- und Hagelschäden versichert. Für die Absicherung gegen Elementarrisiken (z. B. Hochwasser, Starkregen) besteht ein akuter Handlungsbedarf, da diese klimawandelbedingt zunehmen werden und die Versicherungslücke aktuell auf 10 Mio. Hausbesitzer beziffert wird. 

>> GDV Naturgefahrenreport 2020

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11. November 2020

Britische Regierung will verpflichtende Klimarisikoberichterstattung bis 2025 etablieren

Die regierungsstellenübergreifende britische TCFD-Taskforce hat am 09. November 2020 ihren Fahrplan für weitere Gesetzesvorhaben in Großbritannien veröffentlicht. Kernbestandteil soll die gesetzliche Verpflichtung zur obligatorischen Klimaberichterstattung für einen signifikanten Bestandteil des Wirtschaftssystems sein. Die Reportingpflichten sollen die elf empfohlenen Offenlegungen der Taskforce on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) für Unternehmen unter britischer Marktaufsicht umsetzen. Diese umfassen u. a. die Zusammenfassung der Governancestruktur im Klimarisikomanagement von Unternehmen, die Ermittlung von kurz-, mittel- und langfristigen Risiken und Chancen durch Klimarisiken für das Unternehmen oder die Offenlegung der Scope 1 und 2 sowie idealerweise der Scope 3 Emissionen inklusive daraus resultierender Risiken für das Unternehmen.

Börsennotierte Unternehmen (insb. London Stock Exchange – LSE) sowie alle Aussteller von Unternehmensanteilen (gem. Issuer-List der LSE, 2020: 1991 Unternehmen), große und in Großbritannien registrierte Privatunternehmen (gem. Companies Act von 2006, jährlicher Umsatz größer 36 Mio. Pfund Sterling, mehr als 250 Mitarbeiter, Bilanzsumme größer als 18 Mio. Pfund Sterling), Banken, Versicherungen, Gebäudegenossenschaften und Vermögensverwalter unter britischer Finanzaufsicht und heimische Pensionsfonds sollen diesen verschärften Reportingpflichten unterliegen.

Betroffene Unternehmen sollen die Möglichkeit eines sog. „comply or explain“ nicht gewährt bekommen. Dies bedeutet, dass eine Begründung für die Nicht-Offenlegung des Einflusses von Klimarisiken auf das Unternehmen zur Erfüllung der Informationspflicht nicht ausreicht. Die britische Regierung will ihren Plan im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren jetzt zeitnah umsetzen. Aktuell geht Schatzkanzler Rishi Sunak davon aus, dass bereits in 2023 die jeweiligen Vorschriften für die einzelnen Wirtschaftssektoren verabschiedet sein werden. Hintergrund ist, dass die oben angeführten Unternehmen unterschiedlichen behördlichen Zuständigkeiten unterliegen (u. a. Financial Conduct Authority FCA, Department for Business, Energy & Industrial Strategy BEIS oder The Pensions Regulator).

>> Zugang zum Fahrplan der UK TCFD-Taskforce

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26. Oktober 2020

Fortschrittsbericht zur DAS: Maßnahmen mit hohem Handlungsbedarf

Am 21. Oktober 2020 hat die Bundesregierung den Fortschrittsbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) verabschiedet und an den Deutschen Bundestag zur Bestätigung übersandt. Neben einer turnusmäßigen Bilanzierung der letzten fünf Jahre, werden im Aktionsplan Anpassung III 180 laufende und geplante Klimaanpassungs-Maßnahmen vorgestellt.

So wird im Cluster Wasser u. a. aufgrund der langfristig hohen Klimawirkung durch Flusshochwasser und Sturzfluten an den Meeresküsten ein hoher Handlungsbedarf festgestellt. Insbesondere hier sollen naturbasierte Hochwasserschutzmaßnahmen (z. B. natürliche Versickerungsflächen, Naturdämme) prioritär umgesetzt werden. Zudem sollen Hochwassergefahrenkarten in einem sechsjährigen Rhythmus fortgeschrieben und bundesweit in der Darstellung harmonisiert werden und somit für den Nutzer vergleichbar sein.

Im Cluster Infrastruktur geht insbesondere von der Unterspülung des Straßen- und Schienennetzes sowie von sonstigen hochwasserbedingten Schäden an Gebäuden die größte Gefahr aus. Im Cluster Wirtschaft wird in diesem Zusammenhang die klimawandelbedingte Einschränkung beim landgestützten Warentransport als problematischste Herausforderung eingestuft.

 

Die Bestimmung und besondere Wartung von strategischen Ausweichstrecken für den Schienentransport, das klimaangepasste Bauen von Gebäuden (z. B. Anpassung der technischen Regelwerke für den Bau und die Wartung von Gebäuden an die lokale Extremwetterbetroffenheit) und das Climate proofing u. a. des Nord-Ostsee-Kanals, des Rheins, der Außen-Elbe oder des Main-Donau-Kanals werden als Maßnahmen skizziert. Basis für die klimasichere Ausgestaltung der Wasserstraßen stellen in der Regel Langzeitsimulationen dar. Diese sind die Basis für die Festlegung von Grenzständen im Niedrigwasserszenario sowie bei der Überprüfung der Funktionalität von Dämmen und Uferinfrastrukturen im Hochwasserfall. Im Bundesverkehrswegeplan sollen zudem Maßnahmen zur Steigerung der Klimaresilienz priorisiert und das zur Verfügung stehende Budget erweitert werden.

Des Weiteren sollen die Potenziale der Dach- und Fassadenbegrünung zur Abschwächung der Folgen von Extremwetterereignissen in einer Machbarkeitsstudie untersucht werden. Abhängig vom Ergebnis ist dies im Anschluss die Grundlage für ein bundesweites Förderprogramm für die Etablierung entsprechender Dach- bzw. Fassadenbegrünungen.

Die zunehmende Hitzebelastung stellt im Cluster Gesundheit das größte Handlungserfordernis dar. Um diesem adäquat zu entgegnen, sollen die staatlichen Rahmenbedingungen des Arbeitsschutzes überprüft und stetig angepasst werden (z. B. durch die Verschärfung technischer Regeln für den Arbeitsplatz). Informationsmaterialien sollen dazu beitragen, Arbeitgebern und -nehmern die Gefahren und mögliche Lösungswege in Bezug auf Hitzestress und UV-Strahlung aufzeigen.

>> Zugang zum DAS-Fortschrittsbericht

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14. Oktober 2020

WMO-Update: Klimawandel erhöht Waldbrandgefahr

Am 28. September 2020 hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ein Update zu Ihrem ScienceBrief Review veröffentlicht. In diesem bestätigen die Forscher, dass der Klimawandel die Gefahr von Waldbränden signifikant erhöht. Für die ScienceBrief Review haben die Autoren der WMO insgesamt 116 wissenschaftliche Artikel und Beiträge, die sich mit dem Zusammenhang von Klimawandel und Waldbränden befasst haben, analysiert und zusammengefasst. Die ScienceBrief Review ist Teil der Dokumentenserie „Critical Issues on Climate Change Science“ der WMO, die für die Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow (01. bis 12. November 2021) vorbereitet wird.

Gemäß der ScienceBrief Review bedingt der Klimawandel ein vermehrtes Auftreten und eine Intensivierung von sog. Feuer-Wetterbedingungen (engl.: „fire weather“). Diese zeichnen sich durch eine Kombination aus hohen Temperaturen, geringer Luftfeuchtigkeit, einem geringen Niederschlag und hohen Windgeschwindigkeiten aus. In der Folge treten Waldbrände häufiger auf, wobei die Löscharbeiten durch die Wetterkonditionen (z. B. Wiederentfachen von Glutnestern durch starken Wind oder geringe Löschwasserverfügbarkeit durch Trockenperiode) zusätzlich erschwert werden. Auch die Landbewirtschaftung hat einen Einfluss auf das Auftreten und die Bekämpfung von Waldbränden und kann die Auswirkungen der Feuer-Wetterbedingungen ausweiten oder eindämmen. Die Flächenversiegelung kann das Auftreten von Bränden erhöhen. Die Etablierung von Feuerschneisen kann die Eindämmung von Waldbränden erleichtern.

Feuer-Wetterbedingungen treten weltweit vermehrt und intensiver auf und bedrohen so ca. 25 Prozent der globalen Vegetationsfläche, so die ScienceBrief Review der WMO. Besonders gefährdete Regionen sind dabei die Westküste Nordamerikas (insb. Kalifornien), die Ostküste Afrikas (insb. Äthiopien, Somalia und Kenia), der Norden Australiens und Brasilien. In Europa sind der Süden Spaniens und Portugals, die Küsten der Ägäis (Griechenland und Türkei) sowie die West-Ukraine besonders von Feuer-Wetterbedingungen betroffen. Insbesondere die Mittelmeerregion wird in neuesten Forschungsbeiträgen zur Waldbrandgefahr als besonders bedroht angesehen. So gehen Forscher schon bei einem RCP 4.5 Szenario von einer Zunahme der Feuerwetterbedingungen und damit einer nochmals erhöhten Waldbrandgefahr von 14 bis 30 Prozent bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus.

>> Zugang zum Update der WMO vom 28. September 2020

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28. September 2020

Klimawandelbedingt eingeschränkte Verfügbarkeit von Verkehrsinfrastruktur

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat im August 2020 den Ergebnisbericht „Verkehr und Infrastruktur an Klimawandel und extreme Wetterereignisse anpassen“ vorgestellt. Dieser soll Hinweise geben, wie die Verkehrsinfrastruktur klimasicher gemacht werden kann. Zudem wird ein Überblick über verschiedene Ansätze von Anpassungsmaßnahmen gegeben, die die veränderten zukünftigen Klimabedingungen für alle Verkehrsträger adressieren sollen.

Die Zukunftsprognosen im Ergebnisbericht erwarten für die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland zunehmende Gefährdungen durch Hoch- und Niedrigwasser sowie Hangrutschungen. So könnte der Betrieb des Nord-Ostsee-Kanals, die Schiffbarkeit des Rheins sowie die Zufahrt in den Hamburger Hafen durch den Anstieg des Meeresspiegels, eine zu geringe Flusstiefe bzw. das Überschreiten des höchsten Schifffahrtswasserstandes eingeschränkt werden.

Im nationalen Schienen- und Fernstraßennetz wird die Exposition gegenüber extremen Hochwassergefahren (Auftreten: mindestens alle 100 Jahre) auf jeweils acht Prozent beziffert. Rund 2.590 Kilometer des Fernstraßennetzes und 1.900 Kilometer des Schienennetzes sind einer Expositionsanalyse zufolge von der Gefahr einer gravitativen Massenbewegung (Hangrutsch) betroffen. Klimawandelbedingt zunehmende Extremwitterungen können die Stabilität von Hängen beeinträchtigen und so die Wahrscheinlichkeit von Rutschungen sowie von Gleit-, Sturz- und Fließprozessen erhöhen.

Regionale Stresstest-Fallstudien für das Mittelrheingebiet zeigen zudem, dass wetterbedingte Extremereignisse, die potenziell mehrere Verkehrsträger gleichzeitig beeinträchtigen, z. B. extreme Hochwasser, im Schadensfall in der Regel mit besonders hohen zusätzlichen Transportkosten pro Tag von bis zu zwei Mio. Euro verbunden sind. Besonders lang andauernde Ereignisse, z. B. eine niedrigwasserbedingte Einschränkung der Schiffbarkeit, führen im Schadensfall potenziell zu besonders hohen zusätzlichen Gesamtkosten (250 bis 300 Mio. Euro zusätzliche Gesamtkosten). Folgekosten wie der Verlust von Wettbewerbsfähigkeit, die über die reinen zusätzlichen Transportkosten hinaus gehen, wurden nicht einbezogen.

Der Ergebnisbericht sieht die Notwendigkeit für Anpassungsmaßnahmen in der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland. Diese werden in unterschiedliche Handlungsfelder unterteilt. So finden sich beispielsweise informatorische Ansätze zur Entwicklung neuer Informations- und Frühwarndienste oder Ansätze zur Aktualisierung von bestehenden Regulationen als Kategorien. Auch ingenieurstechnische Maßnahmen für konkreten baulichen Schutz werden als Handlungsfeld angeführt.

Der Ergebnisbericht empfiehlt ein enges Monitoring der tatsächlichen Klimaentwicklung zur Identifizierung passender Eingriffszeitpunkte für entsprechende Anpassungsmaßnahmen. Zudem sollen flexible Elemente in der Maßnahmenplanung und bei der Bewertung der Effektivität umgesetzter Maßnahmen genutzt werden, um die Unsicherheit bei der tatsächlichen Entwicklung der klimatischen Bedingungen adäquat adressieren zu können.

>> Zugang zum Ergebnisbericht „Verkehr und Infrastruktur an Klimawandel und extreme Wetterereignisse anpassen“

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10. September 2020

Erhöhte Klima- und Umweltrisiken durch den Klimawandel für den Finanzsektor

Das NGFS hat am 10. September 2020 den Bericht „Overview of Environmental Risk Analysis by Financial Institutions“ veröffentlicht. Dieser fasst die Gefahren, die von Klima- und Umweltrisiken für die Stabilität des Finanzsektors ausgehen, zusammen. Die finanziellen Belastungen der Volkswirtschaften durch die Folgen des Klimawandels sowie eine unzureichende Risikotransformation der Banken und Finanzinstitute werden als größte Herausforderung angesehen:

Durch eine höhere Verschuldung bzw. durch eine Abwertung der möglichen Sicherheiten (z. B. Wert des Grundstückes bzw. der Anlage) steigen die Kredit- und operationellen Risiken der Kreditinstitute. Zudem vergrößert sich auch das Liquiditätsrisiko durch die erhöhte Nachfrage nach Liquidität und dem erhöhten Refinanzierungsrisiko (Risiko die zusätzlich benötigten Kredite nicht bedienen zu können). Auch das Versicherungs- und das Marktpreisrisiko für Finanzinstitute steigt durch erhöhte Klima- und Umweltrisiken. Mit zunehmenden Schäden aus Extremwetterereignissen steigt die Summe der versicherten Schäden. Dies erhöht die finanziellen Ansprüche gegenüber den Versicherungen. Gleichzeitig nimmt auch die Versicherungslücke von nicht abgedeckten Verlusten aus Extremwetterereignissen zu. Dies schwächt die Volkswirtschaft allgemein, da die individuellen Ausfallwahrscheinlichkeiten von Unternehmen, Standorten und Einzelpersonen durch die nicht ersetzten Schäden steigen. Der Bericht dient der Darstellung der Zusammenhänge von Klima- und Umweltrisiken und daraus resultierenden Risiken für den Finanzsektor. Er soll in erster Linie die Sensibilität der handelnden Akteure erhöhen. Konkrete Werte, um wie viel sich ein entsprechendes Risiko erhöht, werden nicht angegeben.

Vermehrt auftretende Extremwetterereignisse führen u. a. zu Schäden an Anlagen oder zu einer Unterbrechung der Lieferkette. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur sowie häufigere Hitzetage können die landwirtschaftliche Produktion einschränken bzw. einzelne Ernten zerstören. Aufgrund von geänderten, nachhaltigeren Kundenpräferenzen müssen sich Unternehmen mit Ihren Produkten neu oder angepasst am Markt aufstellen und entsprechende Investitionen in neue Produktionsverfahren tätigen. In allen Fällen führen die Folgen des Klimawandels zu einem Entzug von liquiden Mitteln bei den Produzenten und Dienstleistern. So muss kurzfristig die Investitionssumme für Renovierungen bzw. die Beseitigung der Schäden aufgebracht werden. Bei einem Ernteausfall bricht oftmals ein Großteil der Einnahmen weg. Die Umstellung von Produktionsverfahren erfordert zumeist hohe Investitionsvolumina, wobei ein Erfolg am Markt mit Unsicherheiten behaftet ist.

Für einen adäquaten Umgang mit den Klima- und Umweltrisiken hat die NGFS bereits im Jahr 2019 sechs Handlungsempfehlungen für Finanzinstitute und sonstige Teilnehmer im Finanzsystem herausgegeben:

  • Hervorhebung der Bedeutung von Klima- und Umweltrisiken im Finanzsektor (z. B. ggü. Banken, Versicherungen, privaten Versicherungs- bzw. Finanzberatern)

  • Entwicklung von analytischen Instrumenten und einheitlichen Datenbanken

  • Förderung von Demonstrationsvorhaben (z. B. Entwicklung von Versicherungsprodukten für eine besonders vom Klimawandel betroffene Region)

  • Transparenz bzgl. der Verwundbarkeit der Assetstruktur von Finanzinstituten gegenüber Klima- und Umweltrisiken

  • Entwicklung von Key Risk Indicators (KRI), die die für den Finanzsektor folgenschwersten Klima- und Umweltrisiken umfassen

  • Unterstützung von nachhaltigen Taxonomie-Verordnungen, also Klassifikationssystemen für nachhaltige Investitionen und höhere Kapitalanforderungen für umweltbelastende Finanzprodukte

 

Das Network for Greening the Financial System (NGFS) setzt sich aus 69 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden zusammen. Das NGFS wurde im Rahmen des sog. „One Plante Summit“ am 12. Dezember 2017 in Paris gegründet. Ziel des Netzwerkes ist es, das Klimarisikomanagement im Finanzsektor auszubauen und Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen sowie klimafreundliche Technologien anzureizen.

>> Zugang zum Bericht „Overview of Environmental Risk Analysis by Financial Institutions“

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20. August 2020

RAINMAN-Toolbox zur Starkregenvorsorge

Das Projekt RAINMAN richtet sich insbesondere an kommunale Entscheidungsträger und interessierte Privatpersonen, die Methoden, (Kommunikations)-Strategien und Schutzmaßnahmen zum Umgang mit Starkregenereignisse kennenlernen möchten. Die Webseite RAINMAN-Toolbox (www.rainman-toolbox.eu) legt ihren Fokus bei der Bereitstellung von Hilfsinstrumenten und Anwendungsbeispielen auf Standorte in Mittel- und Osteuropa.

In einem ersten Schritt können Informationen über Starkregenereignisse und deren Konsequenzen abgerufen werden. Dies soll einerseits der Sensibilisierung aber auch der Aufklärung von notwendigen Bestandteilen einer Starkregenvorsorge dienen. So werden beispielsweise Regenabflussanalysen und hydrologische Simulationen als Instrumente zur Bestimmung der Betroffenheit von Starkregenereignissen beschrieben. Kommunikationsstrategien, die eine breite Einbindung der Einwohner bei der Umsetzung einer kommunalen Starkregenvorsorge unterstützen sollen, sind ebenfalls Teil der RAINMAN-Toolbox.

Darüber hinaus enthält die Webseite für unterschiedliche Länder Mitteleuropas (u. a. Deutschland, Österreich, Polen oder Tschechien) Verlinkungen zu existierenden staatlichen Hilfsmitteln zur Betroffenheitsanalyse. Hier erhält der Interessierte beispielsweise Zugang zum Wasser Informationssystem Austria, das den Oberflächenabfluss in den österreichischen Bundesländern in einem Geo-Informationssystem zusammenfasst und Risikogebiete für Überflutungen nach Starkregenereignissen kennzeichnet. Ähnliche Services finden sich für Tschechien und Polen. Für Kroatien erhält der Besucher Zugang zu einem historischen Register, in dem seit 2007 alle Starkregenereignisse unterteilt nach den Regionen aufgelistet werden. Für Standorte in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bremen werden Leitfäden für das Starkregenmanagement verlinkt.

Verbunden mit der Darstellung von den finanziellen, gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen werden zudem praktische Hilfsinstrumente vorgestellt. Im Bereich der Risikoreduzierung finden sich hier Maßnahmen zum besseren Regenablauf an Gebäuden, konkrete Inhalte von Alarmstrategien des kommunalen Gesundheits- und Katastrophenschutzes oder Ausgestaltungen für Regenrücklaufmaßnahmen in angrenzenden Wäldern, Anhöhen oder Siedlungsgebieten.

Der letzte Schritt beinhaltet eine Vorstellung von Anwendungsbeispielen der RAINMAN-Toolbox. Diese Best-Practice-Stories stellen z. B. die hydrologische Simulation von Meißen (Sachsen), den Heavy Rain Risk Check in Graz (Steiermark) oder ein spezielles Trümmergitter zum Schutz von Kanalzugängen und Abflussstellen vor.

>> Zugang zur RAINMAN-Toolbox

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07. August 2020

Erneuerung des Stahlwasserbaus des Sylvensteinspeichers

Am 23. Juli 2020 hat Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber den neuen Stahlwasserbau am Sylvensteinspeicher zur Nutzung freigegeben. Dieser befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Lenggries und regelt den Isarzufluss für den Ballungsraum München bis Landshut. Für den neuen Stahlwasserbau, der einem verbesserten Hochwasserschutz dienen soll, fielen Investitionskosten in Höhe von 12 Mio. Euro an.

Konkret wurden insbesondere die beiden mechanischen Tiefablässe (Triebwasserstollen, Grundablass) durch hydraulische Systeme ersetzt. Durch die Modernisierung soll die uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit des Sylvensteinspeichers gewährleistet werden. Durch die klimawandelbedingte Häufung von Starkregenereignissen steigt im Zuge der Hochwasserbewirtschaftung die Beanspruchung des Sylvensteinspeichers. Bei maximaler Befüllung fasst der Sylvensteinspeicher rund 125 Mio. Kubikmeter Wasser. Die hydraulischen Ablasssysteme erhöhen die Fähigkeit zum zielgerichteten Wasserflussmanagement im Isartal bis Niederbayern.

Im Fall von Hitzeperioden ist durch diese Steuerungsfähigkeit auch eine zielgerichtete Niedrigwasseraufstockung möglich. Somit führt die Isar auch an Hitzetagen immer genügend Wasser, so Umweltminister Glauber.

>> Pressemitteilung zur Erneuerung des Stahlwasserbaus des Sylvensteinspeichers

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04. August 2020

PIK & MCC-Studie: Klimawandel führt zu 10 Prozent Verlust der durchschnittlichen Wirtschaftleistung

Die Studie „The impact of climate conditions on economic production. Evidence from a global panel of regions“ wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Mercator Research Institute for Global Commons und Climate Change (MCC) erstellt und am 04. August 2020 veröffentlicht. Darin werden die Folgen einer steigenden Erderwärmung gemäß RCP Szenario 8.5 für die Wirtschaftsleistung auf subnationalem Level (z.B. deutsche Bundesländer, französische Départements, amerikanische Bundesstaaten oder kanadische Provinzen) untersucht.

Im Ergebnis beziffern die Forscher den Verlust an durchschnittlicher globaler Wirtschaftsleistung im Falle einer Erderwärmung von 3,5 Grad Celsius in 2100 auf bis zu sieben bis vierzehn Prozent. In Folge könnten die zukünftigen Kosten für den Ausstoß einer Tonne CO2 im Jahr 2020 auf 73 bis 142 US-Dollar ansteigen. Die große Spanne der Schadenskosten ergibt sich aus den verwendeten unterschiedlichen Regressionsanalysen (Annual und long-distance Panel, cross-sectoral Panel).

Unter besonders vulnerablen klimatischen Bedingungen, wie diese etwa in den Tropen vorzufinden sind, kann der Verlust der Wirtschaftsleistung mehr als 20 Prozent betragen. Die Forscher begründen diese Folgen u. a. mit einer geringeren Produktivität, geringeren Erträgen vor allem in der Landwirtschaft und höheren Kosten für den Betrieb der Infrastruktur (z. B. Kühlung von Rechenzentren, Aufbau und Unterhalt von klimaresilienten Verkehrsinfrastrukturen).

Regionen mit einem niedrigeren BIP sind wirtschaftlich tendenziell stärker von der Erderwärmung betroffen, da diese mit einer höheren Wahrscheinlichkeit in Gebieten mit einer hohen jährlichen Durchschnittstemperatur liegen. In Europa erwarten die Autoren die stärksten wirtschaftlichen Verluste durch die Erderwärmung in der Südhälfte der iberischen Halbinsel, in Südfrankreich und Italien sowie in Südosteuropa.

Das von William D. Nordhaus („Evolution of modeling of the economics of global warming: changes in the dice model“, 2018) entwickelte sog. DICE-Modell zur Berechnung der sozialen Kosten von CO2, beziffert anhand einer Schadensfunktion den volkswirtschaftlichen Schaden der Erderwärmung auf ein Prozent je Grad Celsius Erderwärmung pro Jahr. Die Studie des PIK und MCC hat ihren eigenen Datensatz für eine Berechnung in die Schadensfunktion des DICE-Modells eingesetzt. Im Ergebnis werden damit deutlich höhere finanzielle Schäden durch die Erderwärmung prognostiziert.

Für ihre Analyse erstellten die Autoren einen Datensatz, der Klima- und Wirtschaftsinformationen aus 1.500 Regionen in 77 Ländern zusammenfasst. Darin enthalten sind
u. a. Aufzeichnungen von Wettersatelliten oder -stationen, GPS-Daten über die Abstände zwischen kritischen Infrastrukturen und potentiellen Naturgefahren oder Informationen aus statistischen Jahresberichten über die Wirtschaftsleistung und Bevölkerungsentwicklung.

>> Zugang zur Studie „The impact of climate conditions on economic production. Evidence from a global panel of regions“ 

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23. Juli 2020

Natur-basiertes Hochwasserrisikomanagement unterrepräsentiert

In der Studie „Exploring the uptake of nature-based measures in flood risk management: Evidence from German federal states“ der Ruhr-Universität Bochum (RUB) wurden 19 Hochwasserrisikomanagementpläne analysiert. Die Pläne, die für die Jahre 2012 bis 2015 erstellt wurden, beziehen sich auf Gebiete in den Bundesländern Hessen, Niedersachsen und Sachsen. Die darin vorgeschlagenen 4.282 Maßnahmen adressierten vorwiegend die Verhaltens- und Risikovorsorge sowie technische Schutzmaßnahmen. So wurden beispielsweise Alarm- und Einsatzpläne von Hochwasserschutzkräften aktualisiert, Strategien zur Sensibilisierung der Bevölkerung vor Hochwassergefahren aufgenommen sowie die Renovierung bzw. Ausweitung existierender Schutzwälle umgesetzt.

Maßnahmen des natur-basierten Hochwasserschutzes, wie zum Beispiel die Renaturierung des Uferbereichs, die Flussauenentwicklung oder der Rückbau von Wehren, sind mit knapp neun Prozent der Maßnahmen unterrepräsentiert. Gemäß der Analyse wurden natur-basierte Maßnahmen insbesondere bei kleineren Nebenflüssen und Situationen mit geringerem allgemeinem Hochwasserrisiko vorgeschlagen und umgesetzt. Die Autoren schließen, dass Entscheidungsträger eine längere Umsetzung und höhere Verwaltungskosten befürchteten, die Wirksamkeit der entsprechenden natur-basierten Maßnahmen hinterfragten und deshalb weniger Vertrauen in natur-basierte Lösungsansätze hatten.

Als mögliche Lösung verweist die Studie auf eine bessere Einbindung von Experten vor Ort bei der Erstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen sowie auf die einheitliche Verwendung von Daten zu einer quantitativen Einschätzung der Wirksamkeit von natur-basierten Hochwasserschutzmaßnahmen. Natur-basierte Hochwasserschutzmaßnahmen können neben ihrer Schutzwirkung auch die Wasserqualität erhöhen und die Artenvielfalt durch die Schaffung von Lebensräumen fördern, so die Autoren.

Die Mitgliedsstaaten der EU sind gemäß der Richtlinie über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken auf Ebene der Flussgebietseinheiten oder der Bewirtschaftungseinheiten zur Erstellung von Hochwasserrisikomanagementplänen verpflichtet (Frist: erstmalige Erstellung und Veröffentlichung bis zum 22. Dezember 2015).

>> Zugang zur Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum

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10. Juli 2020

Zentrale Datenbank für Klimavorsorgedienste in Deutschland (Klimavorsorgeportal - KLiVO)

Das Deutsche Klimavorsorge Portal (KLiVO) bietet dem Besucher Zugang zu kostenlosen Instrumenten und Informationen, die beim Umgang mit den Folgen des Klimawandels in Deutschland helfen können. Das Portal ist Teil der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) der Bundesregierung und unterliegt einer externen Qualitätssicherung. In der Übersicht „Dienste“ des KLiVO finden sich entsprechende Steckbriefe der Angebote auf Ebene des Bundes, der Bundesländer oder einzelner Kommunen. Zusätzlich sind Dienste anderer Institutionen, wie z. B. des Deutschen Wetterdienstes (DWD) oder des Kompetenzzentrums Klimafolgen und Anpassung im Umweltbundesamt, im KLiVO enthalten und darüber kostenlos zugänglich.

Zentraler Anlaufpunkt für Interessierte ist die Suchmaske des KLiVO-Portals. Hier können die im KLiVO enthaltenen Vorsorgedienste nach acht Kriterien bzw. in einer Stichwort- und Volltext-Suche bedarfsgerecht „gefunden“ werden. Mögliche Filteroptionen sind das Bundesland, das Handlungsfeld (bspw. der Wirtschaftssektor) oder die Klimawirkung (bspw. Hoch- und Niedrigwasser, Hitzeperioden oder Starkregen).

Nachfolgend sind exemplarisch zugängliche Analysetools oder Informationsservices, die im KLiVO enthalten und über dieses Portal zugänglich sind, angeführt:

Der Deutsche Klimaatlas wird vom DWD erhoben und gepflegt. Hier sind historische Wetterdaten und Prognosen für die lokale und regionale Entwicklung des Klimas in verschiedenen Modellen und Simulationen bis zum Jahr 2100 zusammengefasst. Der Interessierte kann sich dabei Simulationen zu verschiedenen Variablen, wie der Lufttemperatur, der Anzahl an heißen Tagen, den Niederschlag oder den Waldbrandindex, in unterschiedlichen Zeitintervallen und unter Berücksichtigung unterschiedlicher Klimamodelle anzeigen lassen.

Ein weiterer Dienst ist der sog. UV-Index. Hier werden die am Boden erwarteten Tagesspitzenwerte der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung angegeben. Mit diesem Warnsystem möchte der DWD zur Vorsorge von Hautkrebs während einer Tätigkeit im Freien beitragen.

Über das KLiVO wird zudem ein Zugang zu den Hitzewarnungen des DWD ermöglicht. Hierbei soll frühzeitig vor lokalen Hitzeextremen gewarnt werden, um entsprechende Anpassungsmaßnahmen beispielsweise für Mitarbeiter oder Anlagen im Betrieb anzuregen.

Darüber hinaus finden sich weitere Anpassungsinstrumente, wie das Länderübergreifende Frühwarnsystem und Hochwasserportal (LHP) mit rund 1.300 aktuellen Pegelständen an deutschen Fließgewässern, der Leitfaden für den „Schutz kritischer Infrastrukturen – Risiko- und Krisenmanagement“ des BMI oder Zugang zur Webseite „Elementar versichern“ des StMWi im KLiVO wieder.

Ebenso werden Ergebnisse aus Klimaanpassungsprojekten vorgestellt. So beispielsweise auch der von co2ncept plus entwickelte ClimateRisk-Mate aus dem Projekt „Klimawandel Challenge Accepted“. Das Tool unterstützt Unternehmen bei der Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken. Über den Steckbrief wird man zum Climate Risk Mate weitergeleitet, wo das Excel-basierte Tool heruntergeladen und eine Arbeitshilfe bereitgestellt wird.

>> Zugang zum KLiVO-Portal

>> Zugang zur Dienste-Suchmaske des KLiVO

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22. Juni 2020

Aktualisiertes Förderprogramm zur Dach- und Fassadenbegrünung in Hamburg

Bei der Hamburger Investitions- und Förderbank ist seit dem 01. Juni 2020 eine aktualisierte Förderung für Dach- und Fassadenbegrünungen verfügbar. Diese richtet sich an entsprechende Maßnahmen, die auf bzw. an Wohn- und Nichtwohngebäuden auf dem Gebiet der Stadt Hamburg realisiert werden. Die maximale Fördersumme je Gebäude in Form eines einmaligen nicht rückzahlbaren Zuschusses beträgt 100.000 Euro. Die Höhe der Förderung ist abhängig vom Antragsteller und reicht von 40 Prozent (große Unternehmen) über 50 Prozent (mittlere Unternehmen) bis 60 Prozent (Privatpersonen und kleine Unternehmen) der förderfähigen Kosten. Die Stadt Hamburg stellt insgesamt 500.000 Euro für die Förderung bereit.

Bei Dachbegrünungen gliedert sich die Förderung von Nichtwohngebäuden und nicht selbstgenutzten Wohngebäuden in drei Förderbestandteile: Die Grundförderung beträgt 10 Euro pro Quadratmeter Nettovegetationsfläche. Zusätzlich wird jeder Zentimeter an Substratdicke von acht bis 20 Zentimeter mit einem Euro und ab 20 bis 50 Zentimeter jeder weitere Zentimeter Substratdicke mit zwei Euro je Quadratmeter gefördert.

Der zweite Förderbestandteil der Dachbegrünung beinhaltet die verbindliche Fertigstellungspflege. Diese wird bis zu zwölf Monate nach der Einbringung bzw. Aussaat mit 50 Prozent der Pflegekosten je Quadratmeter Nettovegetationsfläche gefördert. Die Fertigstellungspflege dient zur Sicherstellung des Anwuchserfolges der Pflanzungen und der Erzielung einer entsprechenden Flächendeckung.

Der dritte Förderbestandteil besteht aus möglichen Zuschlägen. Die Grundförderung erhöht sich um 15 Prozent, sofern das betreffende Gebäude sich in der Inneren Stadt (siehe Anhang Nr. 5 der Förderrichtlinie) befindet. Maßnahmen zur Verbesserung der Tragfähigkeit des Daches von Bestandsgebäuden werden zu 100 Prozent bzw. max. fünf Euro je Quadratmeter Nettovegetationsfläche unterstützt. Die Kombination aus einer extensiven Dachbegrünung (Substratdicke: 8 bis 15 Zentimeter) und solarer Energiegewinnung werden mit 100 Prozent des Mehraufwandes bzw. maximal zehn Euro je Quadratmeter Bruttokollektorfläche gefördert.

Bei Fassadenbegrünungen werden boden- und wandgebundene Fassadenbegrünungen pauschal mit 40 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert. Die Förderung kann für Maßnahmen an Neu- und Bestandsgebäuden beantragt werden. Bei wandgebundenen Fassaden ist zudem eine Mindestbegrünungsfläche von 10 Quadratmetern zu beachten. Die verbindliche Fertigstellungspflege wird bis zu 24 Monate nach Neupflanzung mit bis zu 50 Prozent der Pflegekosten übernommen.

>> Zugang zum Förderprogramm

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04. Juni 2020

Projekt „Klimabaustoffe“ der HanseGrand Klimabaustoffe e.K.

Die HanseGrand Klimabaustoffe e. K. hat im Zuge des Projektes „Klimabaustoffe“ Materialien für den Wegebau entwickelt, die eine offenporige und resistente Wegestruktur ermöglichen. Im Zuge des Klimawandels treten Extremwetterereignisse häufiger und intensiver auf. Der Niederschlag oder die Hitze greifen dabei herkömmlich asphaltierte oder natürliche Wegestrukturen in besonderem Maße an. In der Folge kann die Nutzbarkeit der Infrastruktur beeinträchtigt werden (z. B. Asphalt-Krebs, erhöhte Porosität des Weges).

Die offenporigen Klimabaustoffe verfügen nach Herstellerangaben über eine hohe Wasser- und Luftdurchlässigkeit. Somit sollen Sie durch eine gesteigerte Bodenatmung eine positive Wirkung auf das Mikroklima haben. Die Speicherkapazität erhöht zudem im Falle eines Starkregenereignisses die Wasser-Aufnahme- und Durchleitungsfähigkeit der Infrastruktur in das Grundwasser. Die Klimabaustoffe setzen sich in ihrer Textur aus einer Kombination von natürlichen Ressourcen zusammen. Insbesondere ein Kakteenextrakt, der sog. Stabilizer, soll die Abnutzung der Oberfläche bei intensiver Nutzung reduzieren.

In den letzten drei Jahren wurden ca. 1.200 Kilometer Wegestrecke mit den Klimabaustoffen gedeckt. Damit konnten laut Projektleitung eine Fläche von 2.400 km2 entsiegelt werden.

>> Projekt Klimabaustoffe

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20. Mai 2020

Klimawandelbedingte Naturgefahren in Anlagen mit gefährlichen Stoffen

Das Umweltbundesamt (UBA) hat am 14. Mai 2020 eine Expertise über den Einfluss von klimawandelbeeinflussten Naturgefahren auf Anlagen, in denen gefährliche Stoffe vorhanden sind, veröffentlicht. Adressiert werden Unternehmensbereiche, die der Störfall-Verordnung unterliegen, sowie Anlagen mit gefährlichen Stoffen, die nach § 3 Absatz 5a des Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigungsbedürftig sind. Die Expertise fasst die Ergebnisse von zwei UN/OECD – Workshops im Rahmen des NATECH II – Projektes (NATECH = Natural Hazard Triggered Technological Accidents) zusammen und listet unterschiedliche Best-Practice-Beispiele auf.

Gewitter, Stürme oder Niederschläge können durch Einwirken auf (technische) Anlagen erhebliche Schäden anrichten. Werden in solchen Anlagen zusätzlich gefährliche Stoffe gelagert oder verarbeitet, so ist auch eine eventuelle Freisetzung dieser Stoffe für das Schadensausmaß relevant.

Die Expertise geht u. a. davon aus, dass Gewitter durch den Klimawandel häufiger und intensiver auftreten werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit der Überflutung von installierten Anlagen und die Gefahr, dass gefährliche Stoffe in das Grundwasser gelangen. Längere und intensivere Hochtemperaturphasen könnten ohne entsprechende Adaption die Temperatur innerhalb der Anlagen erhöhen und z. B. unerwünschte chemische Reaktionen der gelagerten Stoffe auslösen.

Das Dokument gibt allgemeine Empfehlungen für das Klimarisikomanagement u. a. für Betreiber von entsprechenden Anlagen. Diese sollten natürliche Gefahrenquellen, die sich durch den Klimawandel verändern können, bei der Störfallanalyse ihres Standortes einbeziehen. Beispiele hierfür sind:

Die Etablierung von Frühwarnsystemen, spezialisierte Alarm- und Gefahrenabwehrpläne, die Errichtung von Koordinationsstellen für die Zusammenarbeit mit den angrenzenden Gemeinden sowie dem Landkreis im Unglücksfall oder die entsprechende Fortbildung sowie Schulung der Mitarbeiter im Gefahrenabwehrmanagement.

>> Zugang zur UBA-Expertise

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07. Mai 2020

Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit des StMUV

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber hat am 04. Mai 2020 eine Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit bekannt gegeben. Der Minister begründete dies mit den negativen Folgen, die der Klimawandel auf die Wasserverfügbarkeit in Bayern hat. So häufen sich nach Ansicht des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz (StMUV) abnehmende Niederschläge in den Sommerhalbjahren und generell länger andauernde Trockenperioden in Bayern. 

Gemäß der angepassten Strategie für Wassersicherheit soll die Trinkwasserversorgung in Bayern auf Basis regionaler Wasserbilanzen sichergestellt werden. In den Regierungsbezirken werden die Wasserbilanzen unter Verwendung neuester Daten und Klimamodelle aktualisiert. Die bayerische Trinkwasserversorgung ist hinsichtlich der Gewinnung und der Versorgung dezentral aufgebaut. Das bedeutet, dass das Trinkwasser nahezu vollständig vor Ort aus dem Grundwasser gewonnen wird. Die aktualisierten regionalen Wasserbilanzen sollen daher die einzelnen bayerischen Trinkwassereinzugsgebiete ermitteln und differenziert bewerten.

Auf Basis dieser Analyse können Maßnahmen vor Ort, wie die Ausweisung von Wasserschutz- oder wasserwirtschaftlichen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten, erfolgen. Als Reaktion auf die klimawandelbedingte zunehmende Trockenheit in Bayern werden zudem sog. Verbundleitungen zwischen einzelnen Wasserversorgungsgebieten gefördert. Damit soll die Wasserverfügbarkeit insgesamt erhöht und die Versorgung zusätzlich abgesichert werden. Der Freistaat hat diesbezüglich eine Fördersumme von 35 Mio. Euro für den Bau von insgesamt 300 Kilometern Verbundleitungen zugesagt.

Darüber hinaus soll die Wasserverfügbarkeit auch in der Landwirtschaft unterstützt werden. Hierfür fördert das Staatsministerium nachhaltige und innovative Bewässerungskonzepte, die in diesem Jahr in erste Pilotprojekte überführt werden sollen. Ziel ist dabei die Vereinbarkeit von effizienter Wasserentnahme zur Schonung der Wasserressourcen und gleichzeitiger flächendeckender Versorgung für die landwirtschaftliche Produktion.

>> Pressemitteilung zur Aktualisierung der Strategie für Wassersicherheit

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27. April 2020

Waldzustandsbericht 2019 veröffentlicht

Die Bundesländer erstellen jährlich auf Basis eines systematischen Netzes an Stichproben einen Waldzustandsbericht. Das Thünen-Institut fasst die Ergebnisse und Daten aller Berichte im Waldzustandsbericht der Bundesregierung zusammen. Für das Jahr 2019 wurde dieser am 07. April 2020 veröffentlicht. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung des deutschen Waldes im Jahr 2019 durch Trockenstress gekennzeichnet war. Die Autoren machen dies u. a. an einem lichteren Kronenzustand, der größeren Ausbreitung von Schädlingen insbesondere bei der Fichte (z. B. der Borkenkäfer) und einem vermehrten Absterben von Bäumen fest.

Die durch den Klimawandel häufiger und intensiver aufgetretenen Hitze- bzw. Dürreperioden hätten in den Vegetationszeiten zu einem verfrühten Abfall der Blätter geführt, so die Studie. Der Belaubungszustand ist dabei ein Indikator für die Vitalität und die Widerstandsfähigkeit der Bäume. Der Anteil der Bäume mit intakter Kronenverlichtung (Maß für einen gesunden voll belaubten/benadelten Baum) am Gesamtbaumbestand war mit ca. 22 Prozent in 2019 auf einem historischen Tiefstand. Dagegen stieg in 2019 der Anteil der Bäume mit deutlichen Kronenverlichtungen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 36 Prozent.

Die Baumarten Eiche und Buche weisen mit 50 bzw. 47 Prozent einen besonders hohen Anteil dieser deutlichen Kronenverlichtungen auf. Bei der Fichte bzw. der Kiefer betrug der Anteil „nur“ 36 bzw. 26 Prozent.

 

Die deutschen Wälder sind ein großer Kohlenstoffspeicher und somit wichtiger Bestandteil des Kohlenstoffkreislaufes. Die Kohlenstoffinventur 2017 beziffert den gebundenen Kohlenstoff in den Wäldern sowie in Totholz auf 1,26 Mrd. Tonnen C. Der deutsche Wald fungiert zudem als Senke und entlastet die Atmosphäre um ca. 62 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr. Eine klimawandelbedingte Verschlechterung des Waldzustandes kann diese Speicherfähigkeit reduzieren und die Klimawirksamkeit der deutschen Wälder weiter einschränken.

>> Waldzustandsbericht der Bundesregierung 2019

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13. April 2020

Abmilderung der Gefahren aus Hochwasser und Dürren durch Flussauen

Am 03. März 2020 hat die Europäische Umweltagentur (EUA) den Bericht „Floodplains: a natural system to preserve and restore“ veröffentlicht. Darin weist die EUA bei natürlichen Überflutungsflächen/Flussauen auf einen durch menschliche Einwirkung verursachten Flächenrückgang von 90 Prozent in den letzten zwei Jahrhunderten hin.

Als Gründe führt der Bericht bauliche Hochwasserschutzmaßnahmen, Flussbegradigungen, landwirtschaftliche Flächennutzung oder die Urbanisierung an. Alle Maßnahmen hätten eine Entkoppelung von Flussverlauf und Flussauen zur Folge gehabt. Die EUA fordert daher einen ökologischen Ansatz bei der Pflege und größere Anstrengungen bei der Wiederherstellung der Flussauen in Europa. Sie hebt dabei die Bedeutung, die diese natürlichen Überflutungsflächen für den Hochwasserschutz, die Abmilderung von Dürreperioden, die Wasserqualität und das Bewahren der Biodiversität haben, hervor.

Die von Hochwasser verursachten Schäden zählen auch in weiten Teilen Europas für Staaten, Unternehmen und die Bevölkerung zu den wirtschaftlich folgenschwersten. Die Munich RE beziffert den weltweiten Gesamtschaden aus Hochwassern seit 1980 auf 1.092 Mrd. US-Dollar.

Durch den Klimawandel haben sowohl Hochwasser- als auch Dürreereignisse an Häufigkeit und Intensität zugenommen, so die EUA. Intakte Flussauen nehmen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels in Europa, durch Ihre Funktion als natürliches Reservoir zum Puffer der Wassermengen oder als klimatischer Ausgleich von hohen Temperaturen, eine wichtige Ausgleichsrolle ein.

>> Bericht „Floodplains: a natural system to preserve and restore“  der EUA

>> Bilanz der Schäden aus Hochwasser seit 1980 der Munich RE

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31. März 2020

Neue Angebote des Deutschen Wetterdienstes (DWD): Dekadische Klimavorhersagen und Starkregenstatistik

Sehr gerne möchten wir Sie auf zwei neue Angebote des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aufmerksam machen:

Die dekadischen Klimavorhersagen sollen die mittelfristigen meteorologischen Folgen des Klimawandels für Europa und die gesamte Welt aufzeigen. Damit können laut DWD Investitionsentscheidungen der Unternehmen bereits jetzt an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels angepasst werden. Zudem soll beispielsweise die Energiewirtschaft durch die dekadischen Klimavorhersagen Reserveleistungen für windärmere Jahre effizienter planen können. Die dekadischen Klimavorhersagen werden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Zugang erhalten Sie über den Link unterhalb des Artikels.

 

Die aktuelle dekadische Klimavorhersage zeigt für das laufende Jahr 2020 eine um ein bzw. anderthalb Grad Celsius höhere Durchschnittstemperatur in allen deutschen Regionen (ggü. dem Mittel der Referenzperiode 1981 bis 2010). Das Fünfjahresmittel der Jahre 2025 bis 2029 berechnet für West- und Ostdeutschland anderthalb bzw. zwei Grad höhere Durchschnittstemperaturen.

Die Starkregenstatistik erfasst flächendeckend Starkregenniederschläge und ist das zweite neue Angebot des DWD. Eine erste Auswertung zeigt, dass Starkregenereignisse in Deutschland bevorzugt in den „warmen“ Monaten Mai bis September auftreten. Im Jahr 2018 waren in diesem Zeitraum überdurchschnittlich viele Starkregenereignisse in Deutschland zu verzeichnen, obwohl der Sommer gleichzeitig überdurchschnittlich trocken war. Sollte sich dieses Zusammenspiel verstetigen, würde der Klimawandel gemäß DWD selbst in warmen und zugleich trockenen Sommern eine Zunahme an Starkregenereignissen initiieren. Die Starkregenstatistik wird in das reguläre Informationsangebot aufgenommen und ist auf der Webseite des DWD abrufbar.

>> Zugang zur Webseite des DWD

>> Zugang zu den dekadischen Klimavorhersagen

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17. März 2020

2019 zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen

Im Jahr 2019 betrug die Mitteltemperatur in Deutschland 10,3 Grad Celsius. Damit war das vergangene Jahr das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnung im Jahr 1880. Neun der zehn wärmsten Jahre in Deutschland traten zudem in den letzten 20 Jahren auf. Dies gab der Deutsche Wetterdienstes (DWD) in seiner jährlichen Pressekonferenz am 17. März 2020 bekannt. Der DWD hob in seiner Bilanz für 2019 u. a. die lange Serie von Sturmtiefs mit Böen bis zur Orkanstärke in der ersten Märzhälfte 2019 sowie starke und anhaltende Schneefälle am Nordstau der Alpen Anfang Januar 2019 als markante meteorologische Ereignisse hervor.

>> weiterführende Informationen

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06. März 2020

Programm „Rhein 2040“ der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) verabschiedet

Im Rahmen der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) wurde am 10. Februar 2020 in Amsterdam das Programm „Rhein 2040“ beschlossen. In der IKSR sind die Rheinanrainerstaaten, darunter Deutschland, Frankreich oder die Niederlande, in einer Flussgebietskommission zusammengefasst. Ziel dieser grenzüberschreitenden Initiative ist es, die Vereinbarkeit von wirtschaftlicher Nutzung und ökologischem Schutz entlang des gesamten Flussverlaufs des Rheins zu erhöhen.

Im Programm „Rhein 2040“ werden u. a. die Folgen des Klimawandels auf den Flussverlauf des Rheins und die Wasserverfügbarkeit andressiert. So soll das Niedrigwasser-Monitoring im Rahmen der IKSR weiter ausgebaut und die Strategie zur Klimawandelanpassung der IKSR bis zum Jahr 2025 aktualisiert werden.

Hochwasserrisiken sollen u. a. durch die Wiederherstellung von Überschwemmungsgebieten im Umfang von 200 Quadratkilometern und die Verbindung von 100 Altarmen mit dem aktuellen Flussverlauf des Rheins gemindert werden. Die Staaten des IKSR planen zudem bis 2040 die Hochwasserrisiken um 15 Prozent gegenüber 2020 zu reduzieren. Bei der Risikobewertung soll dabei das Tool FloRiAn, das auf einem Geoinformationssystem basiert, unterstützen. Dieses Analyseinstrument ermöglicht eine quantitative Einschätzung über die Wirksamkeit von Hochwasser-Präventionsmaßnahmen am Rhein.

>> Pressemitteilung zum Programm "Rhein 2040"

>> Zugang zum Analyse-Tool FloRiAn

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20. Februar 2020

Munich RE – Bilanz der Naturkatastrophen 2019

Zu Beginn des Jahres veröffentlichte die Munich RE ihre jährlich erscheinende Bilanz der Naturkatastrophen. Für das Jahr 2019 beziffert das Rückversicherungsunternehmen die von Naturkatastrophen verursachten Schäden auf rund 150 Mrd. US-Dollar. Dabei waren insbesondere die Folgen von Wirbelstürmen für die Schadensbilanz in 2019 prägend.

 

In der Bilanz der Naturkatastrophen differenziert die Munich RE nach den finanziellen Schäden prägender Einzelereignisse und stellt darüber hinaus den globalen gesamtwirtschaftlichen Schaden dar. Ziel ist die Bereitstellung von Informationen, um notwendige Präventionsmaßnahmen im Bereich der Klimaanpassung frühzeitig zu initiieren und ein adäquates Risikomanagement beim Versicherungsschutz zu ermöglichen.

 

Von den Gesamtschäden in Höhe von rund 150 Mrd. US-Dollar, die durch Naturkatastrophen in 2019 verursacht wurden, waren ca. ein Drittel (52 Mrd. US-Dollar) durch Versicherungen abgedeckt. Die Gesamtschäden aus Naturkatastrophen gingen gegenüber dem Vorjahr um 10 Mrd. US-Dollar zurück und liegen unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre (187 Mrd. US-Dollar). Die Abdeckung der Schäden von rund 35 Prozent entspricht dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre. Diesbezüglich weist die Munich RE auf eine weiterhin bestehende Versicherungslücke bei Schäden aus Naturkatastrophen insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern hin.

 

Insgesamt erfasste die Munich RE für das Jahr 2019 820 Katastrophenereignisse. Die höchsten finanziellen Gesamtschäden aus Einzelereignissen in 2019 waren auf tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen zurückzuführen. Die Schadenshöhen der teuersten Einzelereignisse betrugen dabei 17 Mrd. US-Dollar sowie 9 Mrd. US-Dollar und wurden beide in Japan durch die tropischen Wirbelstürme „Hagibis“ bzw. „Faxai“, hervorgerufen.

 

Der stärkste Hurrikan der Saison, „Dorian“, verwüstete insbesondere die Inselgruppe der Bahamas. Im Anschluss streifte er das US-Festland nur vergleichsweise geringfügig. Dieser Hurrikan war insgesamt für einen Gesamtschaden von 5,6 Mrd. US-Dollar verantwortlich. In Australien waren durch starke Waldbrände Gesamtschäden von 1,1 Mrd. US-Dollar zu verzeichnen.

 

In Europa führten Hitzewellen und starke Unwetterereignisse mit Hagel in 2019 zu den größten Verlusten aus Naturkatastrophen. In Deutschland wird auf ein Unwetter im Juni 2019 verwiesen, das im Großraum München Schäden insbesondere durch Hagel von einer Mrd. US-Dollar bedingte. Die Gesamtschäden der Sommerunwetter in 2019 betrugen in Europa 2,5 Mrd. US-Dollar. Davon waren gemäß der Munich RE 0,9 Mrd. US-Dollar durch Versicherungen abgedeckt.

 

Die grundsätzlich geringe Abdeckung der Schadenshöhe bei Naturkatastrophen sowie fehlende Maßnahmen der Klimaanpassung (u. a. im Bereich der Verkehrs- Gebäude- oder Versorgungsinfrastruktur) insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern werden von der Munich RE als Problemfeld hervorgehoben. Auch in Industrieländern, die grundsätzlich über einen höheren Versicherungsschutz verfügen, gibt es insbesondere im Fall von Flutschäden Versicherungslücken.

>> Bilanz der Naturkatastrophen 2019 der Munich RE

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07. Februar 2020

Pilotstudie „Klimawirkungskarten Bayern“ veröffentlicht

Bereits Ende 2019 wurde eine Pilotstudie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt veröffentlicht. In deren Rahmen wurden für verschiedenste Handlungsfelder wie z. B. die Industrie und die Energiewirtschaft sog. „Klimawirkungskarten“ erstellt. Ziel der sog. „Klimawirkungskarten“ ist es, einen schnellen Überblick über die klimarelevanten Risikofaktoren in einer Region zu vermitteln.

 

Bei der Erstellung der Karten werden regionale Informationen zu Klimaeinflüssen wie z. B. heißen Tagen, Heiz- oder Starkregentagen mit den jeweiligen Sensitivitäten der Regionen gegenübergestellt und bewertet. Für die Beurteilung der Sensitivitäten wurden z. B. Daten zu hitzeempfindlichen Einrichtungen, versiegelten Flächen oder Kraftwerken verwendet. Basierend darauf werden die Klimawirkungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt abgeschätzt.

 

Neben den Klimawirkungen werden in der Studie auch die Klimaeinflüsse und die Sensitivtäten in Form von Karten visualisiert. Die Darstellung erfolgt auf der Ebene der Landkreise und der kreisfreien Städte. Die Karten werden sowohl für die Gegenwart als auch für die nahe Zukunft (2021 bis 2050) erstellt. Ferner wird jeweils ein starkes sowie ein schwaches Szenario abgebildet.

 

Im Handlungsfeld „Industrie“ wurde u. a. potentielle Schäden an Betriebsanlagen in Industrie und Gewerbe durch Flusshochwasser untersucht. Hierbei wurden die möglichen Überschwemmungsflächen eines 100-jährlichen Hochwassers mit Industrie- und Gewerbeflächen verschnitten. Für die Gegenwart zeigen die Karten, dass die potentiellen Überflutungsschäden in den Regionen an den Flüssen Donau, Isar und Main am höchsten sind. Hierzu zählen die Landkreise Deggendorf und Günzburg sowie der Regierungsbezirk Unterfranken. Für die Zukunft wird mit steigenden Schäden gerechnet, wenn die Intensität und die Häufigkeit von Überflutungsereignissen zunehmen.

 

Ebenso wurden mögliche Schäden an Industrie- und Gewerbestandorten infolge von Sturzfluten analysiert. Das Gefahrenpotenzial wurde mithilfe der Anzahl der Starkregentage (Tage mit mehr als 25 mm Niederschlag) und der Reliefenergie berechnet. Die höchsten potenziellen Schäden können sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft am Alpenrand auftreten. 

 

Im Handlungsfeld „Energiewirtschaft“ lag der Fokus u. a. auf der Analyse des Energiebedarfs für die Kühlung und Klimatisierung von Gebäuden und Produktionsprozessen. Dieser wurde auf Basis der sog. „Kühltage“, d. h. der Tage mit eine Mitteltemperatur von mehr als 18,3 Grad Celsius, ermittelt. Ein erhöhter Kühlbedarf wurde für die Gegenwart im Bereich des Bayerischen Hügellands, der Isar-Inn-Schotterplatten sowie der Mainfränkischen Platte festgestellt. Für die Zukunft wird von einem flächendeckenden Anstieg des Kühlenergiebedarfs vor allem in Südbayern ausgegangen.

>> Pilotstudie Klimawirkungskarten Bayern

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24. Januar 2020

„Global Risks Report“ des Weltwirtschaftsforums vorgestellt

Am 15. Januar 2020 wurde der neue „Global Risks Report“ des Weltwirtschaftsforums vorgestellt. In diesem werden jährlich Einschätzungen zu den größten weltweiten Risiken in den nächsten zehn Jahren zusammengefasst. Erstmals belegen Klimarisiken und damit einhergehende Umweltrisiken die TOP 5 der wahrscheinlichsten globalen Risiken.

Als die fünf wahrscheinlichsten Risiken werden folgende Bedrohungen angesehen:

  1. extreme Wetterereignisse, die zu starken Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen und Todesfällen führen

  2. Verfehlungen von Regierungen und Unternehmen bei Klimaschutz und -anpassung

  3. vom Menschen verschuldete Umweltkatastrophen

  4. Verlust von Biodiversität und der Zusammenbruch des Ökosystems

  5. Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche

 

Die Verfehlungen bei Klimaschutz- und Klimaanpassung, der Biodiversitätsverlust sowie Extremwetterereignisse finden sich zugleich unter den TOP 5 der Risiken mit dem höchsten Schadensausmaß.

Der Bericht warnt vor den extremen wirtschaftlichen Schäden, die durch die genannten Klimarisiken entstehen können. In diesem Kontext wird auch auf sog. „Übergangsrisiken“ wie geänderte klimapolitische Vorgaben und höhere Stakeholderanforderungen verwiesen.

>> Global Risks Report 2020

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14. Januar 2020

Allianz Risk Barometer 2020

Gemäß dem „Allianz Risk Barometer 2020“, das am 14. Januar 2020 veröffentlicht wurde, werden Klimarisiken zunehmend als Geschäftsrisiko wahrgenommen. So sind in den TOP 10 der größten Geschäftsrisiken, die jährlich durch die Allianz Global Corporate & Specialty SE evaluiert werden, Klimarisiken mehrfach vertreten:

  • Rang 2: Betriebsunterbrechungen, die auch durch extremwetterbedingte Schäden an den Unternehmensstandorten oder Störungen innerhalb der Lieferketten hervorgerufen werden können

  • Rang 4: Naturgefahren wie Stürme, Hochwasser oder Dürren

  • Rang 7: Klimawandel

 

An der Umfrage zur Evaluation der Geschäftsrisiken, die jährlich gegen Jahresende durchgeführt wird, beteiligten sich nach Angaben der Allianz Global Corporate & Specialty SE 2.718 Teilnehmer aus über 100 Ländern. Adressiert werden u. a. Führungskräfte  sowie Risikomanager, Makler und Versicherungsexperten.

>> Allianz Risk Barometer 2020

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30. Dezember 2019

Ergebnisse des Netzwerks veröffentlicht: Arbeitsunterlagen, Tool und Leitfaden

Auf unserer Webseite stehen Ihnen ab heute sämtliche Vorträge und Arbeitsunterlagen aus dem Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ zum Download zur Verfügung. Die Arbeitsdokumente enthalten wertvolle Informationen rund um die Identifizierung und das Handling klimabezogener Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Ferner finden Sie auf unserer Webseite den Leitfaden "Klimarisikomanagement 2050 – Betriebliche Klimarisikostrategie Step-by-Step entwickeln". Dieser fußt auf den Erfahrungen des Netzwerk und zielt darauf ab, Sie beim Aufbau eines vorausschauenden, proaktiven und vor allem ganzheitlichen Klimarisikomanagement zu unterstützen. Der Leitfaden zeigt auf, wie vielfältig die Aspekte sind, die es beim Umgang mit Klimarisiken zu berücksichtigen gilt. Zudem gibt er praktische Handlungsempfehlungen, wie eine betriebliche Klimarisikostrategie "auf eigene Faust" und Step-by-Step entwickelt werden kann.

Der Leitfaden wird durch ein excelbasiertes Tool flankiert, das gemeinsam mit den Teilnehmern des Netzwerks entwickelt wurde: Der sog. „ClimateRisk-Mate“ hilft Unternehmen bei der Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Den Leitfaden "Klimarisikomanagement 2050 – Betriebliche Klimarisikostrategie Step-by-Step entwickeln" finden Sie >> hier.

Den "ClimateRisk-Mate" inklusive einer Anleitung zur Anwendung des Tools finden Sie >> hier.

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27. Dezember 2019

Studie zu den Folgen des Klimawandels im Bergbau

Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersuchten adelphi, das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) und das Sustainable Minerals Institute (SMI) der University of Queensland, in welcher Art und Weise der Bergbau durch den Klimawandel betroffen ist. Auch die Auswirkungen auf die Rohstoffsicherheit und die Umweltwirkungen wurden adressiert.

Hierbei werden die Ergebnisse aus fünf Fallstudien, die sich jeweils mit einer Bergbauregion beschäftigen (Australien, Kanada, Chile, Südafrika und Indonesien), zusammengeführt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Bergbausektor insbesondere durch zunehmende Extremwetterereignisse betroffen ist. Hitzewellen, Dürren oder Bodenerosionen können zu einem Produktionsrückgang führen. Aufgrund von Hitzestress der Arbeiter oder fehlendem Betriebswasser ist keine Förderung der Rohstoffe möglich. Überflutungen, Stürme oder Wald- und Buschbrände können den Transport der Mineralien verzögern oder stoppen, wenn die notwendige Verkehrsinfrastruktur beschädigt wird. Damit können auch die Versorgung mit den abgebauten Mineralien und somit die Rohstoffsicherheit gefährdet werden.

Aufgrund der Ergebnisse der Studie fordern die Autoren effektive und persistente Anpassungsmaßnahmen für den Bergbausektor. Anpassungsstrategien sollten dabei nach Ansicht der Studie in den Bergbauunternehmen und den staatlichen Kontrollstellen eine höhere Bedeutung erhalten. In diesem Zusammenhang könnten z.B. Betroffenheitsanalysen für bestehende und zukünftige Förderprojekte sowie der Aufbau einer Frühwarnstruktur realisiert werden.

Die Kooperation zwischen den Bergbaukonzernen und den umliegenden Gemeinden ist nach Ansicht der Autoren bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels unabdingbar. So sind die Anlieger insbesondere bei der Renaturierung oder der Nutzung von Chancen durch den Klimawandel wichtige Partner. Im Fallbeispiel Kanada verweist die Studie diesbezüglich auf die Nutzbarkeit neuer Schifffahrtswege durch die zunehmende Eisfreiheit, die allerdings zunächst der Zustimmung der umliegenden Bevölkerung bedarf.

Zudem führen die Autoren an, dass bei den Anpassungsmaßnahmen ein Augenmerk auf sog. „Tailing-Dämme“ und alte Minen gelegt werden sollte. Diese seien eine hohe Belastung für die Umwelt und können bei Dammbrüchen auch Siedlungen bedrohen. Die Gefährdung von Standorten durch die Folgen des Klimawandels soll laut Studie zudem zentraler Bestandteil der Risikoabschätzung von Investoren bei Investitionen in Bergbaukonzernen sein.

>> UBA-Veröffentlichung zu den Folgen des Klimawandels für den Bergbau

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23. Dezember 2019

Bericht der Global Commission on Adaptation

Am 10. September 2019 hat die Global Commission on Adaptation den Bericht „Adapt now: A global call for leadership on climate resilience“ veröffentlicht. Darin wird betont, dass neben Gründen des Umweltschutzes und der humanitären Hilfe auch wirtschaftliche (Eigen)Interessen für die Anpassung an den Klimawandel sprechen. So kann laut Bericht der Ertrag (u.a. im Hinblick auf vermiedene Schäden und wirtschaftlichen oder sozialen Gewinn) aus weltweiten Investitionen in Höhe von 1,8 Billionen Dollar in fünf Kernbereichen im Zeitraum zwischen den Jahren 2020 und 2030 um das Vierfache (7,1 Billionen Dollar) größer sein.

Als fünf Investitionsbereiche wurden Frühwarnsysteme, die klimaresiliente Infrastruktur, die an Dürre angepasste Landwirtschaftsproduktion, der Schutz von Mangrovenwald und die Resilienz von Wassermanagementsystemen benannt. Der Bericht spricht neben den Chancen, die Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel bieten, auch die Risiken bzw. Gefahren im Falle ausbleibenden Handelns an. So seien beispielsweise eine Verringerung der globalen landwirtschaftlichen Produktion um 30 Prozent bis zum Jahr 2050 zu erwarten. Zudem könnten die Kosten aufgrund steigender Meeresspiegel sowie häufigeren starken Stürmen für Küstenregionen ab dem Jahr 2050 jährlich bis zu einer Billion Dollar betragen.

Die Global Commission on Adaption wird von 23 Ländern weltweit unterstützt, darunter auch Deutschland, Kanada oder den Niederlanden. Der ehemalige UN-Generalsekretär Ban-Ki-Moon steht ihr vor, wobei ihn Bill Gates, Gründer von Microsoft, und Kristalina Georgieva, Managing Director des Internationalen Währungsfonds, als Stellvertreter unterstützen. Das Ziel der Kommission ist es, Länder, Städte, Kommunen und Unternehmen auf die Notwendigkeit der Anpassung an die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen und entsprechende Investitionen anzuregen.

>> Bericht: Adapt now: A global call for leadership on climate resilience

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10. Dezember 2019

Zweiter Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel veröffentlicht

Am 26. November 2019 wurde der zweite Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) in Kooperation mit dem Umweltbundesamt (UBA) in Berlin vorgestellt. Dem Bericht zufolge werden die Folgen der globalen Erderwärmung auch in Deutschland spürbarer. So ist die mittlere Lufttemperatur von 1881 bis 2018 um insgesamt 1,5 Grad Celsius angestiegen. Alleine in den letzten fünf Jahren ist ein Zuwachs um 0,3 Grad Celsius zu verzeichnen. Die daraus resultierenden Auswirkungen sind neben erhöhten Gesundheitsrisiken durch die Hitzebelastung u.a. stärkere Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Die Folgen der Erderwärmung treffen auch die Wirtschaft in Deutschland, so der Monitoring-Bericht. So führen die steigenden Temperaturen zu einer hitzebedingten Minderung der Leistungsfähigkeit oder zum steigenden Trend bei den Kühlgradtagen, wodurch die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz steigen. Zudem sind Infrastrukturen, die für betriebliche Logistikprozesse von Relevanz sind, wie etwa Straßen und Schienen Extremwetterereignissen ausgesetzt. Sie können beispielsweise durch Starkregen oder Stürme beschädigt werden.

 

Der Bericht verweist diesbezüglich auf Versicherungsschäden im Jahr 2018 in Höhe von 2,6 Milliarden Euro an Häusern, Gewerbe- und Industriebetrieben. Die Versicherungswirtschaft stuft das Jahr 2018 als eines der viertschwersten Sturmjahre in den letzten 20 Jahren ein. Trocken- bzw. Dürreperioden führen zudem immer wieder zu Niedrigwassereinschränkungen an kritischen Wasserwegen, beispielsweise am Rhein.

 

Weitere Probleme sieht der Monitoring-Bericht 2019 insbesondere in der Landwirtschaft. Dabei ist die Verfügbarkeit von Wasser ein Hauptproblem. Im Jahr 2018 seien in der Landwirtschaft Schäden durch Trockenheit und Hitze in Höhe von 700 Millionen Euro entstanden. Zudem verschieben sich die Jahres- und Vegetationszeiten, so dass sich beispielsweise Krankheiten wie das Dengue- und Chikungaya-Fieber verbreiten können. Diese werden durch Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Erdregionen, die sich aufgrund der wärmeren klimatischen Bedingungen in Deutschland ausbreiten können, übertragen.

 

Der Monitoring-Bericht wurde im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) erstellt. Durch ein fortlaufendes Monitoring soll eine systematische Beobachtung von Klimawirkungen und Anpassung erfolgen.

>> Pressmitteilung Monitoring-Bericht 2019 des BMU und UBA

>> Zweiter Monitoring-Bericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

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27. November 2019

Vorstellung des Deutschland-Berichtes des Lancet-Countdowns

Am 14. November 2019 wurde erstmals ein Deutschland-Bericht durch die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ in Berlin vorgestellt. Dieser ist Teil des internationalen Forschungsprojektes „The Lancet Countdown on Health and Climate Change“. Der Deutschland-Bericht entstand in Kooperation u.a. mit der Bundesärztekammer oder der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er gibt eine Prognose über die medizinischen Folgen des Klimawandels bis 2100 für Deutschland, wenn die CO2-Emissionen nicht reduziert werden.

Die Autoren erwarten jährlich bis zu fünf zusätzliche Hitzewellen in Norddeutschland. Für Süddeutschland seien bis zu 30 zusätzliche Hitzewellen im Jahr wahrscheinlich. Die Autoren warnen vor den damit einhergehenden Gesundheitsgefahren, u. a. durch Hitzestress und einer hohen bodennahen Ozonkonzentration. Diese könnten sich beispielsweise in Form von Hitzschlägen, Herzinfarkten oder akutem Nierenversagen auswirken. Ältere Menschen, Säuglinge, Patienten mit chronischen Erkrankungen und Personen, die schwere körperliche Arbeit im Freien ausüben, seien besonders gefährdet.

Neben den direkten Gefahren für den Körper, warnen die Autoren auch vor den indirekten Auswirkungen des Klimawandels. Dabei betonen sie insbesondere die gesteigerte Gefährdung durch Infektionskrankheiten. Dies betrifft beispielsweise FSME oder Borreliose (Übertragung durch Zecken oder Mücken), aber auch neue Infektionskrankheiten wie z.B. Dengue oder Zika.

Im Rahmen des Deutschland-Berichtes fordern die Autoren von Bund und Ländern die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen. Dies umfasst beispielsweise die Aufstockung der personellen und räumlichen Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen. Neben konkreten Maßnahmenplänen für Kliniken, Not- und Rettungsdiensten sei dies eine geeignete Reaktion auf die zunehmenden Extremwetterereignisse, so die Autoren. Zudem solle die Forschung zu den Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die individuelle Gesundheit intensiviert werden.   

>> Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 14. November 2019

>> The Lancet Countdown on Health and Climate Change: Report 2019

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14. November 2019

WeltRisikoBericht 2019 – Fokus auf globale Wasserversorgung

Am 12. September 2019 wurde der WeltRisikoBericht für das Jahr 2019 veröffentlicht. Dieser wird vom Bündnis Entwicklung hilft und der Ruhr-Universität Bochum herausgegeben. Jeder Bericht beinhaltet den aktualisierten sog. „WeltRisikoIndex“ und widmet sich einem Thema im Speziellen. Die Ausgabe für das Jahr 2019 stellt die globale Wasserversorgung in den Fokus. Dabei geht es neben dem Zugang zu Wasser, auch um den Schutz vor Gefährdungen durch Wasser.

 

Der WeltRisikoBericht 2019 kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere Extremwetterereignisse, wie etwa Dürren, etablierte Abläufe bei der Wasserversorgung beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang verweisen die Autoren insbesondere auf Überflutungen z.B.  in Folge von Tsunamis, die in ihrer Intensität zunehmen und zu Schäden an Wasserversorgungs- und Abwassersystemen führen können. Aber auch das Ansteigen des Meeresspiegels wird als akute Gefahr durch Wasser identifiziert. Zur Bewältigung dieser Auswirkungen von Wasserrisiken fordern die Autoren beispielsweise die Wirtschaft auf, die Einhaltung der Menschenrechte in Bezug auf die Wasser- und Sanitätsversorgung rund um die einzelnen Standorte selbstständig zu gewährleisten.

Der WeltRisikoIndex gibt im Ergebnis das Katastrophenrisiko für 180 Länder weltweit an. Dieses wird durch die beiden Faktoren Exposition und Vulnerabilität abgebildet. Dabei setzt sich die Vulnerabilität aus den Indikatoren Anfälligkeit, Bewältigung und Anpassung zusammen.

Die Länder mit dem höchsten Indexwert, und damit der höchsten Gefährdung im Jahr 2019, sind Vanuatu, Antigua und Barbuda sowie Tonga. Inselstaaten weisen nach Ansicht der Autoren häufig ein hohes Katastrophenrisiko auf, da sie besonders anfällig für Wetterextreme und Naturgefahren sind. Afrika ist der Kontinent, der kumuliert dem größten Katastrophenrisiko ausgesetzt ist. Dagegen ist Europa der Kontinent mit dem geringsten Indexwert. Deutschland belegt Platz 163 von 180 und weist somit, gemäß den Berechnungen des WeltRisikoBerichtes 2019, ein sehr geringes Katastrophenrisiko auf. Das Land mit dem geringsten berechneten Katastrophenrisiko ist Katar.

>> Zugang zum WeltRisikoBericht 2019

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31. Oktober 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 23. Oktober 2019

Am 23. Oktober 2019 fand unser fünfter und letzter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt. Dieser adressierte das Thema „Feinschliff für ein ganzheitliches Klimarisikomanagement: Betrachtung von Rohstoffen, Absatzmärkten und Szenarioanalysen“. Zu Beginn fand ein kurzer Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop statt: die Bewertung der erweiterten Fassung des Excel-Tools um den Reiter „Lieferantenrisiko“.

Im Anschluss daran ging Herr Dr. Sven-Uwe Schulz von der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) auf Rohstoffrisiken auf der Angebots- und Nachfrageseite ein. Er stellte in diesem Zusammenhang die DERA-Rohstoffliste vor, die Informationen von globalen Angebotskonzentrationen und spezifischen Länderrisiken von Rohstoffen zusammenfasst. Zudem verwies er auf das Rohstoffinformationssystem (ROSYS), das Unternehmen einen ersten Einblick über den deutschen Rohstoffmarkt (z.B. Auflistung der Importe und Exporte nach Land und Rohstoffen) gibt.

In einem Erfahrungsaustausch diskutierten die Teilnehmer über den Bedarf an Rohstoffen in ihrem Unternehmen. Zudem wurden Risiken, die die Rohstoffversorgung beeinträchtigen, zusammengefasst und daraus resultierende Strategien diskutiert.

co2ncept plus gab einen Überblick über die Klima(risiko)berichterstattung. Im Zuge dessen wurden den Teilnehmern unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, wie die EU-Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung, vorgestellt. Weitere Schwerpunkte waren der Berichterstattungsstandard der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) sowie die Vorstellung von Praxisbeispielen aus der Klimarisikoberichterstattung.

Im Anschluss stellte Herr Markus Götz (sustainable AG) die sechs Schritte für die Umsetzung einer Szenario-Analyse im Rahmen der Klimarisikoberichterstattung vor. Diese bestehen u.a. aus dem Aufbau einer Governance Struktur (z.B. Integration der Szenario-Analyse in die strategische Planung), die passgenaue Identifikation und Definition der Szenarien und die Identifikation möglicher Reaktionen (z.B. Änderungen am Geschäftsmodell oder Portfolio).

Herr Simon Müller (HPC AG) präsentierte den Teilnehmern eine beispielhafte Modellierung eines Starkregenereignisses. Im Zuge dessen gab er eine Einführung in das Starkregenrisikomanagement. Dieses beinhaltet eine Gefährdungs- und Risikoanalyse. Darauf basierend führt die Erarbeitung von strategischen Maßnahmen zu einem Handlungskonzept (z.B. bauliche Maßnahmen, Kommunikation möglicher Gefahren).

Herr Dr. Ralph Hintemann (Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit) ging in seinem Vortrag auf die Auswirkungen globaler Megatrends, wie dem Klimawandel, auf Absatzmärkte von Unternehmen ein. Einerseits warnte er vor einer Gefährdung bestehender Geschäftsmodelle z.B. durch die öffentliche Sensibilisierung für Nachhaltigkeit. Andererseits hob er insbesondere die Rolle der Digitalisierung für die Zukunft hervor (z.B. Klimabeitrag durch das Einsparen von Papier oder Dienstreisen). In diesem Zusammenhang diskutierten die Teilnehmer, wie sie ihre Produktportfolios im Zuge globaler Megatrends anpassen und welche Chancen sich daraus für die Geschäftsmodelle ergeben.

Im Anschluss stellte co2ncept plus die Erweiterung des Excel-Tools um die Reiter „Rohstoffrisiken“ und „Absatzmärkte“ vor. Abschließend fand eine Feedbackrunde zum Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ statt. Dabei wurden die Erfahrungen, die im Rahmen des Projektes gewonnen wurden, vorgestellt. Zudem gingen die Teilnehmer u.a. auf erste Pläne und Projekte ein, die veranschaulichten, wie das Thema weiterverfolgt werden soll.

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30. Oktober 2019

Bewährte Praktiken im Umweltmanagement: Empfehlungen für das Klimarisikomanagement im Automobilsektor

Die EMAS-Verordnung (Eco Management and Audit Scheme) sieht in Artikel 46 die Erstellung branchenspezifischer Referenzdokumente vor, die u.a. bewährte Praktiken im Umweltmanagement beinhalten sollen. Ein entsprechendes Dokument für den Automobilsektor ist seit dem 07. Februar 2019 in Kraft. Dieses basiert auf einem Best-Practice-Bericht des Joint Research Centers (JRC). Einige Praktiken zielen auf die Anpassung von Standorten an die Auswirkungen von Klimarisiken ab.   

So wird beispielsweise die Installation von Dachbepflanzungen in Industriestandorten empfohlen. Bei Starkregenereignissen kann nach Ansicht der Autoren durch die Regenwasserbindung des Gründachs einer Überflutung entgegengewirkt werden. Zudem könne die Lebensdauer des Dachs durch den Schutz vor Witterung, den eine Dachbepflanzung bietet, erhöht werden.

Eine weitere Empfehlung beinhaltet die Installation eines Wasserauffang- bzw. aufbereitungssystem. Dieses kann den Bedarf der Wasserentnahme am Produktionsstandort reduzieren. Gerade in Gebieten, die von Hitze und Dürren betroffen sind, kann dies nach Ansicht der Autoren die Produktionsleistung absichern.

>> Branchenspezifisches Referenzdokument für bewährte Umweltpraktiken im Automobilsektor

>> Best-Practice-Bericht des JRC über Umweltmanagement im Automobilsektor

>> EMAS-Verordnung (1221/2009/EG)

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16. Oktober 2019

Neue Prognose zur Erwärmung in Europa durch das Projekt MiKlip

Für den Zeitraum bis zum Jahr 2028 prognostiziert das Projekt „Mittelfristige Klimaprognosen (MiKlip)“ einen Anstieg der Temperatur-Mittelwerte in Europa um mehr als einen Grad Celsius gegenüber den Jahren 1980 bis 2010. Mit dieser Vorhersage würde der Zeitraum bis zum Jahr 2028 zur heißesten Periode seit dem Beginn von systematischen Wetteraufzeichnungen gehören. Dabei sei der Grad der Erwärmung im Osten Europas größer als im westlichen Teil. Südosteuropa wird durch die Klimaforscher als Region identifiziert, in der die Erwärmung am stärksten erfolgen wird.

MiKlip soll Unternehmen und die Gesellschaft bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Dafür haben verschiedene Projektpartner, darunter das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Max-Planck-Institut für Meteorologie Hamburg (MPI) oder der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein Vorhersagesystem (COSMO-CLM) entwickelt. Dieses bietet mittelfristige Klimaprognosen mit regionaler Auflösung für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren an. Der regionale Fokus bedeutet, dass dem Vorhersagesystem ein Gitterboxsystem mit einer Maschenweite von 25 Kilometern zu Grunde liegt.

Die Berechnungen beruhen auf dem globalen Klimamodell ECHAM des MPI, das im Rahmen von MiKlip verfeinert wurde. Dafür werden detaillierte Informationen für Europa, beispielsweise über die Topografie verwendet. Auf Basis dieser Informationen werden Wind, Niederschlag und Windströme in den jeweiligen Gitterboxen berechnet. Das MiKlip-System befindet sich aktuell noch in der Testphase und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

>> Zugang zur Projektwebseite MiKlip

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02. Oktober 2019

Förderrichtlinie GründachPLUS für das Land Berlin vorgestellt

Am 21. August 2019 ist die neue Förderrichtlinie GründachPLUS des Landes Berlin in Kraft getreten. Deren Förderung wird als nicht-rückzahlbare Zuwendung im Rahmen einer De-minimis Beihilfe gewährt und richtet sich insbesondere an Grundeigentümer. Gegenstand der Förderung ist die Dachbegrünung von Bestandsgebäuden in verdichteten Berliner Stadtgebieten. Diesbezüglich ist in der Förderrichtlinie (Anlage 1) nach Postleitzahlen ausgewiesen, welche Standorte sich im geografischen Fördergebiet befinden.

Das Förderprogramm GründachPLUS, das ursprünglich als „1000 grüne Dächer“ tituliert wurde, sieht zwei Förderwege vor. Neben der regulären Förderung ist dies das s.g. „Green Roof Lab“. Hierbei sollen innovative und experimentelle Projekte der Dachbegrünung mit besonderer Gemeinwohl-orientierung gefördert werden.

Die zentralen Bestandteile der Förderrichtlinie können der nachfolgenden Auflistung entnommen werden:

Förderprogramm GründachPLUS (Projektträger: IBB Business Team GmbH):

Förderung:                                                                    Reguläre Förderung oder „Green Roof Lab“

Antragsberechtigte:                                                     u.a. Grundeigentümer

Vorgeschriebenes geografisches Fördergebiet:     Ja siehe Anlage 1 in der Förderrichtlinie

                                                                                       (für Green Roof Lab Ausnahme möglich)

Art der Gebäude:                                                         Bestand

                                                                                        (für Green Roof Lab Ausnahme möglich)

Mindestfläche:                                                             100 m2

Vegetationsschicht:                                                     mind. 10 cm

                                                                                        (bei Green Roof Lab: deutlich über 10 cm)

Art der Finanzierung:                                                  Projektfinanzierung, Anteilsfinanzierung

Förderhöhe:                                                                 75 Prozent der förderfähigen Kosten

                                                                                       max. 60.000 Euro pro Gebäude

                                                                                       max. 60 Euro pro m2

                                                                                       bei Green Roof Lab bis zu 100 Prozent

Förderung der Planungskosten:                               50 Prozent, max. 10.000 Euro

Ende der Antragsfrist:                                                31. Dezember 2022

                                                                                       (Bearbeitung ab 01.November 2019)

Zweckbindungsfrist:                                                  10 Jahre ab Fertigstellung

Fertigstellungspflege:                                                 Verpflichtend bis 12 Monate nach Anlage

>> Website GründachPLUS

>> Förderrichtlinie GründachPLUS (unter ursprünglichem Titel 1000 grüne Dächer)

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27. September 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 17. September 2019

Am 17. September 2019 fand unser vierter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Klimarisiken in der Supply Chain managen“ behandelte.

Der Workshop wurde durch einen Vortrag von co2ncept plus eröffnet, der die Klimarisiken entlang globaler Wertschöpfungsketten zusammenfasste. Anhand von Beispielen aus der Praxis wurden den Teilnehmern mögliche Maßnahmen zur klimasicheren Ausgestaltung von Wertschöpfungsketten vorgestellt.

Im Anschluss erfolgte ein kurzer Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop: die Bewertung der erweiterten Fassung des Excel Tools, das Unternehmen beim individuellen Klimarisikomanagement unterstützen soll. Das Tool wurde im Nachgang zum vorangehenden Workshop um zwei neue Reiter „Wasserrisiken“ und „Risiken Logistik“ ergänzt.

Frau Petra Becker (Continental Automotive GmbH) stellte das Cloud-basierte Tool „MSM 12h“ ihres Konzerns vor. Dieses wird zentral gesteuert und soll eine Transparenz in der gesamten Lieferkette des Konzerns schaffen. Etwaige Engpässe eines Lieferanten werden zeitnah in der Cloud erfasst und ermöglichen eine schnelle Reaktion.

Im Anschluss berichtete Frau Ann-Kathrin Zotz (International Trade Center) basierend auf ihren Erfahrungen aus dem Projekt „Climate Expert“ über die speziellen betrieblichen Klimarisiken in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ziel des Projektes ist es, insbesondere KMUs beim Klimarisikomanagement zu unterstützen (z. B. Durchführung einer individuellen Risikoanalyse für den Betriebsstandort, Entwicklung möglicher Anpassungsstrategien).

 

Herr Prof. Dr. André Krischke (Hochschule München) gab in seinem Vortrag Empfehlungen für die einzelnen Schritte des Supply Chain Management-Prozesses und ging auf die steigende Bedeutung des „Internet of Things“ ein (z. B. Risikosimulationen durch GIS).

 

Inwiefern die Unternehmen der Netzwerkteilnehmer von extremwetterbedingten Ausfällen in der Wertschöpfungskette betroffen waren und wie solche vorgebeugt werden, wurde in einer Gruppenübung diskutiert. Dabei wurden u.a. Überflutungen, Starkregen und Brände, als Ursachen für Betriebsausfälle und -störungen hervorgehoben.

 

Herr Andreas Maushake (Balluff GmbH) stellte das Lieferantenmanagement seines Unternehmens vor. Mit der sog. „3D-Risikobewertung“ werden Material- und Lieferantenrisiken sowie potentielle Auswirkungen auf den Umsatz der Balluff GmbH betrachtet. Herr Maushake ging in diesem Kontext insbesondere auf den Umgang mit Klimarisiken ein.

Zum Abschluss des Workshops stellte co2ncept plus die Erweiterung des Excel Tools um den Reiter „Lieferkette“ vor.

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18. September 2019

Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ des BMVI

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat am 04. Juli 2019 den Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ vorgestellt. Dieser soll zuverlässige Transportbedingungen am Rhein schaffen und wurde in Kooperation mit den vor Ort betroffenen Unternehmen ausgearbeitet. Die zunehmenden Trockenperioden der letzten Jahre haben Niedrigwasser im Rhein hervorgerufen. Die damit eingeschränkte wirtschaftliche Nutzbarkeit des Rheins führte beispielsweise im Jahr 2018 zu Versorgungsengpässen (z.B. bei Kraft- und Rohstoffen, die oftmals über den Rhein zu Abnahmestellen transportiert werden) für Unternehmen und private Verbraucher.

Kurzfristig soll im Bereich der Informationsbereitstellung die Wasserstands-Vorhersage sowie die digitale Bereitstellung der aktuellen Tiefenstände im Rhein verbessert werden. Zudem ist die Einrichtung des DAS - Basisdienstes Klima & Wasser im Zuge der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) vorgesehen.

Die Entwicklung und der Ausbau einer Flotte von niedrigwassergeeigneten Schiffstypen sowie von modernen „Leichtersystemen“ (flacher Schiffstyp mit geringem Tiefgang) sollen kurz- bis mittelfristig die benötigten Transportkapazitäten auch bei Niedrigwasser sicherstellen.

Mittelfristig sollen die Infrastrukturmaßnahmen, die im Bundesverkehrswegeplan 2030 die Abladeoptimierung im Mittel- und Niederrhein betreffen, beschleunigt werden. Dafür schlägt der Aktionsplan die Etablierung neuer gesetzlicher Regelungen „für ausgewählte Vorhaben“ (Vorschalt- und anschließend Maßnahmengesetz) als Ersatz des vorgeschriebenen Planfeststellungsverfahrens vor.

Zudem sollen langfristige Maßnahmen identifiziert werden, die trotz zunehmender Perioden von Trockenheit die wirtschaftliche Nutzbarkeit des Rheins sicherstellen.

>> Aktionsplan „Niedrigwasser Rhein“ des BMVI

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04. September 2019

Das BryoSYSTEM: Klimaanpassung durch eine immergrüne Moos-Fassade

Das Start-up Artificial Ecosystems aus Kaiserslautern hat mit dem BryoSYSTEM ein selbstbegrünendes Bauelement entwickelt, das u.a. zur Lärmein- bzw. Wärmedämmung in Städten genutzt werden kann. Dieses kann als vorgefertigtes Modul vertikal zur Begrünung von Industrie- und Lagerhallen, als Luftfilter am Straßenrand oder an Fassaden von Wohngebäuden angebracht werden.

Die Gründer verwenden Moose, da sie diese als besonders klimaresistent ansehen und Moose ihre Nährstoffe (bspw. CO2) direkt aus der Luft filtern. Dementsprechend lassen sich nach Ansicht der Gründer u.a. folgende Potentiale für ungenutzte Flächen an Gebäuden ableiten:

  • Luftfilter: Bildung von Sauerstoff und Bindung von CO2, NOx und Feinstaub

  • Dämmung von Gebäuden: Kühlung im Sommer und Wärmedämmung im Winter

  • Niederschlagsbindung: Modul als Wasserpuffer durch

  • Lärmdämmung: Verminderung der Lärmbelastung durch Vertikalbegrünung

 

Die Moose müssen zu Beginn nicht gepflanzt werden. Vielmehr sollen das verwendete Substrat und die Oberflächenstruktur des Bauelements eine selbstständige Ansiedlung des Mooses durch Sporen in der Luft ermöglichen. Nach erfolgter Selbstbegrünung (keine Zeitangabe) soll die vertikale Moosfläche ganzjährig grün wirken und für den Kunden wartungsfrei sein. Verschiedene Sensoren überwachen die unterschiedlichen Umweltparameter (z.B. Feuchtigkeit). Die Firma Artifical Ecosystems ist aktuell auf der Suche nach Kooperationspartnern für Pilotprojekte.

>> Website von Artifical Ecosystems

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23. August 2019

WWF-Bericht „Risiko Dürre: Der weltweite Durst nach Wasser in Zeiten der Klimakrise“

Im WWF-Bericht vom 22. August 2019 wird das Dürrerisiko beispielsweise für Kraftwerksstandorte, Städte und landwirtschaftliche Anbaugebiete weltweit analysiert. Die Untersuchung basiert auf einer Auswertung externen Datenquellen und der Verwendung des WWF Water Risk Filters (siehe auch Blog-Beitrag vom 18. April 2019). Das Dürrerisiko wird im Bericht in Form von verschiedenen Indikatoren, wie beispielsweise dem Wassermangel, dem Grundwasserstress oder den projizierten Änderungen im Auftreten von Dürren, abgebildet.

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit 370 Millionen Menschen in Dürrerisikogebieten leben und 55 Millionen Menschen jährlich direkt von einer Dürre betroffen sind. Die Landwirtschaft ist als Wirtschaftszweig, nach Ansicht des Berichtes, am stärksten durch das Dürrerisiko beeinflusst. So erfolgt beispielsweise 22 Prozent der weltweiten Weizenproduktion (entspricht jährlich ca. 124 Millionen Tonnen) in Dürrerisikogebieten statt.

Auch die Energieversorgung ist dem Risiko Dürre ausgesetzt. Bei der nuklearen bzw. fossilen Energieproduktion wird Wasser benötigt, um unter anderem Kraftwerke zu kühlen oder Rohstoffe über Wasserstraßen zu transportieren. Bei Wasserkraftwerken dient das verfügbare Wasser als Antrieb für die Turbinen und damit als Quelle der Energieproduktion. Im Falle einer extremen Trockenheit steht nicht ausreichend Wasserkapazität für die Energieproduktion zur Verfügung.

Der Bericht des WWF konstatiert, dass global 49 Prozent der Wärmekraftwerkskapazität (insb. Kohle, Atomkraft, Erdgas) mit einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko konfrontiert sind. Insgesamt fünf Prozent der globalen Wasserkraftkapazität sind von einem derartigen Risiko betroffen.

In Europa identifiziert der Bericht des WWF ein Dürrerisiko in der Energieproduktion auch für Deutschland. Hier sind vier Kohle- und jeweils ein Gas- bzw. Wasserkraftwerk in Brandenburg vom Risiko „Dürre“ in hohem Maße betroffen. In Frankreich befinden sich unter anderem vier Atomkraftwerke und in Spanien sogar über die Hälfte aller Kraftwerke an Standorten mit einem hohen bis sehr hohen Dürrerisiko.

Der WWF richtet als Konsequenz dieses Berichtes Forderungen an Politik, Unternehmen, Finanzwirtschaft und Verbraucher. Diese umfassen beispielsweise die Einordnung des Süßwasserschutzes als zusätzlichen Schwerpunkt der Klimaanpassung, die ambitioniertere Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Bereich des Gewässerschutzes oder ein nachhaltiges Wassermanagement für Unternehmen.

>> WWF-Bericht: „Risiko Dürre: Der weltweite Durst nach Wasser in Zeiten der Klimakrise“

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09. August 2019

EBA-Forschungsbericht zur Klimaanpassung von Regelwerken im Bahnverkehr

Der Bahnbetrieb in Deutschland wird durch eine Vielzahl an Regelwerken, Verordnungen und Normen reguliert. Das Richtlinienwesen der Deutschen Bahn oder die Bestimmungen des Deutschen Instituts für Normung (DIN) geben beispielsweise die Anforderungen bei der Trassenführung oder die Lebensdauer von Gleisen vor. Der Forschungsbericht des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), der am 08. März 2019 veröffentlicht wurde, identifiziert den Anpassungsbedarf der bestehenden Regelwerke im Bahnbetrieb aufgrund der Einflüsse des Klimawandels.

Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein hoher Anpassungsbedarf in den bestehenden Regelwerken existiert. Verstärkte Extremwitterung führt nach Ansicht der Autoren beispielsweise zu einer größeren Abnutzung der verbauten Materialien (bspw. Gleise oder Oberleitungen). Diese direkten Auswirkungen des Klimawandels müssen in den entsprechenden Regelwerken und Normen berücksichtigt werden. Ferner müssen die Standards der Materialbeschaffenheit oder die Wartungsintervalle aktualisiert werden. Insbesondere im Bereich der Tragsicherheit der Bahninfrastruktur werden 120 hohe Anpassungsbedarfe in den entsprechenden Regelwerken durch den Forschungsbericht identifiziert.

>> EBA-Forschungsbericht

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08. August 2019

Kostenbilanz Extremwetter bedingter Schadensereignisse im Bahnverkehr

Extreme Wetterereignisse wirken sich jährlich auf den Bahnbetrieb in Deutschland aus und stellen einen zunehmenden Kostenfaktor dar. Die DB Netz AG beziffert den Aufwand für die Schadensbeseitigung im Zuge von Wetterextremen für die Geschäftsjahre 2010 bis 2019 (inkl. Mai) auf 294,7 Millionen Euro.

Zusätzlich sei ein Umsatzausfall in Höhe von 46,5 Millionen Euro für diesen Zeitraum zu verzeichnen. Die Gesamtschadensbilanz für die Deutsche Bahn AG beträgt somit 341,2 Millionen Euro für die vergangenen zehn Jahre.

Als folgenreichstes Einzelereignis in den letzten zehn Jahren erweist sich das Hochwasser von 2013, das nur für die Deutsche Bahn AG einen Gesamtschaden von 67,1 Millionen Euro verursachte.

>> Drucksache 19/11069: Behinderungen bei der Deutschen Bahn AG aufgrund von Wetterereignissen

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29. Juli 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 10. Juli 2019

Am 10. Juli 2019 fand unser dritter Workshop im Rahmen des >>Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Wasserrisikomanagement und klimarobuste Logistik“ behandelte. Der Workshop wurde mit freundlicher Unterstützung des Netzwerkteilnehmers „Mainau GmbH“ im Schloss Mainau am Bodensee abgehalten.

Zu Beginn wurde in einem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer die Aufgabenstellung für den Workshop diskutiert: die Bewertung der Anwendbarkeit des Excel Tools und Vorschläge der Teilnehmer für eine Weiterentwicklung des Tools. Das Tool wird von co2ncept plus entwickelt und verwertet auch Erfahrungen sowie Anregungen der Teilnehmer aus den vorangegangenen Workshops. Der „Climate Risk Detector“ soll die Unternehmen beim individuellen Klimarisikomanagement unterstützen.

Im Anschluss referierte Herr Jan Becker (Arcadis Germany GmbH) über das erfolgreiche Management von Wasserrisiken an betrieblichen Standorten. Er erläuterte unter anderem, wie Wasserrisiken identifiziert werden können, gab Empfehlungen für ein strategisches Wassermanagement und stellte praktische Lösungsansätze für die Reduktion des betrieblichen Wasserrisikos (z.B. in Form des Water Kaizen Blitz) vor.

Daran anknüpfend stellte Herr Dr. Wolfgang Patzwahl (BTW Büro für Technik und Management im

Wein- und Gartenbau) das Wassermanagementsystem VINAQUA vor, das in Trockenperioden die Wasserversorgung für beteiligte Betriebe sichern kann.

In einer Gruppenarbeit sollten die Teilnehmer im Anschluss Wasserrisiken für betriebliche Standorte identifizieren. Dafür haben sie in einer fiktiven Karte Wasserrisiken gemeinsam gesammelt und mögliche betriebliche Anpassungsmaßnahmen diskutiert.

Gudrun Mühlbacher und Dr. Katrin Sedlmeier (Deutscher Wetterdienst) stellten in Ihrem Vortrag aktuelle Klimaprognosen für Deutschland vor. Sie erklärten den Teilnehmern die Verfahrensweisen sowie die Unsicherheiten bei der Erstellung der Prognosen.

Herr Prof. Dr. Benno Rothstein (HTWG Konstanz) ging in seinem Vortrag auf das Management von betrieblichen Klimarisiken beim Schifftransport ein. Am Beispiel des Niedrigwassers zeigte er betriebliche Auswirkungen von extremwetterbedingten Störungen im Schiffsverkehr auf. Ferner erläuterte er mögliche Handlungsoptionen zur Risikominderung, wie die Anpassung der Lagerbestände.

Herr Dr. Andreas Leupold (Alfen Consult GmbH) ging auf extremwetterbedingte Risiken im Bereich der Infrastruktur „Straße“ ein. In diesem Zusammenhang gab er einen Einblick in Schadensbildkategorien (z.B. Blow-Ups als hitzebedingte Schäden) sowie die Berechnung der Gefährdungslage von Straßenabschnitten.

 

Herr Mark Green (Kühne + Nagel (AG & Co.) KG) gab einen Überblick über Klimarisiken in Logistikketten. Er stellte mit RING den Teilnehmern ein Instrument zur Risikovermeidung vor, das vom Disponenten über die Versicherer bis zum Kunden alle Bestandteile der Logistikkette zu einem Informationsnetzwerk verbindet.

Nicht zuletzt stellte co2ncept plus den Teilnehmern in einem Vortrag die Tools AQUEDUCT (Water Risk Atlas), water risk filter (WWF), Clim4energy (Klimaprojektionen für die EU) und CMIP5 (Global Climate Change Viewer) vor. Im Anschluss wurde die Erweiterung des Excel-Tools um die Bereiche „Wasserrisiken“ und „Logistik“ präsentiert.

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16. Juli 2019

Bayern: Auslaufen der staatlichen Beihilfen bei Extremwetterereignissen

In Bayern werden seit dem 01. Juli 2019 bei Extremwetterereignissen keine staatlichen finanziellen Soforthilfen mehr gezahlt, wenn die Schäden hätten versichert werden können. Eine staatliche Unterstützung soll nur noch in Härtefällen bereitgestellt werden. Hierdurch soll vermieden werden, dass bewusst vom Abschluss einer Elementarschadensversicherungen abgesehen und stattdessen auf den Staat vertraut wird.

Unternehmen sowie Privatpersonen sind gefragt, ihren Versicherungsschutz zu überprüfen. Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge sind in Bayern lediglich 34 Prozent und im Bundesdurchschnitt 43 Prozent der Gebäude gegen Elementarschäden versichert.

Schadensereignisse wie das starke Unwetter am Pfingstmontag in Südbayern verdeutlichen den Handlungsbedarf: Laut Versicherungskammer Bayern führte das Gewitter mit Hagel und Starkregen am 10. Juni 2019 zu 37.000 Schadensmeldungen und Schäden in Höhe von 80 Mio. Euro.

Es ist zu erwarten, dass weitere Bundesländer ihre staatliche Unterstützung bei Extremwetterereignissen senken: Im Juni 2017 verständigte sich die Ministerpräsidentenkonferenz darauf, eine staatliche Unterstützung nur noch an Unternehmen oder Personen zu leisten, die sich erfolglos um eine Versicherung bemüht haben oder denen eine Versicherung nur zu wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen angeboten wurde. Sachsen hat eine vergleichbare Regelung bereits 2011 verabschiedet.

 

>> Mitteilung des GDV

​>> Zahlen zur Versicherungsdichte des GDV

>> Pressemitteilung der Versicherungskammer Bayern

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10. Juli 2019

Klimaänderung erhöht das Risiko für Hitzewellen

Ende Juni 2019 meldeten mehrere europäische Länder, darunter Deutschland, Österreich, Spanien, Tschechien die Niederlande und Frankreich neue Hitzerekorde. In Frankreich wurde am 28. Juni 2019 bei Gallargues-le-Monteux bei Nimes eine Rekordtemperatur von 45,9 Grad Celsius gemessen.

Im Rahmen des „World Weather Attribution Projects“, an dem mehrere Forschungseinrichtungen wie die ETH Zürich sowie die University of Oxford mitwirken, wurde die Rekordhitze in Frankreich untersucht. Hierbei wurden Drei-Tages-Durchschnittstemperaturen im Juni 2019 der Stadt Toulouse und Frankreichs mit früheren Perioden verglichen.

Die Analyse kam zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzeperiode wie sie Ende Juni 2019 aufgetreten ist, hat sich durch den Anstieg der globalen Temperatur mindestens um das Fünffache erhöht.

  • Beobachtungen zufolge sei ein deutlicher Anstieg der Temperaturen bei Hitzeperioden zu verzeichnen. Vor 100 Jahren wäre eine Hitzewelle mit der gleichen Jährlichkeit (30 Jahre) um 4 Grad Celsius kühler ausgefallen.

  • Die gesundheitlichen Auswirkungen einer Hitzeperiode werden u. a. durch die Alterung der Bevölkerung, die zunehmende Verstädterung und die Änderung sozialer Gefüge verstärkt.

 

>> Untersuchung

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24. Juni 2019

Beschleunigte Verfahren für Maßnahmen zur Engpassbeseitigung bei Mittel- und Niedrigwasser

Das Niedrigwasser in 2018 hat verdeutlicht, wie die Logistik sowie die deutschen Industrieunternehmen von der Binnenschifffahrt abhängig sind. Mitte Mai 2019 hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einen „Masterplan Binnenschifffahrt“ veröffentlicht. Nach diesem soll u. a. ein Handlungsprogramm verabschiedet werden, das die Zuverlässigkeit des Rheins als Verkehrsträger erhöhen soll. Ferner sollen ausgewählte Maßnahmen des Bundesverkehrswegeplans 2030 mit „vordringlichem Bedarf“ schneller umgesetzt werden. Die beschleunigte Umsetzung soll ermöglich werden, indem das Planfeststellungsverfahren durch ein Maßnahmengesetz ersetzt wird.

Zu den Maßnahmen mit vordringlichem Bedarf zählt beispielsweise das Projekt „Abladeoptimierung am Mittelrhein“. Dieses zielt auf eine Verbesserung der Befahrbarkeit des Mittelrheins bei Niedrig- und Mittelwasser ab und sieht eine Vertiefung der Fahrrinnentiefe von 1,90 auf 2,10 Meter vor. Hierdurch können pro Schiff ca. 210 Tonnen Ladung mehr transportiert werden.

Auf dem Mittelrhein (Mainz bis St. Goar) verkehren jährlich ca. 50.000 Güterschiffe mit insgesamt 60 Mio. t Ladung. Derzeit wird die Transportkapazität der Schiffe an vielen Tagen durch Mittel- und Niedrigwasserstände beeinträchtigt.

>> Masterplan Binnenschifffahrt

​>> Projekt „Abladeoptimierung Rhein“

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05. Juni 2019

CDP-Umfrage zu den finanziellen Auswirklungen des Klimawandels

Das Carbon Disclosure Project (CDP) befragt jährlich Unternehmen zu den Risiken und Chancen des Klimawandels. Im Zuge der Umfrage von 2018 wurden erstmals auch die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken und -chancen abgefragt. Zu den Ergebnissen der Befragung wurde am 04. Juni 2019 der Bericht „Major risk or rosy opportunity – Are companies ready for climate change?“ veröffentlicht.

 

An der Befragung nahmen rund 7.000 Unternehmen teil. Bei der Auswertung wurde ein spezieller Fokus auf die 500 weltweit größten Unternehmen gelegt. Von diesen beteiligten sich 366 Unternehmen an der CDP-Befragung.

 

Als größte Einflussfaktoren auf das Geschäftsergebnis wurden genannt:

  • höhere Betriebskosten aufgrund gestiegener Versicherungsprämien und Compliance-Anforderungen (vor allem steigenden Kosten für den Treibhausgasausstoß)

  • Gewinnverluste durch Produktionsrückgänge infolge von extremwetterbedingten Transportschwierigkeiten oder Supply Chain-Unterbrechungen

  • höhere Betriebskosten z. B. aufgrund von Wassermangel für Wasser-, Kern- oder fossile Kraftwerke

  • Gewinnverluste durch den Nachfragerückgang nach klimaschädlichen Produkten & Dienstleistungen

  • Höhere Kosten infolge von extremwetterbedingten Schäden an Anlagen

 

215 der untersuchten weltweit größten Unternehmen bezifferten die finanziellen Klimarisiken auf mehr als 970 Mrd. US-Dollar. Hiervon werden Kosten in Höhe von 250 Mrd. US-Dollar für Wertminderungen oder Abschreibungen infolge des Wertverlusts bzw. der sinkenden Rentabilität von Geschäften aufgrund von Klimarisiken angenommen. Für mehr als die Hälfte der identifizierten Risiken wurde eine sehr hohe bis hohe Eintrittswahrscheinlichkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre angenommen.

Auf der anderen Seite ergab die Auswertung der Umfrage, dass der Klimawandel auch als Chance begriffen wird. Die finanziellen Auswirkungen der Geschäftschancen wurde von 225 der weltweitgrößten Unternehmen auf 2,1 Billionen US-Dollar geschätzt. Als Chance wird vor allem das Angebot klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen angesehen.

 

>> Studie

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20. Mai 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“– Workshop am 09. Mai 2019

Am 09. Mai 2019 fand unser zweiter Workshop im Rahmen des >> Netzwerks „Klimarisikomanagement 2050“ statt, der das Thema „Klimarobuste Standortgestaltung“ adressierte.

Der Workshop startete mit einem kurzen Erfahrungsaustausch der Teilnehmer zur Aufgabenstellung für den Workshop: der Analyse des Versicherungsschutzes und der bisher eingetretenen Schadensereignisse an den Standorten.

Im Anschluss gab Herr Hein (ISB an der RWTH Aachen) einen Überblick über Schadenspotenziale und Anfälligkeiten an Unternehmensstandorten, mit besonderem Fokus auf die Einflussfaktoren Hitze, Überflutung und Dürren. In diesem Kontext ging er auch auf mögliche Anpassungsmaßnahmen ein.

Daran anknüpfend ging Herr Alexander Küsel (GDV) auf die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Schadenentwicklung durch Wetterextreme ein, wie z. B. die Vulnerabilität, Prävention, angepasste Baunormen und das Verhalten der Menschen. Eine Versicherbarkeit sei auch in der Zukunft gegeben, allerdings werde Versicherungsschutz perspektivisch teuer, so Küsel. Abschließend stellte Herr Küsel die derzeitigen Aktivitäten im Bereich der Anpassung an den Klimawandel in der Normung vor.

Herr Dr. Thomas Egli (Egli Engineering AG) präsentierte eine Vielzahl von Praxisbeispielen zum Schutz vor Starkniederschlag, Hochwasser und Hagel und zeigte auf, wie bei der Planung von Maßnahmen vorgegangen werden sollte. Anschließend stellte Frau Susanne Stühler (MAN Truck and Bus AG) die Brunnenwasseranlage ihres Unternehmens vor, die u. a. dem steigenden Kühlbedarf vorbeugen soll. Sie ging auf den Aufbau der Anlage, die Schritte der Projektrealisierung und die erzielten Einsparungen seit der Inbetriebnahme ein. Herr Jörg Schulz (VZM) gab den Teilnehmern konkrete Empfehlungen für die Erstellung eines Notfallkonzepts und stellte verschiedene Konzepte für die Notstromversorgung und den Wiederanlauf vor.

Herr Dr. Stephan Böse-O’Reilly (Uniklinikum München) zeigte die gesundheitlichen Klimafolgen auf, die mit Wetterextremen und steigender Hitze- und UV-Belastung einhergehen. Hierbei ging er auch auf die Zunahme von Allergien, Atemwegserkrankungen und Infektionskrankheiten ein und gab Empfehlungen, inwieweit Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen können.

Nicht zuletzt stellte co2ncept plus in einem Vortrag den ersten Entwurf des Excel-Tools „Climate Risk Detector“ vor. Das Tool soll gemeinsam mit den Teilnehmern weiterentwickelt werden und Unternehmen beim Klimarisikomanagement unterstützen.

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06. Mai 2019

Risikoanalyse zu Folgen einer mehrjährigen Dürre in Deutschland

Am 12. April 2019 wurde eine Risikoanalyse „Dürre“ veröffentlicht. Die Untersuchung wurde unter Mitwirkung verschiedener Bundesbehörden, des Deutschen Wetterdienstes sowie von Experten aus Ländern und der Wirtschaft erstellt. Ziel der Analyse ist es, eine risiko- und bedarfsorientierte Vorsorgeplanung im Katastrophenschutz zu ermöglichen.

Die Risikoanalyse fußt auf einem sog. „reasonable worst case“ eines sechs Jahre andauernden Dürreszenarios: Als Basis für das Szenario dienen meteorologische und hydrologische Daten der Dürre in Deutschland von 1971 bis 1976. Um der Klimaänderung Rechnung zu tragen, wurden für das Szenario die Niederschlagsmengen gegenüber dem Referenzzeitraum um 25 Prozent reduziert und die mittlere Temperatur um ein Grad Celsius erhöht.

Im Falle des Eintretens des skizzierten Szenarios sind gemäß der Analyse u. a. folgende Auswirkungen zu erwarten:

Verkehr und Wirtschaft

  • Einschränkungen und teilweise Einstellung der Binnenschifffahrt

  • Verspätungen / Ausfälle beim Gütertransport

  • Produktverteuerungen bei Lieferengpässen

 

Energieversorgung

  • Reduzierung der Leistung thermischer Kraftwerke, die mit Flusswasser gekühlt werden

  • Verschärfung der Stromversorgungssituation: Drosselung vs. erhöhter Strombedarf aufgrund steigenden Kühlbedarfs und der Transportverlagerung auf die Schiene bei Niedrigwasser

 

Trinkwasserversorgung

  • Beschränkungen bei der Wasserverwendung

  • Ausfall der leitungsgebundenen Trinkwasserversorgung (v. a. in Gebieten mit Nutzungskonkurrenzen wie z. B. Lüneburger Heide und Ostdeutschland)

 

Darüber hinaus sind negative Folgen im Gesundheitssystem (erhöhtes Patientenaufkommen in Arztpraxen, Krankenhäusern), der Umwelt (z. B. erhöhtes Waldbrandrisiko, reduziertes Pflanzenwachstum) und dem Ernährungssektor (z. B. Ernteverluste) zu erwarten.

In der Analyse werden mögliche Maßnahmen zur Risikominderung genannt, wie z. B. im Verkehrssektor die Bereitstellung eines dichten, redundanten Infrastrukturangebots für alternative Transportrouten und im Energiesektor die Nutzung alternativer, abflussunabhängiger Kühlverfahren. Unternehmen wird empfohlen, Reservekapazitäten im Bereich Rohstoffe und Vorprodukte aufzubauen, auf mehrere Lieferanten zu setzen und ihre Routenplanungen auf Systemstörungen durch eine Dürre zu prüfen.

 

>> Pressemitteilung des BBK

>> Risikoanalyse

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18. April 2019

Water Risk Filter – Wasserrisiken identifizieren

Der Water Risk Filter ist ein Online-Tool, mit dem Unternehmen wasserbezogene Risiken an ihren Standorten, den Standorten ihrer Zulieferer oder in den Ländern, aus welchen sie Rohstoffe beziehen, identifizieren können.

Auf einer digitalen Karte lassen sich sowohl auf globaler als auch auf Länderebene 32 Risikoindikatoren einblenden. Hierzu zählen Indikatoren wie Trockenheit, Wassermangel, Wasserstress, der Zugang zu Trinkwasser oder physische und regulatorische Risiken. Auch in die Zukunft gerichtete Indikatoren wie z. B. projizierte Änderungen im Hinblick auf die Häufigkeit von Dürren oder Überflutungen können abgebildet werden. Das jeweilige Risikoausmaß wird über eine Farbskala von rot bis grün dargestellt.

Darüber hinaus können in dem Tool Profile von mehr als 120 Ländern abgerufen werden. Diese enthalten detaillierte Informationen z. B. zu den jeweiligen Wasserressourcen, dem -verbrauch, der -qualität oder den wasserbezogenen politischen oder regulatorischen Rahmenbedingungen. Ferner besteht die Möglichkeit, die indikatorbezogene Risikoexposition eines Landes im Ländervergleich aufzuzeigen.

Des Weiteren umfasst der Water Risk Filter eine umfangreiche Liste mit Publikationen rund um die Wasserthematik.

Das Tool wurde bereits 2012 vom WWF und der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) entwickelt. Vor Kurzem wurde ein Upgrade des Tools (Version 5.0) vorgenommen.

 

>> Water Risk Filter

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09. April 2019

DWD veröffentlicht neue Dürreprognose

Ende März 2019 hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) ein neues Informationsangebot vorgestellt: Eine Langfristvorhersage der Bodenfeuchte, die sechs Wochen in die Zukunft reicht. Diese soll landwirtschaftliche Betriebe künftig über eine mögliche Dürregefahr informieren und dazu beitragen, Ernteausfälle zu vermeiden. Das Prognosetool soll nach einer Prüfphase so schnell wie möglich bereitgestellt werden.  

Die DWD-Dürreprognose basiert auf Vorhersagen der Bodenfeuchte. Diese beschreibt, wie viel Wasser im Boden gespeichert wird. Ist ein Boden mit Wasser gesättigt, kann eine längere Trockenphase überstanden werden. Die Bodenfeuchte ist eine Speichergröße, die sich nur langsam verändert und daher gut für eine langfristige Vorhersage geeignet ist.

Laut DWD werden Wetterextreme wie die Dürre in 2018 künftig häufiger auftreten. In 2018 lag die Niederschlagsmenge im Flächenmittel bei 586 Litern pro Quadratmeter (= 200 Liter bzw. 26 Prozent unter dem Durchschnitt). Damit war 2018 das vierttrockenste Jahr seit 1881. Vor allem die Monate April bis November waren von starker Trockenheit geprägt. Dies führte zu zahlreichen Ernteausfällen und wirtschaftlichen Schäden. Die Erträge bei Getreide lagen 16 Prozent und dem Mittel der drei Vorjahre. Einige landwirtschaftliche Betriebe sind durch die Dürre in existenzielle Not geraten. Das Schadensausmaß für diese Betriebe wird auf 770 Mio. Euro geschätzt.

 

>> Pressemitteilung des DWD

​>> Zahlen zu den Schäden der Dürre 2018

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26. März 2019

Leitfaden für Klimarisikomanagement im Handwerk

Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz hat einen Leitfaden für das Klimarisikomanagement im Handwerk veröffentlicht. Anhand von sieben Fallbeispielen werden mögliche Risiken und Chancen des Klimawandels für Handwerkbetriebe vorgestellt und entsprechende Strategien abgeleitet.

Die Betriebe in den Fallbeispielen stammen aus verschiedensten Handwerksbranchen und umfassen u. a. eine Malerei, ein Bauunternehmen, einen Steinmetzbetrieb, einen Dachdeckerbetrieb, einen Heizungsbauer sowie einen Raumausstatter.

Als wesentliche Klimarisiken wurden u. a. Kostensteigerungen (z. B. infolge von Rohstoff- und Lieferengpässe bei landwirtschaftlichen Produkten oder steigende Versicherungskosten), Beeinträchtigungen der Mitarbeiter (z. B. erhöhtes Unfallrisiko bei Wetterwechseln, Hitze- und UV-Belastung) und der Materialverarbeitung (z. B. bei hohen Temperaturen) identifiziert. Zu den Chancen zählen u. a. eine längere Arbeitssaison aufgrund milderer Winter sowie die Erschließung neuer Produkte und Dienstleistungen (z. B. Kühlsysteme, Reparaturen nach Wetterextremen).

Die strategischen Empfehlungen umfassen u. a. Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheits- und Arbeitsschutzes (z. B. Mitarbeiterschulungen, optimierte Arbeitskleidung, Etablierung eines Getränkebeauftragten), eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten (z. B. Verlagerung der Arbeit in die frühen Morgenstunden in Hitzeperioden) sowie bauliche Maßnahmen (z. B. Sturmsicherung der Gerüste).

 

>> Leitfaden

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14. März 2019

Netzwerk “Klimarisikomanagement 2050” startet mit kickoff in Praxisphase

Am 13. März 2019 startete das >> Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ mit einem kickoff-Workshop in die Praxisphase. Zur Einführung in die Thematik wurde von co2ncept plus in einem ausführlichen Vortrag anhand von Zahlen und Fakten das Schadenspotential von Klimarisiken verdeutlicht und ein Überblick über die verschiedenen Regularien zu Klimaschutz und Klimaanpassung gegeben.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer vermittelte Herr Prof. Dr. Däubel (Hochschule München) die Basics zum Thema Risikomanagement. Er stellte die einzelnen Schritte des Risikomanagementprozesses sowie verschiedene Risikoarten vor und ging auf verschiedene Techniken zur Identifizierung und Bewertung von Risiken ein. Im Anschluss sammelten die Netzwerkteilnehmer gemeinsam mögliche Klimarisiken entlang der Supply Chain und diskutierten, wo diese in einer Risikomatrix entsprechend ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und des Schadensausmaßes platziert werden sollten.

Herr Dr. Schimetschek (Munich RE) führte mit einer Live-Demo das Risikoanalysetool „NATHAN RiskSuite“ der Munich RE vor. Hierbei wurde für ausgewählte Standorte der Netzwerkteilnehmer eine Risikoanalyse durchgeführt. Herr Feldhütter (Munich RE) zeigte auf, inwieweit sich extremwetterbedingte Produktionsausfälle mit einer Betriebsunterbrechungsversicherung versichern lassen und was es hierbei zu beachten gilt.

Abschließend gab Herr Jahn-Kozma (KUKA AG) den Teilnehmern praktische Empfehlungen für den Aufbau ihres Klimarisikomanagementsystems. Er stellte vor, wie das Risikomanagementsystem der KUKA AG aufgebaut ist, welche Klimarisiken betrachtet und wie diese gemanagt werden.

Am Netzwerk nehmen insgesamt 13 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen (u. a. Automobil-, Pharma- und Textilindustrie, Facility Management, Tourismus, Mobilität und Logistik) teil. Der nächste Workshop findet am 09. Mai 2019 statt.

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28. Februar 2019

Global Risk Report 2019: Wetterextreme und Klimarisiken unter den TOP 10-Risiken

Mitte Januar 2019 hat das Weltwirtschaftsforum seinen jährlichen „Global Risk Report“ veröffentlicht. Zum dritten Mal in Folge dominieren Umwelt- und Klimarisiken das Ranking der weltweit größten Risiken: Fünf der zehn größten globalen Risiken sind dem Umwelt- und Klimabereich zuzuordnen.

Sowohl Wetterextreme als auch Naturgefahren werden als Risiken mit einer besonders hohen Eintrittswahrscheinlichkeit und einem hohen Schadensausmaß eingeschätzt. Verfehlungen im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung belegen Rang zwei der weltweit größten Risiken. Als besonders gefährlich stuften die Befragten die Kombination aus Wetterextremen und mangelnden Klimaschutz- und -anpassungsaktivitäten ein.

Risiken wie Wetterextreme werden künftig häufiger und intensiver auftreten, so der Bericht. Über die globalen Wertschöpfungsketten werden sich die Auswirkungen verstärken – zugleich wird die Resilienz sinken, warnt der Bericht. Seit 2012 sind Produktions- und Lieferunterbrechungen aufgrund von Naturgefahren um nahezu ein Drittel angestiegen. Nordamerika sei die Region, die 2017 am stärksten von Supply Chain-Unterbrechungen getroffen war. Diese waren vor allem auf Hurrikans und Waldbrände zurückzuführen. Die Ereignisse, die 2017 in der Automobilindustrie zu den umfangreichsten Lieferantenausfällen geführt hatten, waren Hurrikans, Extremwetterereignisse, Erdbeben und Überflutungen.

Der Global Risk Report basiert auf einer Befragung von rund 1.000 Entscheidungsträgern aus dem öffentlichen und privaten Sektor sowie aus Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft.

 

>> Global Risk Report

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12. Februar 2019

Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“ startet – kickoff am 13. März 2019

Am 13. März 2019 starten wir mit unserem kickoff-Workshop „Klima erfolgreich managen – Risiken minimieren“ in unser >> Netzwerk „Klimarisikomanagement 2050“.

Im Rahmen des kickoffs stellen wir den Netzwerkteilnehmern verschiedene Techniken zur Identifizierung und Bewertung von Klimarisiken vor und wenden diese praktisch an. In diesem Kontext diskutieren wir auch über mögliche Ansätze zur Bewältigung von Klimarisiken.

In einer Live-Demo nehmen wir ausgewählte Standorte der Netzwerkteilnehmer unter die Lupe und analysieren, inwieweit diese Naturgefahren ausgesetzt sind.

Des Weiteren diskutieren wir darüber, wie Klimarisiken – und insbesondere resultierende Betriebsunterbrechungen – versichert werden können.

Abgerundet wird der kickoff durch ein Best-Practice-Beispiel, das aufzeigt, wie Klimarisiken in der Praxis angegangen werden können.

Wir freuen uns auf fachliche Inputs von u. a. Herrn Prof. Dr. Markus Däubel (Hochschule für Angewandte Wissenschaften München) sowie Herrn Dr. Jürgen Schimetschek und Herrn Stefan Feldhütter (MunichRE).

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01. Februar 2019

Investoren fordern Fast-Food-Unternehmen zu Reaktion auf Klima- und Wasserrisiken in der Supply Chain auf

Eine Gruppe von mehr als 80 Investoren hat diverse Fastfoodketten wie McDonalds, Burger King, KFC und Pizza Hut aufgefordert, Klima- und Wasserrisiken in ihren Lieferketten gezielt zu adressieren. Bis März 2019 sollen diese einen Aktionsplan vorlegen, der den künftigen Umgang mit diesen Risiken skizziert. Im Fokus stehen die Treibhausgasemissionen und der Frischwasserverbrauch, die mit der Milch- und Fleischproduktion einhergehen.

Die Fast-Food-Unternehmen werden angehalten folgende Maßnahmen zu ergreifen:

  • Erstellung einer Lieferantenpolitik, die die Lieferanten verpflichtet, über ihre Treibhausgasemissionen und den Frischwasserverbrauch zu berichten und diese(n) zu mindern

  • Veröffentlichung eigener quantitativer Ziele für die Minderung von Emissionen und Frischwasserverbrauch in den Lieferketten

  • Jährliche Berichterstattung über die Fortschritte bei der Zielerreichung

  • Durchführung einer Klimaszenarioanalyse entsprechend der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures

 

Laut der Investoren können die Unternehmen durch die geforderten Maßnahmen zukünftige Marktrisiken, die sich durch den globalen Temperaturanstieg und Wasserknappheit ergeben können, mindern. Die Investoren verwalten ein Vermögen von 6,5 Billionen US-Dollar.

Die Initiative wurde von der Non-Profit-Organisation Ceres und der Initiative Farm Animal Investment Risk and Return (FAIRR) unterstützt.

 

>> Homepage der FAIRR Initiative

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23. Januar 2019

Munich Re veröffentlicht Schadenbilanz 2018

Anhand der jährlich erscheinenden Schadensbilanz informiert die Munich Re im globalen Vergleich über Naturkatastrophen und damit verbundene finanzielle Schäden. So sollen notwendige Präventionsmaßnahmen frühzeitig erkannt werden.

Laut Munich Re war 2018 das viertteuerste Jahr seit Beginn der systematischen Erfassung 1980. So betrugen die durch Naturkatastrophen verursachten Gesamtschäden 160 Mrd. US-Dollar. Davon waren 80 Mrd. US-Dollar durch Versicherungen gedeckt. Beide Werte liegen damit über dem inflationsbereinigten Durchschnitt der letzten 30 Jahre (140 Mrd. bzw. 41 Mrd. US-Dollar), blieben aber unter den Werten des Rekordschadenjahres 2017. Weltweit verloren 2018 10.400 Menschen ihr Leben durch Naturkatastrophen. Dies stellt einen Rückgang um 53.000 Todesfälle im Vergleich zum 30-Jahres-Durchschnitt dar.

Insgesamt erfasste die Munich Re für das Jahr 2018 850 Katastrophenereignisse. Im globalen Vergleich waren Asien (43 Prozent) und Nordamerika (20 Prozent) am meisten betroffen. Am dritthäufigsten erlitt der europäische Kontinent (14 Prozent) naturbedingte Schäden. Die größten Schäden entstanden im zweiten Halbjahr durch Überschwemmungen, Waldbrände sowie tropische Wirbelstürme. Laut Munich Re werden diese Phänomene auch in Zukunft bestimmend sein.

Generell offenbarte die diesjährige Schadenbilanz einen signifikanten Anstieg von Waldbränden in den USA. Auch eine Häufung von frühen und sehr heißen Sommermonaten wurde festgestellt. Beides wird auf den voranschreitenden Klimawandel zurückgeführt. Die klare Mehrheit der Ereignisse wurde dabei als Kleinstschaden (60 Prozent) erfasst. Für die genannten Entwicklungen empfiehlt Munich Re eine zeitnahe Anpassung des globalen Risikomanagements.

>> Munich Re Schadenbilanz 2018

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16. Januar 2019

Klimawandel beeinflusst deutschen Außenhandel

Das Umweltbundesamt (UBA) hat erste Ergebnisse seines Forschungsprojekts ImpactCHAIN (Laufzeit bis 2020) veröffentlicht. Im Rahmen des Projekts soll eruiert werden, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den deutschen Außenhandel hat. Im Jahr 2017 hatte Deutschland einen Welthandelsanteil von 7,1 Prozent (Nr. 1 China, 11,5 Prozent) und war drittgrößter Warenexporteur- und importeur nach China und den USA.

Laut UBA ist der Außenhandel Deutschlands relativ klimaresilient. Unter den zehn wichtigsten Handelspartnern der Bundesrepublik befinden sich acht europäische Staaten sowie die USA und China. Neun dieser Länder gelten laut ND-GAIN Country Index als weniger anfällig für Klimaschäden. Berücksichtigt werden hierbei unter anderem die geographische Lage sowie vorhandene Staatsressourcen zur Schadensbegrenzung und -prävention von Klimaereignissen. Einzige Ausnahme unter den Top Ten bildet nach Angaben des UBA China. Hier werden klimabedingte Komplikationen vor allem entlang handelswichtiger Flussrouten erwartet.

Insgesamt verteilen sich nach Angaben des UBA nur sechs Prozent (55 Mrd. Euro) deutscher Importe und vier Prozent (ca. 50 Mrd. Euro) deutscher Exporte auf zwölf als klimavulnerabel definierte Länder (u.a. Brasilien, Indien, Vietnam).  

Kostenrisiken für den deutschen Importhandel sieht das UBA primär in der preissteigernden Verknappung sowie Qualitätsminderung durch Lieferkettenstörungen. Zudem werde man sich vermehrt einer geringen Planungssicherheit durch Schäden an Informations- und Kommunikationstechnologien stellen müssen. Entscheidende Risiken für Exportländer entstünden durch mangelndes Wachstum der klimavulnerablen Staaten sowie kostenbindende Klimaanpassungmaßnahmen. Dadurch reduziere sich auch die Kaufkraft der Bevölkerung.

Ökonomische Chancen bestünden hingegen in der steigenden globalen Nachfrage nach klimafreundlichen Konsumgütern und emissionsmindernden Investitionsmöglichkeiten. Auch der Markt für Güter zur Klimaanpassung und Schadensbekämpfung soll zukünftig erstarken, so das UBA.

>> Studie UBA

>> Bericht Bundeswirtschaftsministerium

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10. Januar 2019

Recyceltes Kupfer senkt CO2-Emissionen

Kupfer kann primär aus Erzen oder im Rahmen der Sekundärproduktion durch Recycling gewonnen werden. Laut aktuellen Zahlen der International Copper Study Group (ICSG) wird die weltweite Kupfernachfrage bereits zu einem Drittel (33,8 Prozent) durch Recycling gedeckt.

In Europa sind es laut ICSG sogar rund 50 Prozent. In Deutschland stammen nach Angaben des Deutschen Kupferinstituts zu Folge bereits mehr als 50 Prozent des national hergestellten Kupfers aus Recylingmaterial – würde zusätzlich die Rückführung von langlebigen Kupferprodukten berücksichtigt, erhöhe sich der Wert in der Bundesrepublik sogar auf 80 Prozent.

Kupfer kann im Gegensatz zu anderen Elementen unbegrenzt in gleichbleibender Qualität wiederverwertet werden. Steigende Recyclingraten tragen dabei gleichermaßen zu einer höheren Kosteneffizienz und zu mehr Umweltschutz bei.

So benötigt laut Deutschem Kupferinstitut die Kupferproduktion aus Sekundärstoffen 20 Prozent weniger Energie als die primäre Kupfergewinnung aus Erzen. Insgesamt werden durch Kupferrecycling laut ISCG global bereits jährlich 100 Millionen MWh Strom und 40 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Zudem können oftmals lange Transportwege und durch Minenabbau bedingte Umweltschäden vermieden werden.

 

Die genannten Punkte sind entscheidend, wenn man bedenkt, dass der globale Kupferbedarf laut Fitch Solutions von 23,6 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr bis 2027 auf bis zu 29,8 Millionen Tonnen ansteigen soll. Jährlich wird dabei ein Wachstum um 2,6 Prozent erwartet. Allein im Rahmen der Energiewende herrscht in Deutschland ein hoher Kupferbedarf. So werden zum Aufbau von Windkraftanlagen an der Nord- und Ostseeküste gemäß Arubis AG pro Windrad bis zu 30 Tonnen endverarbeiteten Kupfers eingesetzt.

>> Pressemitteilung ICSG vom 21. Januar 2019

>> World Factbook ICSG

>> Bericht Deutsches Kupferinstitut

>> Pressemitteilung Mining Global vom 07. Januar 2019

>> Bericht Arubis AG via METALLE PRO KLIMA

19. Dezember 2018

Globaler Klima-Risiko-Index 2019 veröffentlicht

Anfang Dezember 2018 hat Germanwatch e. V. seinen jährlichen „Globalen Klima-Risiko-Index“ publiziert. Dieser zeigt auf, wie stark die einzelnen Staaten durch Wetterextreme getroffen wurden. Neben den ökonomischen Schäden werden auch jeweils die humanitären Auswirkungen analysiert.

Der Index beleuchtet zum Einen die Schäden in 2017. Zu den zehn am stärksten betroffenen Ländern zählten Puerto Rico, Sri Lanka, Dominica, Nepal, Peru, Vietnam, Madagaskar, Sierra Leone, Bangladesch und Thailand. Deutschland lag mit Schäden in Höhe von 3,6 Mrd. US-Dollar auf Rang 40.

Zudem werden in dem Index die weltweiten Schäden über den Zeitraum 1998 bis 2017 betrachtet. In den letzten 20 Jahren verursachten Wetterextreme Schäden in Höhe von 4,5 Billionen US-Dollar. Deutschland liegt bei der Betrachtung der Jahre 1998 bis 2017 auf Rang 25.

Die wichtigsten Handelspartner der deutschen Wirtschaft belegen folgende Ränge:

  • USA: Rang 27

  • Frankreich: 18

  • China: Rang 37

  • Großbritannien: Rang 60

  • Niederlande: Rang 71

  • Italien: Rang 28

  • Österreich: Rang 51

  • Polen: Rang 72

 

Als Datenbasis fungieren die NatCatSERVICE-Datenbank der Munich RE sowie Demographie- und Wirtschaftsdaten des Internationalen Währungsfonds.

 

>> Englische Langfassung

>> Deutsche Zusammenfassung

05. Dezember 2018

Seminar "Betriebliches Klimarisikomanagement: Fokus Lieferkette & Logistik" - 22. Januar 2019

Durch die steigende globale Arbeitsteilung werden Lieferketten immer komplexer. Extremwetterbedingte Ausfälle wichtiger Lieferanten oder Störungen in der Logistikkette können zu Produktionsunterbrechungen und damit einhergehend zu hohen Umsatzverlusten führen.

 

Im Rahmen unseres Seminars am 22. Januar 2019 zeigen wir auf, welche Staaten besonders häufig und schwer von Wetterextremen getroffen werden und wie sich Klimarisiken über den Außenhandel auf Unternehmen auswirken können. Zudem erhalten Sie Handlungsempfehlungen für die Visualisierung Ihrer Supply Chain und die Bewertung und Priorisierung von lieferantenbezogenen Risiken. Abgerundet wird das Seminar durch ein Best-Practice-Beispiel, welches aufzeigt, wie ein Supply Chain Management in der Praxis gelingen kann

 

Das Seminar ist das vierte und damit letzte Seminar unserer >> Veranstaltungsreihe „Klimarisiken verstehen & begrenzen“

 

Als Referenten erwarten Sie Herr Tobias Grimm (Munich Re), Herr Dr. Albert Hans Baur (sustainable AG), Frau Madeleine Guyer (INFRAS) sowie Frau Katja Freyberger (Daimler AG).

 

>> Weiterführende Informationen

 

27. November 2018

BASF diskutiert Ideen für eine klimarobuste Logistik

Am Werk Ludwigshafen der BASF SE werden rund 40 Prozent der ein- und ausgehenden Güter über Binnenschiffe transportiert. Aufgrund des Niedrigwassers des Rheins musste das Unternehmen seine Transporte zum Teil auf die Schiene und die Straße verlagern. Dies hat zu höheren Transportkosten geführt. Für den Ersatz eines Binnenschiffs sind 80 Bahnkesselwagen oder 160 Lkws erforderlich.

Neben der Anpassung der Logistik musste die BASF SE ihre Produktion drosseln (siehe Blogbeitrag vom 23. August 2018). Beides hat zu Verlusten in Millionenhöhe geführt.

Vor diesem Hintergrund werden nun Maßnahmen für eine klimarobuste Gestaltung der Logistik diskutiert. Zur Debatte steht unter anderem der Ankauf einer eigenen Flotte aus Flachbodenschiffen. Auch über den Einsatz von Tragflächen- oder Luftkissenbooten wird diskutiert.

Darüber hinaus sollen die Lagerkapazitäten aufgestockt werden, sodass zwei Monate mit Niedrigwasser ohne größere Produktionseinschränkungen überbrückt werden können. Zu den weiteren diskutierten Maßnahmen zählen die Vertiefung der Fahrrinne oder das Verlegen einer Pipeline im Flussbett des Rheins.

 

>> Interview mit dem Werksleiter der BASF SE

>> Presseinformation der BASF SE zum 3. Quartal 2018

16. November 2018

Schwache Windverhältnisse und Niedrigwasser beeinträchtigen Geschäftsergebnis der EnBW

Die derzeit niedrigen Flusspegelstände sowie die schwachen Windverhältnisse wirken sich negativ auf das Geschäftsergebnis der EnBW aus: Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens wurde in den ersten neun Monaten des Jahres im Erneuerbaren-Energien-Segment ein Gewinn von 215,6 Mio. Euro erzielt. Dies entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Vor allem der Ertrag der Offshore-Windenergieanlagen sei niedriger ausgefallen als erwartet. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 seien die Windgeschwindigkeiten deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt gelegen. Die Ertragsverluste konnten nicht durch die neu in Betrieb genommenen Windparks auf dem Land und die höhere Stromproduktion der Wasserkraftwerke im Frühjahr 2018 aufgefangen werden, so die Pressemitteilung.

Aufgrund der weiterhin niedrigen Flusspegelstände wird auch für das vierte Quartal mit einem geringeren Ertrag der Laufwasserkraftwerke gerechnet.

Vor diesem Hintergrund wurde die Ergebnisprognose für 2018 angepasst: Für das Erneuerbare-Energien-Segment wird nun ein Ergebnis zwischen -10 bis +5 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert. Ursprünglich wurde ein Gewinn zwischen 10 und 20 Prozent gegenüber 2017 erwartet.

 

>> Pressemitteilung der EnBW vom 12. November 2018

09. November 2018

Niedrigwasser im Rhein führt zu Engpässen an Tankstellen

Aufgrund des trockenheitsbedingten niedrigen Pegelstands des Mittel- und Oberrheins ist die Binnenschifffahrt seit Wochen stark eingeschränkt. Mitunter können Tankschiffe nicht mehr mit voller Ladung fahren, was dazu führt, dass weniger Kraftstoffe von den Raffinerien zu den Tanklagern transportiert werden können. Die Engpässe machen sich vor allem an Tankstellen bemerkbar.

Laut einer Pressemitteilung des Mineralölwirtschaftsverbandes e. V. (MWV) können die Binnenschifftransporte nur in begrenztem Maße auf die Straße oder Schiene verlagert werden. Zudem führe die Verlagerung der Transporte zu höheren Transportpreisen, die sich auch auf die Kraftstoffpreise auswirken, so der Verband.

Zur Schließung der Versorgungslücke hat das Bundeswirtschaftsministerium am 24. Oktober 2018 den Erdölbevorratungsverband angewiesen, rund 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Dieselkraftstoff und 56.000 Tonnen Kerosin freizugeben. Die Freigabe ist auf Tanklager in Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie auf die Regierungsbezirke Köln und Unterfranken begrenzt.

Gemäß einer Pressemitteilung des Erdölbevorratungsverbandes vom 09. November 2018 wurde ein großer Teil der Mengen bereits verteilt. Dennoch habe sich die Versorgungslage bis dato noch nicht entspannt. Auch der MWV erwartet eine Normalisierung der Versorgung erst mit steigenden Flusspegeln.

 

>> Pressemitteilungen des Erdölbevorratungsverbands

>> Pressemitteilung des MWV

31. Oktober 2018

Landbox: Klimafreundliches Verpackungskonzept für die Kühllogistik

Mit der sog. „Landbox“ hat die Landpack GmbH ein klimafreundliches Konzept für den Transport gekühlter Produkte entwickelt. Die Landbox ist eine Isolierverpackung, die im Wesentlichen aus einem Karton besteht, der mit Strohplatten isoliert ist. Die formstabilen Isolierteile aus Stroh werden ohne Klebstoffe, Bindemittel und Zusatzstoffen hergestellt. Nach der „Formung“ des Strohs wird dieses mit einer kompostierbaren Folie aus Stärke umhüllt. Hierdurch können die Strohteile im Ganzen über die Biotonne entsorgt werden.

Die Strohverpackung ermöglicht auch bei sommerlichen Außentemperaturen für bis zu 65 Stunden eine Kühlung auf eine Temperatur zwischen -1 und 4 Grad Celsius. Neben der Isolierungsleistung hat Stroh auch eine stoßdämpfende Wirkung. Hierdurch ist es nicht nur für Kühlprodukte wie Lebensmittel oder Arzneimittel sondern auch für den Transport von stoßempfindlichen Produkten Geschirr, Möbeln, Elektronikartikeln oder Pflanzen geeignet.

Der Energieaufwand für die Produktion einer Landbox liegt bei 20 kWh/m3. Im Vergleich hierzu müssen für die Herstellung einer Styroporbox rund 1.000 kWh/m3 aufgewendet werden.

Darüber hinaus können mit der Landbox die Lizenzgebühren gemäß der Verpackungsverordnung gegenüber einer Styroporverpackung um 65 Prozent reduziert werden. Gemäß der Verpackungsverordnung müssen sich alle Unternehmen, die Verpackungen in den Verkehr bringen (z. B. Hersteller von Verpackungen oder (Online-)Händler), an einem sog. „Dualen System“ beteiligen und entsprechend der Menge und der Art der Verpackungen, die sie in Umlauf bringen, eine Lizenzgebühr entrichten.

Zum 01. Januar 2019 tritt das Verpackungsgesetz in Kraft, das die Verpackungsverordnung ablöst. Mit dem Gesetz soll die Transparenz bei der Lizenzierung gestärkt werden. Zu diesem Zweck soll eine „Zentrale Stelle Verpackungsregister“ geschaffen werden. Bei dieser müssen sich alle Händler registrieren und sämtliche Mengen und Materialarten der „systembeteiligungspflichtigen“ Verpackungen melden. Letztere sollen in einem Katalog gelistet werden, der in Kürze veröffentlicht werden soll.

>> Informationen zur Landbox

>> Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister

15. Oktober 2018

Naturgefahrenreport 2018 veröffentlicht

Am 09. Oktober 2018 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) seinen Naturgefahrenreport 2018 veröffentlicht. Gemäß dem Bericht verursachten Naturgefahren in 2017 versicherte Schäden in Höhe von 2,9 Mrd. Euro. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um 400 Mio. Euro.

 

Rund 90 Prozent der Schäden (2,6 Mrd. Euro) sind auf Sturm- und Hagelereignisse zurückzuführen. Starkregen und Hochwasser verursachten Schäden in Höhe von 300 Mio. Euro.

 

Laut dem Bericht war 2017 ein „Jahr der Extreme“: Das erste Quartal war von Stürmen geprägt, die in weiten Teilen Deutschlands den Bahn- und Straßenverkehr beeinträchtigten. Im Frühjahr führte Spätfrost zu hohen Ernteverlusten. Im Sommer traten starke Gewitter sowie Stark- und Dauerregen auf, die massive Überschwemmungen, vor allem in Berlin, nach sich zogen. Der Herbst war gezeichnet von Orkanen und Tornados, die ebenfalls zu starken Gebäude- und Infrastrukturschäden sowie zu Stromausfällen und Verkehrsbeeinträchtigungen führten.

 

Gemäß GDV wird auch 2018 zu einem schadensintensiven Jahr. Alleine in den ersten sechs Monaten verursachten Sturm, Hagel und Starkregen Schäden in Höhe von 1,3 Mrd. Euro. Die Schäden in der Landwirtschaft aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit im Sommer werden auf 2 Mrd. Euro geschätzt.

 

>> Naturgefahrenreport 2018

09. Oktober 2018

Bank of England legt Bericht zu Klimarisiken für den Bankensektor vor

Einer Umfrage der Bank of England zufolge sehen 90 Prozent der Banken den Klimawandel als finanziellen Risikofaktor. Gleichwohl setzen sich lediglich 10 Prozent der Banken strategisch und umfassend mit Klimarisiken auseinander. 30 Prozent erachten die Klimarisikothematik als reines CSR-Thema.

 

Mit ihrem Bericht „Transition in thinking: The impact of climate change on the UK banking sector“ möchte die Bank of England aufzeigen, inwieweit der Klimawandel einen Risikofaktor für Banken darstellt und wie Klimarisiken gemanagt werden können.

 

So können beispielsweise unversicherte extremwetterbedingte Schäden das Kreditrisiko erhöhen, z. B. wenn Hausbesitzer ihre Schulden nicht zurückzahlen können oder der Wert des Eigentums sinkt. Gleiches gilt für Firmenkredite, wenn Klimarisiken zu Umsatzeinbußen oder Betriebsunterbrechungen führen. Ferner können veränderte politische Vorgaben oder technologische Neuerungen, die mit der Transformation zu einer emissionsarmen Wirtschaft einhergehen, erfordern, dass Anlagenwerte neu berechnet werden müssen.

 

Zur Verdeutlichung der finanziellen Klimarisiken für den Bankensektor werden in dem Bericht vier Fallstudien präsentiert. Diese fokussieren z. B. Risiken bei Hypotheken auf Häuser, die einem hohen Überflutungsrisiko ausgesetzt sind, sowie Risiken bei der Kreditvergabe an Unternehmen der Kohle- und der Automobilindustrie.


Ferner werden in dem Bericht beispielhaft Maßnahmen für ein Klimarisikomanagement in Banken vorgestellt, wie z. B. die Einbeziehung klimabezogener Faktoren in Anlagebewertungen oder die Verwendung von Szenarioanalysen zur Bewertung langfristiger finanzieller Klimarisiken.

 

>> Bericht

>> Pressemitteilung

01. Oktober 2018

K+S KALI GmbH muss Produktion aufgrund von Trockenheit stilllegen

Die K+S KALI GmbH musste ihre Produktion aufgrund der anhaltenden Trockenheit zeitweise unterbrechen. Betroffen waren zwei Produktionsstandorte des Verbundwerks Werra.

 

In dem Kaliwerk werden unter anderem Düngemittel als auch Vorprodukte für die Pharma-, Lebensmittel- und Futtermittelindustrie produziert. Bei der Kaliproduktion fallen salzhaltige Abwässer an. Die Entsorgung der Abwässer erfolgt vorwiegend über die Werra. Darüber hinaus werden die Salzlösungen fernab der Standorte in stillgelegten Bergwerken entsorgt.

 

Der Wasserpegel der Werra war infolge der extremen Trockenheit in den letzten Wochen stark gefallen, sodass der Fluss nicht mehr im vollen Ausmaß für die Entsorgung genutzt werden konnte. Daraufhin wurde der „standortferne“ Abtransport der Abwässer in die stillgelegten Bergwerke erhöht. Die verfügbaren Ressourcen für diese alternative Entsorgungsmöglichkeit waren zwischenzeitlich voll ausgeschöpft.

 

Daher musste die Produktion am Standort Wintershall am 27. August 2018 und die Produktion am Standort Hattorf am 11. September 2018 vorübergehend eingestellt werden. An beiden Standorten konnte die Produktion erst am 28. September 2018 wieder aufgenommen werden. Einer Pressemitteilung des Unternehmens zufolge war jeder Tag mit einem Produktionsstillstand mit einem negativen Effekt von 1,5 Mio. Euro pro Standort verbunden. In der Summe wird für das 3. Quartal 2018 von Gewinneinbußen in Höhe von 80 Mio. Euro ausgegangen.

 

>> Pressemitteilung der K + S AG

>> Pressemitteilung der K + S AG vom 28. September 2018

24. September 2018

Seminar "Standort 2050 – Klimarobust & extremwetterresistent" - 30. Oktober 2018

Am 30. Oktober 2018 findet das dritte Seminar unserer Veranstaltungsreihe „Klimarisiken verstehen & begrenzen“ statt.

Im Rahmen des Seminars gehen wir der Frage nach, wie künftige standortbezogene Risiken durch Wetterextreme abgeschätzt werden können. Ferner zeigen wir auf, mit welchen Maßnahmen potentielle Gefahrenbereiche adressiert werden können.

 

Unter anderem wird erläutert, mit welchen baulichen Maßnahmen Schäden an Produktionsanlagen und Verwaltungsgebäuden vorgebeugt werden kann. Anhand eines Best-Practice-Beispiels wird erläutert, wie sich Unternehmen für extremwetterbedingte Blackouts rüsten können, um Betriebsunterbrechungen und Produktionsausfälle zu vermeiden. Nicht zuletzt diskutieren wir, inwieweit Klimaänderungen bei der Planung und Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen berücksichtigt werden sollten.

 

Als Referenten erwarten Sie u. a. Herr Dr. Bernhard Fischer (BBSR), Herr Ralf-Peter Angstmann (RIBENA GmbH) sowie Herr Jens Kühne (Universitätsklinikum Leipzig).

 

>> Weiterführende Informationen

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